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Allgemeinmedizin 29. Jänner 2008

Unzureichende Betreuung im Heim

Die medizinische Versorgung in Alters- und Pflegeheimen verläuft nicht immer reibungslos – die Qualität hängt stark vom diensthabenden Personal ab und davon, wie Ärzte und Pflegepersonen miteinander kommunizieren. Zur Unterstützung der Mediziner müsste aber einiges an den Rahmenbedingungen geändert werden.

Die ärztliche Betreuung in Alten- und Pflegeheimen wurde vom Referat Geriatrie der Österreichischen Ärztekammer kürzlich zu einem Generalthema erhoben. „Das Pflegepersonal in den Heimen agiert vielfach selbstständig, ohne den betreuenden Arzt einzubeziehen. Weiters wird dieser für eine effiziente weitere Vorgangsweise – etwa wenn es um eine Einweisung ins Spital geht – zu spät herangezogen“, analysiert der Allgemeinmediziner Dr. Wolfgang Ziegler, der sich sowohl auf österreichischer als auch oberösterreichischer Ebene im Referat Geriatrie engagiert. „Die medizinische Versorgung in den Heimen ist daher von sehr unterschiedlicher Qualität – wie gut Kooperation gelingt, hängt meist von dem gerade diensthabenden Personal ab.“
Dazu meint Mag. Johannes Wallner, Präsident von Lebenswelt Heim, dem Dachverband der Alten- und Pflegeheime Österreichs: „In anderen Häusern werden die Mitarbeiter teils scharf dafür kritisiert, dass sie den betreuenden Arzt zur früh oder zu oft heranziehen.“ Wallner wünscht sich eine gute Zusammenarbeit im Sinne der Bewohner – „es braucht gute Kommunikationsstrukturen. So ist es etwa während der Visite wichtig, die Pflegedienstleitung persönlich aufzusuchen und nicht nur über Memos zu kommunizieren – hier können sehr schnell Missverständnisse entstehen, bzw. werden Probleme oft sehr spät angesprochen.“ Für Wallner ist klar, „dass ein Hausarzt auch andere Patienten hat, um die er sich kümmern muss, und oft zu Zeiten ins Heim kommt, wo die Pflegedienstleitung nicht mehr anwesend ist. Ein möglicher Weg ist, sich zumindest monatlich einen Jour fixe auszumachen – oder auch Sprechzeiten, zu denen ein Arzt sowohl für Bewohner als auch das Personal verlässlich zu erreichen ist.
Wallner fordert eine Honorierung für solche fixen Termine von Seiten der Sozialversicherungen sowie generell eine Erhöhung der Tarife, die z. B. für Visiten im Alten- und Pflegeheimen bezahlt werden – „momentan engen diese die Zeit, die ein Hausarzt aus wirtschaftlichen Überlegungen investieren kann, sehr stark ein“.

Konzept vorhanden

Ziegler schlägt vor, etwa auch in Oberösterreich nochmals über die Möglichkeit von angestellten Heimärzten nachzudenken – 2005 erarbeitete im Land ob der Enns eine Arbeitsgruppe dazu ein Konzept, das von den Ärzten in einer Umfrage allerdings in dieser Form abgelehnt wurde. „Vorstellbar ist ein Nahtstellenmanager, der die Zusammenarbeit mit den Heimen überblickt und koordinieren kann. Inzwischen haben wir ein Anforderungsprofil und ein Berufsbild eines solchen Beratungsarztes erarbeitet, das wir nun umsetzen wollen“, so Ziegler. Festgehalten sind darin auch Mindeststandards wie Untersuchungsräume in den Heimen mit entsprechender Ausstattung sowie für die Kommunikation zwischen Arzt und Heimpersonal.
In einigen Regionen ist ein Heimarzt bereits Realität, etwa in allen Heimen der Stadt Linz oder jedem vierten Heim in Niederösterreich, dieses Bundesland hat damit die höchste Dichte solcher Mediziner. „Ein Heimarzt hat den Vorteil, dass er ständig verfügbar ist, andererseits entstehen auch die üblichen Probleme eines Angestelltenverhältnisses – also etwa die Frage, wer im Fall von Fortbildung, Urlaub und Krankheit die Vertretung macht“, sagt Anton Kellner, Obmann der Arge der Niederösterreichischen Heime.
Dazu kommt: Der Tarif für den Bewohner bleibt derselbe, es ist also auch immer die Frage, wie ein Heimarzt finanziert wird. So gibt es teils Rahmenverträge mit der Gebietskrankenkasse – diese bringen dann auch das gesamte Medikamentenmanagement mit sich. „Daneben muss gewährleistet bleiben, dass ein Bewohner auch auf einen frei gewählten Arzt zurückgreifen kann und dies trotzdem von der Sozialversicherung bezahlt wird“, meint Kellner.
Aus Wallners Erfahrungen im eigenen Haus – er ist selbst Heimleiter – kann ein Heimarzt viele Vorteile bringen. „Wichtig wäre aber, dass die Fachrichtung Geriatrie in Österreich generell eine deutliche Aufwertung bekommt – so gibt es für diese Richtung ja auch keinen universitären Lehrstuhl oder einen Facharzt.“ Das Geriatriediplom der Ärztekammer sei zwar ein richtiger Schritt, der aber zu wenig weit ginge bzw. „nur einen gewissen Mindesstandard ermöglicht, der ohnehin selbstverständlich sein könnte.“
Wallner verweist außerdem auf die stark wachsende Zahl der Heimbewohner mit psychiatrisch-neurologischen Krankheitsbildern, besonders häufig sind etwa dementielle Symptome. „Es wird immer wieder von mobilen psychiatrischen Konsiliardiensten gesprochen – davon sind wir aber in den meisten Regionen Österreichs noch sehr weit entfernt.“ Gerade aber diese Bewohner machen insgesamt zwei Drittel aus und brauchen sehr viel Betreuungsaufwand – „hier kommt auch der engagierteste Hausarzt sehr schnell an seine zeitlichen und auch fachlichen Grenzen“, meint Wallner.

Mag. Christian F. Freisleben-Teutscher, Ärzte Woche 5/2008

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