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Allgemeinmedizin 14. Juni 2007

Bildgebende Diagnostik: Hohes Fehlerpotenzial

Erstmalig hat die deutsche Bundesärztekammer bei ihrer jährlichen Behandlungsfehlerstatistik 2006 nicht nur die Häufigkeit, sondern auch die Art der Behandlungsfehler festgehalten. Das, so wird gehofft, erlaubt Ärzten gezielte Gegenmaßnahmen. Klar ist, dass in den Krankenhäusern deutlich mehr Fehler festgestellt werden als bei niedergelassenen Ärzten. Die Patzer der Hausärzte bestehen vor allem in der zu späten Überweisung bei Appendizitis oder Pneumonie.

Mehr als 10.000 Patienten haben sich im vergangenen Jahr mit einem Verdacht auf Behandlungsfehler an die Gutachter- und Schlichtungsstellen der Ärztekammern in den verschiedenen Bundesländern Deutschlands gewandt. Bei rund jedem fünften Fall stellten die Gutachter tatsächlich Behandlungsfehler fest. Dabei sind in Krankenhäusern deutlich mehr Fehler festgestellt worden als bei niedergelassenen Ärzten. Die Statistik der Bundesärztekammer (BÄK) zeigt 1.336 Fehler in Krankenhäusern und 657 Fehler in Arztpraxen.

Brustkrebs als häufige Fehlerquelle

An der Spitze der Statistik der Krankheiten, bei denen niedergelassene Ärzte am häufigsten Fehler gemacht haben, liegt Brustkrebs. Brustkrebspatientinnen beklagten vor allem, dass die Diagnose zu spät gestellt worden sei. Zu den fünf Krankheiten an der Spitze der Fehlerstatistik zählten bei Niedergelassenen außerdem das Karpaltunnelsyndrom, die Unterarmfraktur, Rückenschmerzen und die Hand- und Handgelenksfraktur.
Bei Hausärzten sind die Fehlerschwerpunkte nach der BÄK-Statistik zu späte Überweisung oder Einweisung bei Appendizitis, Rückenschmerzen, Pneumonie, Thrombose und Kolonkarzinom.
Fehlerhäufungen bei der Behandlung von Patienten mit bestimmten Erkrankungen zeigen nach Ansicht der Bundesärztekammer, dass durch geeignete Fortbildungsmaßnahmen gegengesteuert werden muss. Aus den Daten der Gutachterkommissionen und Schlichtungsstellen werden nach Angaben der BÄK gezielt Themen für die Fortbildung ausgewählt. So bietet zum Beispiel die Ärztekammer Niedersachen eine Fortbildung zum Thema „Appendizitis – eine banale Diagnose?“.
Die mit Abstand meisten Fehler passierten niedergelassenen Ärzten bei der bildgebenden Diagnostik. Auch bei der Anamnese und ambulanten Op gab es relativ viele Fehler. Die Daten müssen jedoch mit Vorsicht gelesen werden, denn die Statistik gibt nur über absolute Zahlen Auskunft, nicht über das Verhältnis von Fehlern bei bildgebenden Verfahren im Verhältnis zur Anzahl der bildgebenden Untersuchungen, die jährlich in Deutschland gemacht werden. Von einer „Schwachstelle“ der niedergelassenen Ärzte kann in Bezug auf die bildgebende Diagnostik laut BÄK deshalb nur unter Vorbehalt gesprochen werden.
Von den Vorwürfen von Patienten auf Behandlungsfehler bei ambulanter Behandlung richteten sich die meisten gegen Hausärzte.

Insgesamt relativ wenig Fehlervorwürfe bei Hausärzten

Stellt man jedoch die Gesamtzahl der Hausärzte in Rechnung, so treffen sie relativ wenige Fehlervorwürfe. 389 Vorwürfen von Behandlungsfehlern bei 58.602 Hausärzten stehen zum Beispiel 336 Fehlervorwürfen in der ambulanten orthopädischen Chirurgie bei 5.017 niedergelassenen Orthopäden gegenüber.
„Letztlich ist anzumerken, dass für Patienten sichtbare Krankheiten häufiger von einem Behandlungsfehlervorwurf betroffen sind als weniger offenkundig wahrnehmbare Krankheiten oder Fehlbehandlungen“, so BÄK-Hauptgeschäftsführer Professor Christoph Fuchs.
Nicht nur die Ungleichverteilung der Behandlungsfehlervorwürfe und bestätigten Behandlungsfehler zwischen operativen und konservativen Fächern lasse sich zum Teil auf diesen Aspekt zurückführen. Auch bei Krankenhausbehandlungen würden die operativen Fächer, bei denen Fehlbehandlungen deutlicher sichtbar sind, stärker ins Gewicht fallen. Zudem seien Behandlungen im Krankenhaus häufiger risikoreich als Eingriffe im ambulanten Bereich.
Das erklärt auch, warum in Kliniken doppelt so viele Fehler passierten wie in Praxen. In Kliniken ereigneten sich die meisten Fehler bei Op. Wie im ambulanten Bereich unterliefen auch den Klinik­ärzten bei bildgebenden Verfahren viele Fehler. Relativ häufig passieren in Kliniken auch bei Patienten mit Koxarthrose, Unterschenkel- und Sprunggelenksfraktur und mit Unterarmfraktur.

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