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Allgemeinmedizin 22. November 2007

Wie steht es um die Gesundheit im Jahr 2010?

Beim 10. Abbott Medical Circle trafen sich hochkarätige Vertreter aus Wissenschaft und Forschung, der Labormedizin, Politik, Beamtenschaft und den Medien, um über die Zukunft des österreichischen Gesundheitssystems zu diskutieren. WGKK-Obmann Franz Bittner prognostiziert, dass die Gesundheitsdiskussion bis 2010 kontinuierlich intensiver geführt werden wird. Er sieht eine Erhöhung der Höchstbeitragsgrundlage und eine geringfügige Mehrbelastung für Besserverdienende voraus, zudem sollen Kapitalerträge, Finanztransaktionen und Mieteinkünfte in die Beitragspflicht miteinbezogen werden. Ein Abbau der Krankenhauslastigkeit werde sich in Form von Leistungsverschiebungen von den stationären in den ambulanten Bereich vollziehen – „polyklinische Einrichtungen drängen den einsamen Praktiker langsam zurück“.
Der „Großgeräteplan“ und Diseasemanagement-Programme sollen Volkskrankheiten wie Diabetes, künftig auch Osteoporose besser und effizienter behandeln lassen. 2010 werde also das Bismarcksche System (nach Einkommen gestaffelte Beiträge an die selbstverwalteten Krankenkassen) nach wie vor Gültigkeit haben, um Spitzenmedizin für alle zu gewährleisten – also ohne Leistungseinbußen und ohne weitere Selbstbehalte. Von Unfinanzierbarkeit des Systems sei jedenfalls keine Rede – „die Kosten des österreichischen Gesundheitssystems werden sich auch 2010 auf 10,2 bis 10,3 Prozent des BIP belaufen“, so Bittner.
Anita Rieder vom Institut für Sozialmedizin der Medizinuni Wien betonte die Notwendigkeit, Präventions- und Gesundheitsziele zu formulieren und verstärkt mit anderen Politikbereichen (Wirtschaft, Landwirtschaft, Bildung, Soziales, Sport) zusammenzuarbeiten. Ein Mehr an gesunden Lebensjahren stehe auf der Agenda ganz oben, intensiver müssten soziale Ungleichheiten austariert (Prävalenzen sind stark an Einkommen und Bildung gekoppelt) und kinder- und geschlechtsspezifische Ziele formuliert werden.
Dr. Thomas Szekeres, Vizepräsident der Wiener Ärztekammer, sieht Österreichs Gesundheitssystem als eines der günstigsten und besten Systeme weltweit und spricht sich gegen eine Privatisierung und für den Erhalt unseres Systems aus. „Das Solidarprinzip ist unbedingt beizubehalten, denn mehr private Anbieter würden nur die Kosten erhöhen, ohne die Versorgung zu verbessern“, so Szekeres. Es sollte auf Gesundheitserhaltung jedoch mehr Gewicht gelegt werden – schon in der Schule wäre eine entsprechende Unterweisung über Gesundheitsgefahren wie Übergewicht oder Rauchen notwendig – hier seien sowohl die öffentliche Hand als auch die Pensionsversicherungsanstalt in die Pflicht zu nehmen. „Eine Zweckwidmung eines Teiles der Tabaksteuer für Präventionsmaßnahmen ist ein Vorschlag, den ich für sehr gut finde“, meint Szekeres. Zusammengefasst, würde die Öffnung des Marktes „Gesundheit“ nur Gewinne für Investoren bei gleichzeitig steigenden Kosten, aber keine Qualitätsverbesserung für die Patienten bedeuten und sei deshalb nicht zu befürworten. „Für die Zukunft wäre es unter anderem überlegenswert, die Finanzierung der Sozialversicherungen von der Lohnsumme abzukoppeln und auch Gewinne und Erträge in die Grundlage mit einzubeziehen. Auch eine Erhöhung der Krankenversicherungsbeiträge sollte angedacht werden“, schlägt Szekeres vor.

Quelle und Rückfragehinweis:
Abbott Gesellschaft mbH
Diagnostics Division
Dipl.-Ing. Josef Schabauer
01/ 891 22 - 0

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