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Allgemeinmedizin 29. August 2007

Bereitschaft ist kein Zufall

Wie viel Ärzte für einen Bereitschaftsdienst verdienen und wie dieser organisiert ist, sieht in den Bundesländern bzw. den Landeshauptstädten sehr verschieden aus. Sind Mindeststandards notwendig?

Als eine der ersten öffentlichen Aussagen von Gesundheitsministerin Dr. Andrea Kdolsky ging deren Forderung nach einer „24-Stunden-Ärzte-Bereitschaft“ durch die Medien. Ein Beitrag dazu wäre, dass sich Haus- und Fachärzte zu Gruppenpraxen zusammenschließen und zumindest einer dieser Ärzte immer persönlich erreichbar ist. Kdolsky erhofft sich auf diese Weise eine Entlastung der Spitals­ambulanzen.
Vor allem zwei Reaktionen kamen dazu von Seiten der Ärzteschaft: Zunächst die Forderung nach Rahmenbedingungen, die Gruppenpraxen wirklich unterstützen, etwa die Möglichkeit, Ärzte bei Ärzten anzustellen. Und dann der Verweis auf die bereits existierenden Modelle der Bereitschaftsdienste.
Nach wie vor sehen diese Modelle sehr unterschiedlich aus: So gibt es Ärzte, die außerhalb der Ordinationszeiten quasi in der Freizeit zur Verfügung stehen; und es gibt Bundesländer, wo Dienste vor allem an den Wochenenden sehr gut organisiert sowie durch entsprechende Honorare finanziell abgesichert sind. Auch die Alarmierung der diensthabenden Ärzte erfolgt in jedem Bundesland anders.

Jeder hält‘s anders

Dazu Österreichs Ärztekammerpräsident Dr. Walter Dorner: „Wir haben nun mal eine föderale Struktur, und ich halte es für falsch, hier alles über einen Kamm zu scheren.“ Daher seien auch unterschiedliche Honorierungs- und Organisationssysteme kein grundlegendes Problem. In Wien sei eine gute Lösung gefunden worden: Hier gibt es einen über die Nummer 141 erreichbaren „Ärztefunkdienst“, der von 19 Uhr bis sieben Uhr in der Früh mit eigenen Fah­rern im Einsatz ist und an dem sich Ärzte mit jus practicandi beteiligen können.
„Der Bereitschaftsdienst ist im Land Salzburg über den Gesamtvertrag geregelt“, berichtet der Kurienobmann der niedergelassenen Ärzte Salzburgs, Dr. Josef Lohninger. Alle Vertragspartner müssen sich verpflichtend beteiligen – für Lohninger ein wesentlicher Vorteil des Modells, auch weil es zu keinen Streitigkeiten kommt. Die Diensteinteilung erfolgt über die Sprengelärzte, was im Normalfall problemlos läuft. „Finanziert werden die Dienste ausschließlich von der Gebietskrankenkasse mit einer Pauschale sowie fallbezogenen Entgelten.“ Für Lohninger hat dies den Vorteil, dass es einen ganz klaren Ansprechpartner gibt, die Vereinbarung wertgesichert und auf einen langen Zeitraum abgeschlossen ist.

Salzburg als Vorbild?

„Am Anfang war als Finanzpartner noch das Land Salzburg dabei, das sich dann aber schrittweise verabschiedet hat.“ Sowohl in der Stadt als auch im Land Salzburg läuft die Alarmierung der diensthabenden Ärzte über die Nummer 141, „wir würden uns einen gewissen Filter wünschen, weil viele Fälle eigentlich Lappalien sind“ (Lohninger). Ein Vorzug des Salzburger Modells ist, dass die Dienstbereitschaft generell von 19 Uhr abends bis sieben Uhr morgens festgelegt ist. „Es gab Diskussionen, den Dienst bereits ab 12 Uhr beginnen zu lassen – aus meiner Sicht sollte aber gerade der Allgemeinmediziner am Nachmittag außerhalb der Ordinationszeiten für den Patienten relativ einfach telefonisch erreichbar sein“, so Lohninger. Zur Frage, ob es nicht auch einen Notdienst etwa von Kinderärzten geben sollte, sagt er: „Hier stellt sich zunächst die Frage der Finanzierbarkeit. Außerdem ist es ja Aufgabe der Allgemeinmediziner, festzustellen, ob eine Behandlung nötig ist, ob sie diese selbst durchführen können oder an einen Facharzt oder eine Ambulanz verweisen müssen“, erklärt Lohninger.

Kärntner Querelen

In Kärnten gibt es zwei Systeme: Eines regelt den Bereitschaftsdienst von Montag bis Donnerstag – hier wird vom Land eine Pauschale gezahlt. Für Dienste am Wochenende ist dann die Gebietskrankenkasse finanziell zuständig. Eine eigene Lösung gibt es für Klagenfurt, wo sich Stadt und Land Anteile der Kos­ten teilen – finanziert werden eine Pauschale und ein Auto. Die Ärzte müssen sich die Fahrer bzw. die nötige Ordinationsstruktur – in der Stadt gibt es eine Zentrale – selbst zahlen. „Während Land und Stadt in Innsbruck, Graz und Salzburg die gesamten Kosten der Infrastruktur für den Bereitschaftsdienst abdecken, lehnt das Land Kärnten eine Beteiligung ab“, kritisiert Kärntens Ärztekammerpräsident Dr. Othmar Haas. „Ich bin der Meinung, dass in allen Bundesländern ein Mindestmaß an Honorierung für diensthabende Ärzte sowie eine Finanzierung für eine Basisstruktur sicher gestellt sein sollte.“ Der Bereitschaftsdienst ist für Haas eine wichtige Säule der medizinischen Versorgung, die aber auch durch entsprechende Mittel und Strukturen sicher gestellt sein müsste.
Viel Kritik musste die Kärntner Kammer für die Einführung einer Mehrwertnummer einstecken, über die der jeweilig diensthabende Arzt direkt erreichbar ist. „Von den Patienten wird dieses Service gut angenommen, und für ein solch komplexes Telefonsystem fallen ja auch Kosten an – die Kammer verdient am Projekt jedenfalls keinen Cent“, so Haas.

Mag. Christian F. Freisleben-Teutscher, Ärzte Woche 35/2007

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