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Allgemeinmedizin 10. Jänner 2008

Wer hören will …

Eine Hörgeräteversorgung muss die beruflichen Anforderungen des Patienten ausreichend erfüllen und den persönlichen Ansprüchen möglichst entsprechen. Welche Erwartungen tatsächlich umsetzbar sind, darüber können der zuweisende Arzt und der anpassende Akustiker aufklären. Mit der Honorierung für diese Leistungen sind HNO-Ärzte jedoch ganz und gar nicht zufrieden. Und: Viele Hörgeräte bleiben ungenutzt, weil der Patient keine Verbesserung bemerkt.

„Zunächst einmal ist es aus unserer Sicht problematisch, dass die Leistungen der Fachärzte für HNO sehr unterschiedlich honoriert werden – vor allem, wenn es beispielsweise um audiometrische Untersuchungen oder andere Maßnahmen rund um die Verordnung eines Hörgerätes geht“, konstatiert Prof. Dr. Patrick Zorowka, Vizepräsident der Österreichischen HNO-Fachgesellschaft sowie der Deutschen Gesellschaft für Audiologie.
Die Vorgangsweise ist im Grunde einfach: Fachärzte für Hals-, Nasen- und Ohrenheilkunde müssen die Art und den Grad der Hörstörung feststellen und überweisen dann zu einem Hörgeräteakustiker. Auf Grund des Audiogramms und der Bedürfnisse des Hörgeräteträgers nimmt der Akustiker die Auswahl und Anpassung vor.

Nochmalige Kontrolle

„Jeder verantwortungsvolle Hörakustiker wird seinen Kunden nach optimaler Anpassung anhalten, nach etwa fünf bis sieben Wochen wieder den HNO-Arzt aufzusuchen“, meint Dr. Klaus Peter Janner, Präsident des Verbands Hör­akustiker Österreichs. Wenn ein Hörgerät nicht den gewünschten Effekt hat, kann dies auch medizinische Gründe haben. „Oder es ergeben sich Symptome, die durch das ständige Tragen des Gerätes verursacht werden“, ergänzt Zorowka. Für die sehr aufwendige Beratung durch den HNO-Arzt sowie für die weitere medizinische Versorgung sollten seiner Meinung nach aber entsprechende Tarife gezahlt werden. Eine Forderung, die auch Janner unterstützt.
„Bei den Leistungen rund um die optimale Anpassung eines Hörgerätes ist eine hohe Qualität gefragt, die auch etwas wert ist“, pflichtet auch Dr. Lucian Wetter vom „Competence Center für Heilbehelfe und Hilfsmittel“ bei der Versicherungsanstalt für Eisenbahn und Bergbau bei.
Janner und Zorowka sind sich allerdings uneinig, ob der HNO-Facharzt sofort eine Verordnung für das Gerät mitgeben soll oder nicht. Janner steht auf dem Standpunkt, dass dies kein Problem darstellen würde, da eben die Akustiker auf eine Nachkontrolle drängen würden und in ihrem Bereich eigenverantwortlich tätig sind. Zorowka hält es für wichtig, dass der Kontakt zum HNO-Arzt während der Anpassungszeit gewährleistet bleiben muss.

Sparen um jeden Preis

Gerade beim Themenfeld Hörgeräte sei laut Janner „ein Trend zum Sparen um jeden Preis“ wahrnehmbar ist. Denn die Geräte haben sich etwa aufgrund der Digitalisierung zuletzt rasant weiterentwickelt, diese haben unter anderem eine Lärmunterdrückung integriert, womit ein Herausfiltern von Sprache unterstützt wird. „Als Akustiker können wir, wenn der Kunde sich keine Zuzahlungen leisten kann, in vielen Fällen nicht das optimale Gerät anbieten, sondern eben eines, das von der Sozialversicherung bezahlt wird.“ Dies, so betont Janner, bringe oft nicht die höchstmögliche Verbesserung des Hörvermögens. Damit komme es zu einer weiteren Verschlechterung der Lebensqualität.
Zorowka ergänzt dazu: „Je früher ein gutes Gerät zum Einsatz kommen kann, umso besser kann das restliche Hörvermögen erhalten werden.“ Er verweist auch darauf, dass etwa drei Viertel der Menschen, die ein Hörgerät benötigen würden, überhaupt nicht oder nicht optimal versorgt sind. „Immer wieder landen Geräte in den Schubladen, weil der gewünschte Verbesserungseffekt nicht eingetreten ist – dies ist auch oft darauf zurückzuführen, dass der HNO-Facharzt nicht im nötigen Ausmaß die umfassende Unterstützung und Begleitung anbieten kann.“ Diese Beratungsqualität ist auch aus Wetters Sicht wichtig, „aber es stimmt nicht, das die Sozialversicherung um jeden Preis das billigste Gerät forcieren will. Die gesetzliche Krankenversicherung hat den Auftrag, eine zweckmäßige und ausreichende Versorgung beizustellen.“ Wetter hat vielmehr den Eindruck, dass Geräte gepuscht werden, „die Zusatzfunktionen haben, die in keinem unmittelbaren Zusammenhang zur Heilbehandlung stehen“.

Strenge Auflagen, regelmäßige Prüfung

Als im Jänner 2003 ein neuer Gesamtvertrag zwischen Hauptverband und Hörgeräte-Akustikern beschlossen wurde, befürchteten Letztere, die Versorgung werde dadurch ausgedünnt. „Jeder Akustiker muss verschiedene, sehr strenge Auflagen erfüllen: etwa eine schalldichte und ausreichend große Hörkabine mit entsprechender technischer Ausrüstung sowie eine Qualifizierung aller Mitarbeiter.“ Diese Kriterien werden immer wieder unangekündigt von der Sozialversicherung geprüft. „Das führt zu einem guten Qualitätsstandard“, so Janner. So hat er kein Problem damit, dass auch Optiker mit Prüfung als Hörgeräteakustiker akustische Leistungen anbieten – „denn auch diese müssen dieselben Auflagen erfüllen.“
Derzeit laufen wieder Verhandlungen zwischen Akustikern, den HNO-Fachärzten und dem Hauptverband der Sozialversicherungen. „Eines muss klar sein: Bekanntlich können die Sozialversicherungen keine zusätzlichen Geldmittel einsetzen – wenn also für Beratungsleistungen mehr Geld fließen soll, muss dies durch Umschichtungen ausgeglichen werden“, so Wetter. Wie diese genau aussehen, müsse im Zuge der Verhandlungen geklärt werden.

Mag. Christian F. Freisleben-Teutscher, Ärzte Woche 1/2008

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