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Allgemeinmedizin 4. Oktober 2007

Das Berufsbild der Tätigkeit anpassen

Medizinisch-technische Fachkräfte sind aus dem Alltag in Krankenhäusern und Ordinationen nicht wegzudenken. Ihre Tätigkeit ist vielgestaltig, nicht nur ihre Bezahlung orientiert sich allerdings an einem Berufsbild, das längst nicht mehr aktuell ist.

Kaum einer weiß auf Anhieb, was hinter der Abkürzung DMTF steckt. Dabei gibt es „diplomierte medizinisch-technische Fachkräfte“ bereits seit 1961. DMTF leisten, wie es im Gesetz heißt, „einfache Tätigkeiten“ und „Hilfeleistung“ in der Laboratoriums- und Röntgendiagnostik sowie in der Physikalischen Therapie. „Diese Bandbreite macht eine wesentliche Stärke dieser Berufsgruppe aus, die vor allem in kleinen Spitälern sowie in Ordinationen verschiedener Fachrichtungen zu finden ist“, erklärt Helmut Luckner, Begründer und Generalsekretär des Berufsverbandes der DMTF. Nach wie vor gibt es in Österreich fünf Schulen, an denen eine fünfsemestrige Ausbildung in Labor, Röntgen und Physikalischer Medizin angeboten wird – die Matura ist keine Voraussetzung. DMTF dürfen dann nur unter Aufsicht eines Arztes tätig werden.

Medizinisches Grundwissen

„Die DMTFs bringen ein relativ breites medizinisches Grundwissen mit und sind durch ihre drei­spartige Ausbildung sehr vielseitig einsetzbar“, meint Dr. Albert Leonhard, niedergelassener Internist in Graz, der selbst eine DMTF in seiner Ordination angestellt hat. So könnten gerade niedergelassene Ärzte durch die Mehrspartigkeit der DMTF ein breiteres Spektrum an Leistungen anbieten, „wobei es nicht darum geht, andere, spezieller ausgebildete medizinisch technische Dienste zu ersetzen“, betont Leonhard. Er erlebt DMTF nicht nur im Bereich der Rehabilitation, in medizinischen Instituten, an Begutachtungsstationen und in Ordinationen als sehr wichtiges „Rädchen“ der Gesundheitsversorgung – gerade aufgrund ihrer Vielseitigkeit.
„Ich könnte in meiner Ordina­tion einen Physiotherapeuten oder eine biomedizinische Analytikerin nicht auslasten. Andererseits kann ich durch den Einsatz der DMTF sowohl qualifizierte Arbeit im Labor als auch einfache Behandlungen im Bereich der physikalischen Therapie anbieten“, erklärt Leonhard.

Ungebrochener Zustrom

Momentan stehen in Österreich über 4.000 DMTFs in einem Dienstverhältnis, der Zustrom zu dieser Ausbildung ist nach wie vor ungebrochen. „Leider arbeiten wir nach wie vor auf der Basis eines Berufsrechts, das 1961 beschlossen und seit damals kein einziges Mal reformiert wurde“, kritisiert Luckner. Dies spiegelt sich dann auch darin, dass bei einer Neuordnung des Gehaltsschemas für Bedienstete im niederösterreichischen Gesundheitswesen, DMTF unter ihrem Wert eingestuft werden.
„Seit 2004 liegt ein fertiger Entwurf für eine Novellierung unseres Berufsrechts vor“, betont Luckner. Getan hätte sich trotz mehrfacher Versprechungen überhaupt nichts: „Uns würde es vor allem darum gehen, dass es eine Anpassung an die Realität unseres Berufsalltags gibt.“ Luckner stören die Ausdrücke „einfache Tätigkeiten“ und „Hilfeleistung“ insofern, „als damit quasi vermittelt wird, es würde sich um ungelernte Personen handeln.“ Letztlich könnten DMTF Aufgaben im Labor, im Röntgen oder in der Physikalischen Therapie übernehmen, die ständige Routinearbeiten betreffen, „und so sieht auch die Realität aus“. Dadurch, so Luckner, würden DMTF teils in einem rechtlichen Graubereich arbeiten, auch etwa deshalb, weil die verlangte „ärztliche Aufsicht“ als ständige Anwesenheit des Arztes missverstanden werden kann.
„DMTF spielen im Gesundheitswesen eine wichtige Rolle“, meint Florian Pressl vom Gesundheitsministerium. „Aber die Umschreibung ‚Verrichtung von einfachen Hilfstätigkeiten’ lässt sich weit genug interpretieren, damit auch aktuelle Anforderungen und Realitäten im Arbeitsalltag abgedeckt sind.“ Pressl sieht keinen unmittelbaren Handlungsbedarf. Und es gebe von verschiedenen Seiten Druck, das Berufsrecht der DMTF zu verändern – wobei die Schwerpunkte, abhängig von der jeweiligen Interessengruppe, sehr unterschiedlich aussehen würden.
Pressl verweist darauf, dass sich die Inhalte der Fortbildungen für die DMTF auch ohne gesetzliche Festschreibungen inzwischen weiter entwickelt hätten.

Neue Lehrinhalte

Luckner kontert, dass es im Gesundheits- und Krankenpflegegesetz inzwischen mehrfache Veränderungen gab, ebenso wie bei den Regelungen für die gehobenen medizinisch-technischen Dienste (Physiotherapeuten, Radiologietechnologen, biomedizinische Analytiker usw.): „Zu überlegen wäre, dass in der Ausbildung der DMTF neue Lehrinhalte und Tätigkeitsbereiche verstärkt eine Rolle spielen.“
Es würde, so erklärt Luckner, nicht darum gehen, auch hier die Ausbildung auf das Niveau einer Fachhochschule zu heben. „Ein wichtiges Thema wäre die stärkere Anrechnung der Inhalte der DMTF-Ausbildung, wenn diese weiterführend einen MTD-Beruf anstreben, und es geht um die Anerkennung in anderen europäischen Ländern, wo es zwar ‚helfende’ Berufe in den einzelnen Sparten, aber nicht in der österreichischen Kombination gibt.“

Mag. Christian F. Freisleben-Teutscher, Ärzte Woche 40/2007

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