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Allgemeinmedizin 22. November 2007

Fußballfans, die ins Bad gehen …

Noch etwa 200 Tage, dann beginnt die Fußball-Europameisterschaft 2008, die Österreich und die Schweiz für einige Wochen zum Nabel der Fußballwelt machen. Nicht nur die Fußballer bereiten sich auf diesen Termin vor, sondern auch das Sanitätsteam Wien.

Tausende Fußballfans werden nächstes Jahr nach Wien kommen. Das freut das Hotel- und Gaststättengewerbe und versetzt das Sanitätsteam Wien, ein Zusammenschluss, dem unter anderem das Wiener Rotes Kreuz, der Arbeiter Samariterbund, die Johanniter Unfallhilfe und der Malteser Hospitaldienst angehören, schon jetzt in Alarmstimmung. Die ersten Vorbereitungen laufen bereits, um im nächsten Sommer für alle Eventualitäten gerüstet zu sein.
Das Stadionbad, gleich neben dem Ernst-Happel-Stadion gelegen, wird während der EURO 2008 für Badegäste geschlossen sein, denn hier wird eine Art Notspital errichtet werden. Schon jetzt, Anfang November, kam es zu einer ersten Stellprobe.
Busse des Bundesheeres auf dem Freibadgelände, jede Menge Krankenwagen und aufgeschlagene Zelte. Der Ernstfall wird geprobt. In jenem Gebäude gleich neben dem Schwimmbecken, wo die Badewaschl normalerweise ihren Dienst verrichten, stehen Krankenbetten. Der eine Raum dient der „Sofortbehandlung“, der andere der „dringenden Behandlung“. „Die medizinische Basisversorgung bietet Platz für 60 Patienten, die zusätzlich aufgestellte Sanitätshilfsstelle kann in einer Stunde 50 Patienten versorgen. Die Anlage ist im Bedarfsfall auch in kürzester Zeit erweiterbar“, erklärt Peter Hoffelner, im Brotberuf diplomierter Krankenpfleger im St. Anna Kinderspital und nun für die EURO 2008 zum Einsatzleiter des Sanitätsteams berufen.

Die Fliegengitter fehlen noch

Fließend Wasser ist im Gebäude, die Räume können desinfiziert werden und vor die Fenster kommen bis zum Beginn der Fußballeuropameisterschaft noch Fliegengitter – so werden die von der WHO geforderten Bedingungen erfüllt, um auch kleinere chirurgische Eingriffe durchführen zu können.
Das Sanitätsteam – rund 20 Ärzte und 150 Sanitäter werden im Einsatz sein – ist nicht nur auf akute Erkrankungen oder Verletzungen vorbereitet, sondern auch auf jene Fans, die über den Durst trinken. Eine mobile Dusche steht, ähnlich wie beim Münchner Oktoberfest, für diese Klientel bereit.
Im ersten Schritt gilt es ohnehin, die Hilfsbedürftigen zu selektionieren und je nach Krankheitsfall und Bedürftigkeit an die entsprechenden Stellen weiterzureichen. Dazu bekommt jeder von ihnen die bei internationalen Hilfseinsätzen übliche orange Karte, auf der alle wesentlichen Daten vermerkt werden.
Ob er denn nicht schon ein bisschen Bauchweh habe vor dem Großereignis? „Nein“, antwortet Hoffelner der Ärzte Woche, ohne auch nur ein bisschen zu zögern, „Bauchweh müsste ich nur haben, wenn wir schlecht vorbereitet wären. Aber das sind wir ja nicht!“

Mag. Wenzel Müller, Ärzte Woche 47/2007

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