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Allgemeinmedizin 24. Oktober 2007

Moderne Diabetestherapie mit Sitagliptin

Ab 1. November 2007 steht der erste DPP-4-Hemmer Sitagliptin (Januvia®) auch österreichischen Diabetes-Patienten zur Verfügung. Die moderne Diabetestherapie bietet vier Vorteile: starke HbA1c-Senkung, physiologisches Wirkkonzept, Hypoglykämie-Rate auf Placebo-Niveau und keine Gewichtszunahme. Das innovative Medikament hat kürzlich den „Nobel“-Preis im Pharmabereich, den sogenannten „Prix Galien 2007“, erhalten. Dieser Preis gilt als höchste Auszeichnung in der Pharmaforschung und wird für vielversprechende Medikamente verliehen. Übergewicht, sitzende Lebensweise und falsche Ernährung lassen die Zahl der Typ-2-Diabetiker, die zunächst über eine Insulinresistenz und eine Glukoseintoleranz in die Zuckerkrankheit hineinschlittern, weltweit in die Höhe schnellen. Im Jahr 2000 gab es weltweit 159 Millionen Zuckerkranke, im Jahr 2025 wird die Zahl auf 280 Millionen ansteigen. „Seit dem Jahr 2000 sehen wir erstmals, dass nun bis zu 15 Prozent der Zuckerkranken unter 20 Jahren Typ-2-Diabetes haben. Das gab es früher nicht“, zeigt sich Dr. Russel Scott, Diabetologe an der Otago Universität in Neuseeland, am Europäischen Diabeteskongress 2007 in Amsterdam besorgt. Besonders alarmierend ist, dass der „Alterszucker“ vermehrt bei Kindern und Jugendlichen auftritt. „Wir sehen eine völlig neue Patientengruppe. Sie wird länger krank sein, wird mehr Komplikationen haben und länger behandelt werden müssen“, prognostiziert Scott.
Neue Arzneimittel können gerade diesen Menschen helfen und könnten erstmals die Möglichkeit bieten, am Verlauf der Erkrankung wirklich etwas zu ändern: Sogenannte Inkretinmimetika und Hemmstoffe jenes Enzyms (Dipeptidyldipeptidase-4, DPP-4), das im Körper des Menschen das „Glucagon-like Peptide“ (GLP-1) abbaut. GLP-1 wird als Hormon im Darm produziert und verursacht nach der Aufnahme von Kohlenhydraten die sofortige massive Ausschüttung von Insulin aus der Bauchspeicheldrüse, um den Blutzuckerspiegel unter Kontrolle zu halten. „70 Prozent der Insulinausschüttung bei Gesunden gehen auf diesen Mechanismus zurück. Bei Typ-2-Diabetikern sinkt dieser Wert auf 30 Prozent“, berichtet Dr. Carolyn Deacon von der Universität Kopenhagen.
Die Pharmaindustrie reagierte auf diese Erkenntnisse mit der Entwicklung von GLP-1-ähnlichen Proteinen, die nach der Injektion unter die Haut nicht so schnell wie das humane GLP-1 abgebaut werden, und mit Substanzen, welche eben den Abbau des körpereigenen GLP-1 über 24 Stunden hinweg verhindern können. Zu Letzteren gehört Sitagliptin (Januvia®), der erste DPP-4-Hemmer zur Behandlung des Typ-2-Diabetes mellitus. „Sitagliptin verdoppelt wieder die Konzentration von GLP-1 im Blut nach der Aufnahme von Kohlenhydraten und erhöht die Insulinausschüttung bei Diabetikern“, erklärt Prof. Dr. Michael Nauck, ärztlicher Leiter am Diabeteszentrum Bad Lauterberg in Deutschland, der den Inkretin-Mechanismus ehemals aufgeklärt hat. „Wegen einer ergänzenden Wirkung zu dem seit Jahrzehnten verwendeten oralen Antidiabetikum Metformin eignet sich das neue Medikament besonders für eine Kombinationstherapie. Je schlechter die Blutzuckereinstellung des Patienten ist, desto größer ist die Wirkung. Es gibt de facto keine Nebenwirkungen. Gleichzeitig kommt es nicht vermehrt zu Hypoglykämie.