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Allgemeinmedizin 24. Jänner 2008

Was hilft? Was hilft nicht?

Welche Therapien oder Präventionsmaßnahmen tatsächlich helfen, ist für den einzelnen Arzt nicht immer zuverlässig einschätzbar. Wer sich rasch orientieren möchte, findet auf einer Patienten-Website evidenzbasierte Informationen.

Als Hilda Bastian bei ihrem Vortrag im September 2007 in der Bibliothek des Ludwig Boltzmann Instituts für Health Technology Assessment erwähnte, eine im Lancet 2007 veröffentlichte Metastudie zum Thema „Wirksamkeit von Echinacea-Präparaten bei Erkältungen“ für nicht ausreichend stichhaltig befunden und deshalb nicht berücksichtigt zu haben, ging ein Raunen durch den Raum. Die Cochrane-Studie von 2006 erschien ihr stichhaltiger.
Das Deutsche Institut für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen (IQWiG) hat die Expertin aus Australien geholt, um eine evidenzbasierte Patienteninformation im Internet aufzubauen. Die ist seit Februar 2006 online.

Geprüfte Medizin

Die anspruchsvolle Aufgabe: Anhand von systematischen Übersichten die Ergebnisse der vorhandenen Studien zu einer Fragestellung zusammenzufassen und – in einfachen Worten – einen Überblick über den Stand des Wissens zu einer medizinischen Behandlung zu geben. Informationen, die nicht nur für mündige Patienten nutzbringend sind. Auch Ärzte können sich rasch orientieren und auf dem Laufenden halten, bzw. die Inhalte für die Erstellung von eigenen Patientenmerkblättern heranziehen. „30 Prozent der Bezieher des regelmäßigen E-Mail-Newsletters der Gesundheitsinformations-Plattform sind Ärzte“, erzählt Bastian.
Pro Arbeitstag sind allein im Jahr 2004 neun gute systematische wissenschaftliche Übersichtsstudien erschienen, Tendenz steigend. Hier einen Überblick zu behalten, scheint schier unmöglich. Zudem sind die Originalstudien meist kostenpflichtig. Die Patienteninformationsseite des IQWiG hingegen ist gratis zugänglich.

Keine Patientenleitlinien

„Unsere Informationen sind aber keine Patientenleitlinien“, betont Bastian, vielmehr kämen sie möglichst unabhängig auf Grund eines möglichst breiten Überblicks zustande. „Der Versuch, objektiv zu sein, ist vielleicht ziemlich radikal“, meint Bastian. Bemerkenswert ist an dem aufwändigen Projekt jedenfalls, dass die Informationen unter Umständen sogar aktueller sein können, als in langwierigen Konsensus-Prozessen erstellte ärztliche Leitlinien.
Die Themen orientieren sich daran, welche interessant und relevant sind und für welche es eine ausreichende und nicht veraltete Evidenz gibt. Auf der Website finden sich Infos zu Themenbereichen wie Cholesterin, Asthma und Asthmatraining, Darmkrebs, Herzinfarkt und Hormonbehandlung, zum Lagerungsschwindel und zum off-label Use von Medikamenten. Das langfristige Ziel: 100 ausführliche Artikel, 300 Factsheets und 1.000 Kurzantworten auf wissenschaftliche Fragen auszuarbeiten und regelmäßig zu überarbeiten. Bastian: „Das Update ist wichtig, damit die Informationen evidenzbasiert bleiben.“ Dazu gibt es Grafiken, Fallgeschichten, kurze Videos und Quiz-Fragen.

Schutz vor zu viel Medizin

Ziel ist es, bekennt Hilda Bastian, „Patienten auch vor zu viel Medizin zu schützen“. Denn gute Medizin zeige sich gerade darin, dass nicht „alles“ für einen Patienten getan wird, sondern das „Richtige“ – und ihm Unnötiges oder gar Schädliches erspart wird.
Für die Einschätzung der Echinacea-Wirksamkeit wurden nach einem systematischen „Evidenz-Scanning“ mit strengen Filterkriterien fünf Übersichtsarbeiten seit 2005 überprüft. Keine leichte Aufgabe, ist doch die Studienlage mehr als widersprüchlich: So gibt es Untersuchungen, die eine Wirksamkeit von Sonnenhutextrakten nachweisen, und solche, die keine positiven Effekte gefunden haben. Nach sorgfältiger Überprüfung heißt es auf der Website: „Möglicherweise können Echinacea-Produkte zu Beginn einer Erkältung ihre Dauer und Schwere begrenzen.“

www.gesundheitsinformation.de

Inge Smolek, Ärzte Woche 4/2008

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