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Allgemeinmedizin 16. Jänner 2008

Betreuung jenseits der Krankenhaustür

Dass betagte Patienten nach einem Krankenhausaufenthalt bald wieder den Alltag bewältigen können, gewinnt immer mehr Bedeutung in der Gesundheitsversorgung.

Seit der Jahrtausendwende werden in Österreichs Spitälern Stationen mit dem Schwerpunkt Akutgeriatrie und Remobilisation ausgebaut – ein Ziel von 3.000 Betten in 60 Einrichtungen wurde festgelegt. Das Bekenntnis zu dieser multidisziplinären Form der Betreuung findet sich auch im Österreichischen Strukturplan Gesundheit wieder, allerdings ohne detaillierte Zahlen. „Gerade in der letzten Zeit wurden viele neue Standorte und Betten eingerichtet, trotzdem sind wir von den 2002 definierten Zielen noch weit entfernt“, analysiert Dr. Peter Dovjak, Vorstandsmitglied der Österreichischen Gesellschaft für Geriatrie und Leiter des Zentrums für Akutgeriatrie und Innere Medizin im Krankenhaus Buchberg/Gmunden.

Langwierige Umsetzung

Dabei gibt es starke regionale Unterschiede: Während beispielsweise in Wien, Salzburg, Kärnten, Tirol und der Steiermark deutliche Akzente gesetzt werden, zieht sich die Umsetzung in Niederösterreich schon länger hin. „In Vorarlberg wird auf ein anderes Konzept, das der Nachsorgestationen, gesetzt – das Problem dabei ist, dass diese Einrichtung, was die personelle sowie strukturelle Ausstattung betrifft, nicht den zu Recht hohen Anforderungen an Akut­geriatrie und Remobilisation entspricht.“ Dadurch kommt sie, so berichtet Dovjak, zwar dem Spitals­träger billiger, doch seiner Meinung nach sollte an den 2002 fixierten Zielen in allen Regionen festgehalten werden.
Der Allgemeinmediziner Dr. Wolfgang Ziegler aus Kremsmünster engagiert sich auch im Geriatriereferat der Österreichischen Ärztekammer: „So positiv der Ansatz der Akutgeriatrie und Remobilisation ist, so liegt der Fokus doch deutlich auf Ereignissen wie einem Schlaganfall bzw. Frakturen.“ Remobilisation wäre aber auch für geriatrische Patienten, die zuhause betreut werden und etwa durch eine Lungenentzündung länger ans Bett gefesselt sind, wichtig.

Verpuffter Effekt

Mankos ortet Ziegler auch im Nahtstellenmanagement zwischen intra- und extramuralem Bereich: „Der ganze Effekt einer Remobilisation kann schnell verpuffen, wenn bestimmte medizinische und therapeutische Maßnahmen nicht auch nach dem Aufenthalt auf der Akutgeriatrie fortgeführt werden.“ Ziegler kritisiert, dass der Informationsfluss zu betreuenden niedergelassenen Ärzten nach wie vor oft sehr spät in Gang kommt oder Entlassungsmanagement zu wenig auf individuelle Bedürfnisse eingeht. „Wesentlich ist auch die möglichst frühzeitige Einbeziehung und Schulung pflegender Angehöriger. In manchen Regionen wird zudem der positive Ansatz umgesetzt, dass Therapeuten aus dem extramuralen Bereich Patienten schon im Spital kennen lernen und so den Übergang in den Alltag noch besser aktiv mitgestalten können.“
Für Dovjak kommt vor allem den Hausärzten, aber auch niedergelassenen Internisten und Fachärzten für Neurologie eine bedeutende Rolle im Konzept der Akutgeriatrie und Remobilisation zu: „Dieses Konzept darf sich nicht nur auf die Betreuung bis zur Spitalstür konzentrieren – im Zentrum muss ebenso der Alltag des Patienten stehen sowie die weitere multidis­ziplinäre Versorgung, bei der auch soziale Aspekte berücksichtigt werden müssen.“ In manchen Regionen beginnt das Problem schon bei der Zuweisung, da teils zu viel Zeit vergeht, bis ein Patient tatsächlich auf einer Station für Akutgeriatrie und Remobilisation landet.
Für Ziegler problematisch ist, dass es „viel zu wenige Ergotherapeuten, Physiotherapeuten und Logopäden gibt, die auch ins Haus kommen. Ein möglicher Ansatz wäre, dass Alters- und Pflegeheime noch mehr Tagesangebote zur Verfügung stellen – das kann die mobile Betreuung vor Ort aber sicher nicht ersetzen“. Ähnlich sieht das Mag. Gabriele Jaksch, Präsidentin des Dachverbandes der gehobenen medizinisch-technischen Dienste Österreich: „Die Berufsverbände haben im vergangenen Jahr auf freiwilliger Basis erhoben, wie viele Ergo-, Physiotherapeuten und Logopäden es gibt.“ Demnächst sollen erste Zahlen in Form eines MTD-Berichts präsentiert werden – diese könnten dann, so meint Jaksch, „eine Grundlage für einen hoffentlich raschen Ausbau der Ausbildungs- und Pratikumsstellen sein sowie für die Bereitstellung von mehr Mitteln für Stellen im intra- und extramuralen Bereich bzw. vor allem auch in den mobilen Diensten.“ Finanziell bessere Anreize müssten zudem durch bessere Kassentarife geschaffen werden.

Reibungsloser Informationsfluss

Auch internationale Erfahrungen und Zahlen zeigen deutlich, dass eine zielgerichtete Akutgeriatrie und Remobilisation schon mittelfristig Kosteneinsparungen bringt. Dies, so unterstreicht Jaksch, „gilt allerdings nur dann, wenn die Versorgungskette konsequent weiter gedacht wird.“ Ein wichtiger Faktor ist dabei das Entlassungsmanagement bzw. der reibungslose Informationsfluss – als positives Beispiel zitiert Jaksch die aktuelle Praxis an den Spitälern des Wiener Krankenanstaltenverbunds, wo in diesen Bereich derzeit viel investiert wird.

Mag. Christian F. Freisleben-Teutscher, Ärzte Woche 3/2008

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