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Allgemeinmedizin 24. Oktober 2007

Kranke Baby-Boomer?

Die Generation, die unmittelbar vor der Pensionierung steht, fühlt sich – wenigstens in Amerika – schlapper, psychisch angeschlagener und ausgelaugter als ihre Eltern. Ob das wirklich krankheitswertig ist oder ob sich die Definition von Gesundheit geändert hat, ist dabei nicht klar.

Die Herausforderung, die für Gesundheitsförderung und Prävention besteht, könnte einem Bericht der Washington Post zufolge zumindest in den USA möglicherweise noch größer sein als bislang angenommen.
Laut Washington-Post-Redakteur Rob Stein wird die jüngere Generation nämlich immer kränker – und nicht zunehmend gesundheits- und ernährungsbewusster, wie es Massenmedien und Werbung häufig zu vermitteln scheinen. Stein zitiert Ergebnisse der Längsschnittstudie Health and Retirement, für die in den USA 20.000 Erwachsene beobachtet wurden. Danach ist die subjektive Gesundheit jener Altersgruppen, die gerade kurz vor der Pensionierung stehen, zunehmend schlechter.
Auf der jeweils gleichen Altersstufe hätten die Baby-Boomer, die geburtenstarken Jahrgänge zwischen 1948 und 1953, ihre Gesundheit wesentlich weniger oft als „ausgezeichnet“ oder „sehr gut“ bezeichnet als die Altersgruppen, die zwischen 1936 und 1941 sowie zwischen 1942 und 1947 geboren wurden. Zudem hätten sie im Vergleich häufiger angegeben, Alltagsaktivitäten, wie einige Runden um den Block zu gehen oder rund fünf Kilogramm zu heben, nicht ausführen zu können. Wesentlich höher sei auch die Wahrscheinlichkeit gewesen, dass sie über Schmerzen, Alkohol-Probleme, psychische Störungen und chronische Gesundheitsbeschwerden wie hohen Blutdruck, erhöhte Cholesterinwerte oder Diabetes berichteten.
Allerdings, heißt es in der Washington Post, sei vorerst noch unklar, ob die „Baby-Boomer“ tatsächlich kränker oder einfach nur „gesundheitsbewusster“ seien. Dazu wird die Studienleiterin Dr. Beth J. Soldo vom Population Aging Research Center an der University of Pennsylvania zitiert: „Ich glaube nicht, dass es in der Generation der Baby-Boomer einfach mehr Heulsusen oder Jammerer gibt. Ich denke vielmehr, dass sich die Definition dessen, was gute Gesundheit bedeutet, verändert hat.“

Mag. Dietmar Schobel, Ärzte Woche 43/2007

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