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Allgemeinmedizin 30. Oktober 2007

Eine Gaststätte auf der letzten Reise…

„Den letzten Weg gemeinsam gehen“ beleuchtet das Thema Sterbebegleitung im Hospiz, die Bedürfnisse todkranker Menschen sowie den Umgang mit dem Tod aus ärztlicher Sicht.

Einer Umfrage zufolge möchten 44 Prozent der Menschen zu Hause, 22 Prozent in vertrauter Umgebung und 14 Prozent bei Familienangehörigen gepflegt werden und sterben. Die Realität sieht anders aus: Über zwei Drittel sterben im Krankenhaus: einem Ort, an dem würdiges, begleitetes Sterben selten möglich ist. In Österreich besteht seit 20 Jahren die Möglichkeit, die letzten Lebenstage entweder in einem Hospiz, einer Palliativstation oder zu Hause, begleitet von mobilen Hospizteams zu verbringen.
Die Idee, Hospize als Orte der letzten Lebenszeit ins Leben zu rufen, stammt von der britischen Krankenschwester und späteren Ärztin Dr. Cecily Saunders, angeregt durch ihren Patienten David Tasma. „David Tasma, der glaubte, sein Leben sei sinnlos gewesen, startete eine Bewegung“, pflegte Saunders fest zu halten. Die Ärztin sah „Sterben als eine Zeit, die sehr viele Möglichkeiten und Wachstum bietet.“ Ihre Hospizidee trat ihren Siegeszug rund um die Welt an.
„Den letzten Weg gemeinsam gehen“ – Hospiz und Sterbebegleitung heißt ein soeben erschienenes Buch der Autorinnen Dr. med. Heidemarie Abrahamian, Valentina Bruns und Verena Grünstäudl. Das im Goldegg Verlag erschienen Werk setzt sich mit der Hospizidee ebenso, wie mit aktiver und passiver Sterbehilfe auseinander. Aus der Sicht einer Ärztin berichtet Heidemarie Abrahamian über den Umgang mit Sterben und Tod, der Menschen, welche Medizin studieren, um „heilen“ zu lernen, oft sehr schwer fällt.
Die Autorinnen handeln die vier Sterbephasen nach Kübler-Ross ebenso ab, wie gesetzliche Modelle zur Pflege und Begleitung sterbender Angehöriger. Es finden sich zudem ausführliche Erklärungen über die unterschiedlichen Umsetzungen der Hospizidee – vom Hospiz, über die Palliativstation bis hin zu mobilen Hospizteams. Für betroffene Angehörige findet sich ein Kapitel über die Begleitung sterbender Familienmitglieder, in dem betont wird, dass die Pflege eines Sterbenden keine Aufgabe für einen allein ist. Ohne Unterstützung wird diese Aufgabe fast unbewältigbar. Aber auch dem Trauern wird viel Raum gegeben, denn „Es gibt nichts, was die Abwesenheit eines lieben Menschen ersetzen kann“, heißt es in „Den letzten Weg gemeinsam gehen“, aus einem Nachruf: „Je schöner und voller Erinnerung, desto härter die Trennung – aber die Dankbarkeit schenkt in der Trauer eine stille Freude. Man trägt das vergangene Schöne wie ein kostbares Geschenk in sich.“
Die drei Autorinnen haben ein interessantes Nachschlagewerk geliefert, dass nicht nur einen leicht fasslichen Einstieg in die Thematik Tod und Sterben bietet, sondern auch informativ, knapp und klar über alle Aspekte der Hospizidee und die Begleitung Sterbender informiert. Ein umfangreicher Adressenteil ermöglicht das rasche Auffinden der in Österreich vorhandenen Hospize, Palliativstationen und mobilen Hospizteams. Dem Thema „Religionen und Tod“ wurde vielleicht etwas zu viel Raum gegeben.

Sabine Fisch, Ärzte Woche 44/2007

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