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Allgemeinmedizin 24. April 2007

Seele im Tiefflug

Unregelmäßigkeiten im Menstruations­zyklus, psychische Störungen und Magenprobleme können bei Vielfliegern auftreten, die oft mehrere Zeitzonen überqueren müssen.

Positive Gewöhnungseffekte gibt es nicht: Auch wenn sie regelmäßig Langstreckenflüge absolvieren, sind etwa die Mitglieder des Bordpersonals keineswegs vor den Auswirkungen des Jet-Lags sicher. Im Gegenteil: Bei Piloten und Flugbegleitern kann es zu verringerter Gehirnleistung und starken affektiven Störungen kommen. Das berichten Dr. Jim Waterhouse, Professor für Chronobiologie der John Moores University in Liverpool, und seine Kollegen in einem Übersichtsartikel in Lancet (2007; 369: 1117-1129). Das Forscherteam untersuchte nicht nur die Effekte auf Berufsvielflieger, sondern etwa auch, wie sich Transkontinentalflüge auf Athleten auswirken: Schlechtere Leistungen beim Training waren das Resultat einer Überquerung mehrerer Zeitzonen. Die Symptome des Jet-Lags sind ebenso bekannt wie vielfältig: unruhiger Schlaf, verschobener Schlafrhythmus, Stimmungsschwankungen und Reizbarkeit, Kopfschmerzen und Magen-Darm-Probleme. Flüge nach Osten wirken sich für gewöhnlich stärker aus als solche in die Gegenrichtung. Meist braucht es einige Tage, bis man den Durchhänger überwunden hat. Verursacht werden diese Störungen, vereinfacht gesagt, durch eine falsche Einstellung der inneren Uhr.

Aus dem Takt gekommen

Eine Überquerung der Zeitzonen stört den inneren Tagesrhythmus des Körpers. Der Schlaf ist deshalb so stark beeinträchtigt, weil einer dieser zirkadianen Rhythmen – die Kerntemperatur des Körpers – Zeit braucht, sich anzupassen. Auch Melatonin, das normalerweise während des Schlafs freigesetzt wird, ist an Jet-Lag-Symptomen beteiligt. Fliegt man nur über drei oder weniger Zeitzonen, verursacht das meist keinen Jet-Lag. Für Reisen über mehr als drei Zeitzonen, die weniger als drei Tage dauern, lohnt es sich nicht, die innere Uhr des Körpers anzupassen, haben die Autoren der Studie festgestellt. Bei längeren Reisen (mehr als drei Zeitzonen und mehr als drei Tage) empfehlen die Chronobiologen, am Zielort, je nach der dortigen Tageszeit, Licht zu suchen bzw. zu vermeiden, um die innere Uhr anzupassen. Auch sich am Tag zum Beispiel durch Sport oder Stimulanzien wie Koffein wachzuhalten, ist hilfreich. Von der Gabe von Melantonin halten die britischen Forscher wenig, solange es keine Feldstudien mit signifikanten Ergebnissen dazu gibt. „Wir müssen die durch den Zeit­unterschied hervorgerufenen molekularen Veränderungen noch genauer erforschen“, räumen die Studienautoren aus Liverpool ein. „Und zwar sowohl im Hinblick auf die Entwicklung von Medikamenten, welche die Anpassung der inneren Uhr fördern, wie auch hinsichtlich neuer schlaffördernder bzw. wachhaltender Mittel.“

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