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Allgemeinmedizin 28. Juni 2007

Auf der Suche nach der Vernetzung

Wer kennt das nicht: Ohne Vorwarnung wird der Patient aus dem Spital entlassen und der Arzt muss sich möglichst vorgestern um alles kümmern. Aber es gibt auch positive Gegenbeispiele.

„Jedes Krankenhaus setzt Entlassungsmanagement um – die Frage ist nur, wie dieser Prozess in die Abläufe integriert ist und wer dafür Verantwortung trägt“, analysiert Mag. Alice Grundböck. Sie ist für das Projektmanagement von „PatientInnenorientierte integrierte Krankenbetreuung“ (www.pik.or.at) zuständig, das von der Stadt Wien und der Wiener Gebietskrankenkasse finanziert wird. „Entlassungsmanagement hat wesentliche Bedeutung für die Qualität der medizinischen Versorgung“, ergänzt Prim. Dr. Manfred Freimüller, Leiter der Kärntner Gailtal-Klinik und des Fachbeirates für Qualität und Integration im Gesundheitswesen des Landes Kärnten.
„Es geht gerade hier um die Zufriedenheit der PatientInnen bzw. um die Sicherstellung der kontinuierlichen Versorgung und der Verbesserung der Qualität aus Sicht der PatientInnen.“ Bei jährlichen Befragungen äußerten Kärntner Patienten grundsätzlich Zufriedenheit mit den Krankenanstalten im Land, orteten aber Verbesserungsbedarf beim Entlassungsmanagement. Kritisiert werden etwa mangelnde Information, die Zeit nach der Entlassung und die Vorbereitung einer weiteren Betreuung nach dem Spitalsaufenthalt.

Management der Entlassung beginnt vor der Aufnahme

Aus Freimüllers Sicht ist Entlassungsmanagement ein Prozess, der schon vor der Aufnahme beginnt. Abgesehen von Notfällen, sind medizinische Behandlungen teilweise planbar bzw. können Vorinformationen eingeholt werden. „Entlassungsmanagement oder Überleitungspflege darf nicht heißen, dass erst am letzten Tag im Spital jemand zum Patienten sagt: ‚Jetzt begleite ich dich hinaus’.“ Ähnlich sieht das Grundböck: „Es geht um eine Verbesserung des Prozessmanagements, bei dem der niedergelassene Bereich mitzudenken ist.“ Wichtig ist zudem der multi- und interdisziplinäre Ansatz, die enge Zusammenarbeit zwischen Ärzten, Pflegepersonal, Sozialarbeit, Ergotherapie, Logopädie, Physiotherapie usw.

Ressourcen notwendig

Im Hanuschkrankenhaus ist Entlassungsmanagement etwa gut integriert und wird durch eigens eingestelltes Personal sichergestellt. „Es ist nur bedingt ein Beitrag zur Qualität, wenn es für diesen Bereich keine ausreichenden personellen Ressourcen gibt“, so Grundböck. Zentrale Aufgabe ist auch die Kontaktaufnahme mit dem Hausarzt – sofern es diesen gibt – und die Organisation von mobilen Diensten oder von Heilbehelfen. „Ganz wichtig ist die Einbindung der Patienten und deren Angehörige: Was sind deren Bedürfnisse? Wie verändert sich die Lebenssituation durch die Krankheit oder eine Rehabilitation nach einem Unfall? Wer kann wie Unterstützung geben?“ Für Grundböck problematisch ist die Sichtweise von Patienten als „Kunden“ – „viele Menschen sind überfordert, sich im Dschungel der Angebote im medizinischen und sozialen Bereich zurechtzufinden.“ „Möglichst schnell muss evaluiert werden, welche Form von Nachbetreuung ein Patient braucht“, meint auch Dr. Harald Tschojer, kassenärztlicher Referent in der Kurie der niedergelassenen Ärzte in der Steiermark. „Bei uns gibt es Entlassungskoordinatoren. Trotzdem kann es zu den berüchtigten Entlassungen am Freitagnachmittag kommen, die eine Überforderung an alle Beteiligten darstellt.“ Für Hausärzte sei wichtig, über den Zeitpunkt der Entlassung informiert zu werden bzw. welche Form von Unterstützung der Patient brauchen wird. Tschojer sieht zwei weitere Problemfelder: „Im Spital werden oft Medikamente oder Heilbehelfe eingesetzt, die wir aufgrund des Boxen-Systems im niedergelassenen System nur bedingt oder gar nicht weiter verschreiben dürfen.“ Zudem beginnt die Tätigkeit des Hausarztes oft schon vor der Entlassung – diese darf aber während des Spitalsaufenthalts nicht bei der Kasse verrechnet werden. „Wichtig wäre ein intensiverer Informationsaustausch zwischen niedergelassenen und Spitalsärzten“, unterstreicht Tschojer. Auch um die jeweilige Arbeitsrealität kennen zu lernen bzw. – ein für Tschojer besonders sensibler Punkt, wo es immer wieder Probleme gibt – welche Informationen voneinander wann benötigt werden.

Gemeinsame Verantwortung

Aus Freimüllers Sicht wären dies alles Punkte, die in einem professionellen Entlassungsmanagement Berücksichtigung finden müssten: „Sind Patienten und deren Angehörige sowie betreuende Netzwerke besser auf die Zeit nach dem Spital vorbereitet, treten weniger Komplikationen auf und es verringert sich die Gefahr von Rückfällen bzw. von Überlastungssituationen.“ Werden „Entlassungsmanager“ im Spital integriert, dürfe das nicht bedeuten, dass dieser alleine für diesen Job zuständig ist: „Alle im Team – Ärzte, Pflege und Sozialarbeit und ebenso Therapeuten – tragen diese Verantwortung mit – Entlassungsmanagement ist Teamwork, wobei dies oft auch den niedergelassenen Bereich umfasst.“ Dieser Ansatz müsste auch durch Fortbildungen verstärkt werden.

Mag. Christian F. Freisleben-Teutscher, Ärzte Woche 26/2007

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