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Allgemeinmedizin 18. Juli 2007

Keine Effizienzgarantie

In Deutschland werden immer mehr öffentliche Krankenhäuser geschlossen oder verkauft. Auch hierzulande wird diskutiert, wie viel an „privat“ das Gesundheitswesen braucht bzw. überhaupt verträgt.

In Deutschland gibt es etwa 2.000 öffentliche Spitäler, an die 500 sind von einer Schließung bedroht und weitere 500 sollen verkauft werden. Private gewinnorientierte Spitalsträger haben, bezogen auf die Bettenzahl, einen „Markt“-Anteil von etwa 11,5 Prozent. Aber auch im niedergelassenen Bereich entstehen quasi kleine Miniambulatorien, die privat geführt sind und auch Kassenärzte gewinnen wollen.
Wie ist die Situation in Österreich? 2001 wurden in Kitzbühel erstmals Anteile an einem heimischen Spital an einen deutschen Klinikkonzern verkauft. Das Krankenhaus Klosterneuburg wird von einer großen Gruppe mitbetrieben, der verschiedene Privatspitäler und Heime in Österreich gehören. Und eine große Laborkette plant den Börsegang bzw. hat Niederlassungen in sechs Ländern.

Jeder niedergelassene Arzt ist freier Unternehmer

„Festzuhalten ist zunächst, dass es in allen Bundesländern ausgelagerte Spitalsträger gibt, bei denen das Land zwar zentraler Träger ist, die aber ‚privatwirtschaftlich’ geführt werden“, so Mag. Michael Tscharnutter, Geschäftsführer des Privatkrankenanstalten-Finanzierungsfonds. „Jeder niedergelassene Arzt ist ja ein freier Unternehmer, der sich in die öffentliche Gesundheitsversorgung einbringt, seine Tätigkeit wird weitgehend aus Mitteln der öffentlichen Hand finanziert“, ergänzt Dr. Thomas Czy­pionka vom Wiener Institut für Höhere Studien. Das IHS setzt sich etwa im Rahmen des „Health ­System Watch“ (http://www.ihs.ac.at/index.php3?id=1190) auch mit Fragen der Finanzierung des Gesundheitswesens auseinander.
Organisationsprivatisierungen seien ein richtiger Schritt, garantierten aber alleine noch keine Effizienz. Natürlich bemühen sich auch öffentliche Spitäler um die richtigen Mittel zur Zielerreichung, die teils auf Milliardenhöhe geschätzten Optimierungen fallen bei genauerem Hinsehen jedoch oft nicht so üppig aus. Zuweilen liegt das Problem in den gesundheitspolitischen Rahmenbedingungen begründet. „Klar ist: In Österreich gibt es in Bezug auf die Bevölkerungszahl doppelt soviel Akutbetten wie im EU-Durchschnitt. Auch die Aufnahmeraten sind überdurchschnittlich hoch“, so Czypionka. Diese Form der Betreuung verursacht vergleichsweise sehr hohe Kosten. Dabei würde es sich nicht allein um Probleme im Schnittstellenmanagement handeln – für Czypionka geht es auch „um die sehr unterschiedlichen Finanzierungstöpfe für Leistungen im intra- und extramuralen Bereich, die einen optimalen Einsatz vorhandener Mittel stark behindern“. Es würde viel von „Finanzierung aus einer Hand“ gesprochen, mit dem Ergebnis, dass es derzeit dann doch nur in einem Tauziehen um die Mittel endet. Czypionka fordert „ein gemeinsames Vorgehen und eine Planung, die mit- statt gegeneinander erfolgt“.
Tscharnutter sieht auch Potenziale in Bezug auf Effizienz durch „eine längst fällige Reaktion auf die Spezialisierung“. Grundlegende medizinische Behandlungen könn­ten überall angeboten werden, aber nicht umsonst gibt es Teams aus Medizinern, Therapeuten und Pflegekräften, die sich auf die Betreuung bestimmter Symptome spezialisiert haben. „Wohnortnahe Versorgung kann dann auch heißen, dass der primäre Eingriff in einem spezialisierten Zentrum erfolgt, dessen Team auch die entsprechende Erfahrung durch die Zahl der durchgeführten Eingriffe bzw. Forschungsmöglichkeiten vor Ort hat.“ Der zweite Schritt wäre die weitere Behandlung möglichst im Lebensumfeld.

Nicht nur Rendite im Fokus

Angesichts der Entwicklung in Deutschland würde sich Tscharnutter von Seiten der Gesundheitspolitik Transparenz hinsichtlich potenzieller Eigentümer von Krankenhäusern, Ordinationen oder Praxisgemeinschaften wünschen. „Dass solche Einrichtungen einfach von Hedge Fonds übernommen oder kontrolliert werden können, ist keine wün­schenswerte Entwicklung.“ Ähnlich sieht das der Rechtsexperte und oberösterreichische Kammeramtsdirektor Dr. Felix Wallner: „Natürlich ist es nicht verboten, Gewinn zu machen – wenn die primäre Intention eines Investors aber möglichst viel Rendite mit möglichst geringem Kapitaleinsatz ist, wird das auch zu Las­ten der Qualität gehen.“ Deshalb sollten in der Trägerschaft – egal ob Spitäler oder Ordinationsgemeinschaften – Ärzte vertreten sein, die den Auftrag der Grundversorgung für alle im Auge haben. Würden die aktuellen rechtlichen Rahmenbedingungen in Österreich eingehalten, sollte dies gewährleistet sein.
„Es ist keine Frage, dass zwischen dem Einzelkämpfer Arzt und dem Spital Strukturen im niedergelassenen Bereich fehlen“, meint Wallner. Auch Public-Private-Partnership-Ansätze könnten umgesetzt werden, „aber es sollte eben auch das eine für ‚public’ stehende P vorkommen.“
Auch innovative Konzepte sind willkommen: „Etwa dass sich eine in privater Hand befindliche Einrichtung zur Rehabilitation und das ursprünglich behandelnde Spital die Punktewerte und damit die Einnahmen teilen“, bringt Tscharnutter ein Beispiel.

Mag. Christian F. Freisleben-Teutscher, Ärzte Woche 28/2007

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