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Allgemeinmedizin 6. Juli 2007

Die Moderne glänzt mit Aluminium

Noch bis 1. September präsentiert das Wagner Werk Museum Postsparkasse im Großen Kassensaal die Ausstellung „Aluminium, Glanz der Moderne“.

 Liege aus Alu
Heinz Frank Unikat-Liege, 1969/1970, Ausführung R. Swoboda & Co, Wien, Aluminiumrohre in Trompetenform, Eisenbeine, Profileisen, Klistiere

Foto: Michael Turkiewicz

Es sind die Designentwürfe am und im Bau von Otto Wagners Postsparkasse am Wiener Georg-Coch-Platz, die quasi die Initialzündung zur Ausstellung „Aluminium, Glanz der Moderne“ lieferten.
Wagner hatte um die Wende vom 19. zum 20. Jahrhundert bereits einige Erfahrung mit dem Material Aluminium – er hatte es schon für die Fassade der Zeitungsredaktion Die Zeit eingesetzt. Der Grund für die extensive Nutzung dieses Werkstoffs lag auf der Hand: Das korrosionsfreie Nicht-Eisen-Metall eignete sich exzellent für den Außenbereich von repräsentativen Gebäuden. Zudem galt das damals seltene Material als außerordentlich wertvoll, vergleichbar höchstens mit Titan oder feinen Silberlegierungen. Und nobel wirkte der matte Glanz polierten Aluminiums allemal, mehr noch als Silber und dessen viele Imitate.
Aluminium-ummantelte Säulen, die das Glasdach der zentralen Kassenhalle durchstoßen, Lampenfassungen aus Aluminium mit nackten Glühbirnen, technoide Heizungssäulen, die den großen Kassensaal belüften – am Ausstellungsort selbst nimmt die Geschichte des Aluminiumdesigns seinen Anfang.

Ohne Alu keine Dose

Mit der Entwicklung des „streamline design“ brach die große Zeit des Design-Aluminiums an – deutlich sichtbar am Airstream Clipper, einem Originalwohnwagen aus dem Jahr 1957. Nach den Alu-Münzen der 40er und 50er Jahre stehen der „Galaxy“-Fauteuil und Tisch von Walter Pichler oder eine Liege aus Aluminiumklistieren von Heinz Frank für das radikale österreichische Design der 70er Jahre. Arbeiten von Peter Weibel und Hans Kupelwieser demonstrieren die Verwendung von Aluminium in der bildenden Kunst der 1980er und 1990er Jahre. Der Fahrzeugrahmen der Audi-Serie verweist auf den heutigen Stand des High Tech Aluminiums.
Sechs historische Abschnitte werden präsentiert, und für jeden steht ein Leitobjekt, dessen Inszenierung auf die Bedeutung des Aluminiums für die jeweilige Zeit hinweist. Dem Vorlauf einer industriellen Nutzung ist der erste Zeitabschnitt von 1806 bis etwa 1890 gewidmet. Zwischen 1890 und 1912 liegt nicht nur Otto Wagners Gebrauch des Aluminiums, sondern ein enormer Schub der Modernisierung. Die eigentliche Moderne kann zwischen den beiden Weltkriegen angesiedelt werden. Nach dem Zweiten Weltkrieg hielt Aluminium, das bis dahin überwiegend in der Flugzeugindustrie Verwendung fand, als erstes Metall Einzug in alle Haushalte. Heute sind es vor allem zwei Produkte, die den Übergang vom Massenprodukt Aluminium zur Grundlage eines allumfassenden Recyclingmaterials demonstrieren: die Alu-Folie und die Alu-Dose.
So verfolgt die Ausstellung die Wirkung des Aluminiums als materielles Zeichen durch die Moderne hindurch. Der Bezug zu Otto Wagner geht über die reine Bauaustattung hinaus und verweist auf immaterielle Bezüge zwischen Bauaufgabe und Materialeinsatz.

Aluminium –
Der Glanz der Moderne
Bis 1. September 2007
WAGNER:WERK Museum Postsparkasse
Georg-Coch-Platz 2, 1018 Wien
Mo, Di, Mi und Fr 8-15 Uhr,
Do 8-17.30 Uhr, Sa 10-17 Uhr

Elisabeth Tschachler-Roth, Ärzte Woche 27/2007

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