“ Auch österreichische Experten äußern sich optimistisch: „Sitagliptin ist eine eindeutig innovative Substanz, die über ihre Inkretin-Abbauhemmung Glukose-abhängig die Balance zwischen Insulin und Glukagon verbessert. Somit wird die Blutzucker-Stoffwechsel-Lage bei Typ-2-Diabetikern elegant verbessert, ohne Hypoglykämien zu erzeugen“, ist Prof. Dr. Hermann Toplak von der MedUni Graz überzeugt. Und Doz. Dr. Bernhard Paulweber von der UniKlinik Salzburg stellt fest: „In der Behandlung des Typ-2-Diabetes steht uns mit Sita­gliptin eine interessante, neue Alternative zur herkömmlichen Insulinsekretagoga zur Verfügung. In klinischen Studien konnte ich mit dieser Substanz schon durch einige Jahre praktische Erfahrungen sammeln. Die in zahlreichen Studien beobachtete geringe Nebenwirkungs- und Hypoglykämierate dieser Substanz kann ich daher aus eigener Erfahrung bestätigen.“
Die Arzneimittel, die den Inkretin-Mechanismus ausnützen, könnten erstmals auch an den pathogenen Abläufen in der Bauchspeichel-drüse etwas ändern. „In Tierversuchen zeigte sich, dass man damit das Wachstum und die Entstehung von neuen Beta-Zellen, die Insulin produzieren, fördern kann. Die Funktion der Beta-Zellen wird verbessert. Gleichzeitig wird der programmierte Zelltod von Beta-Zellen reduziert“, erläutert Deacon. „Wir müssen nun in weiteren Studien die Hypothese überprüfen, dass Sitagliptin über eine Erhöhung der GLP-1-Konzentrationen die Zahl und die Funktion der Beta-Zellen in der Bauchspeicheldrüse erhöht. Damit könnte eventuell auch auf längere Dauer eine ausreichend erfolgreiche Kontrolle des Blutzuckerspiegels auf lange Sicht möglich werden“, so Nauck. Vielleicht lässt sich so das Fortschreiten des Altersdiabetes zumindest verlangsamen.
Januvia® (Sitagliptin) ist zur Verbesserung der Blutzuckerkontrolle in Kombination mit Metformin indiziert, wenn Diät und Bewegung plus Metformin den Blutzucker nicht ausreichend senken. Die 100 mg Dosierung wird einmal täglich eingenommen, unabhängig von Nahrungsaufnahme und Tageszeit. In internationalen Studien ist eine signifikante Senkung des HbA1c, des Nüchtern- sowie des postprandialen Blutzuckers gezeigt worden. Es kam zu keiner Gewichtszunahme. Die Hypo­glykämien-Rate liegt ebenso wie die Nebenwirkungsrate auf Placeboniveau. Das Studienprogramm hat mehr als 8.000 Patienten umfasst. Januvia® ist in mehr als 50 Ländern zugelassen und in den USA seit 14 Monaten auf dem Markt. Weltweit wurde Januvia® bereits über eine Million Mal verschrieben.
Ab 1. November 2007 wird Januvia® auch österreichischen Diabetes-Patienten zur Verfügung stehen und wird in der dunkelgelben Box des Erstattungskodex gelistet sein. Die Verschreibung wird unter folgenden Voraussetzungen bewilligt:
• Diabetes Typ 2
• Therapiebeginn ab einem HbA1c größer 7
• Als Second-line-Therapie in Kombination mit Metformin oder Glitazonen (bei Metformin-Unverträglichkeit oder Kontraindikationen)
• BMI größer 26
• Nicht in Kombination mit Insulin
• HbA1c-Bestimmung alle sechs Monate
• Langzeitverschreibung für sechs Monate (L6)

Quelle: Presseaussendungen von MSD Österreich.

Rückfragehinweis:
MSD Österreich
Dkfm. Mark Frey, MBA
01/ 260 44 – 148

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