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Allgemeinmedizin 11. April 2007

Ein Promillekiller unter der Lupe

Wunderlimonaden sollen angeblich den Alkoholabbau im Blut beschleunigen. Innsbrucker Forscher untersuchten den Albtraum aller Taxilenker.

Nicht die Spritpreise sind die größten Feinde der Fahrzeugsbenutzer, sondern der Alkohol. Gegen die ansteigenden Ölpreise kann der Autofahrer aber ohnehin nichts ausrichten, gegen den Alkoholgehalt im Blut aber schon, so eine Illusion, die nicht tot zu kriegen ist. Denn immer wieder bewerben wechselnde Anbieter angebliche Wundermittel, die vorgeben, die Alkoholeliminationsrate im menschlichen Organismus beschleunigen und den Autofahrer mit übergroßem Durst alsbald wieder fit für den Straßenverkehr machen zu können. Die Wirkung der mehr oder weniger stark zuckerhaltigen Promillekiller-Limonaden wurde indes wissenschaftlich praktisch nicht bewiesen. Exemplarisch untersuchte daher ein Team der Medizinischen Universität Innsbruck das stark fructosehältige Getränk Outox. Dessen Vertreiber werben: Wer Alkohol trinkt und danach ein Fläschchen Outox zu sich nimmt, wird danach schneller nüchtern. Angeblich wird die Alkoholeliminationsrate (ß60) infolge des „Fructose-Effektes“ erheblich gesteigert, indem das Coenzym der Alkoholdehydrogenase, NAD+, in Anwesenheit von Fructose rascher regeneriert.

Besäufnis für die Wissenschaft

Die randomisierte, doppelblinde, placebokontrollierte Innsbrucker Untersuchung, die in der Wiener Klinischen Wochenschrift veröffentlicht wurde (2007; 119/3-4: 104-111) führte an 30 Probanden je zwei Trinkversuche durch. Unter strikt homogenen Bedingungen wurde die gleiche Menge an Alkohol konsumiert und im Anschluss 250 ml Outox bzw. 250 ml Placebo nachgetrunken. In exakt gleichen Zeitabständen wurde danach die Alkoholkonzentration im Blut (BAK), in der Ausatemluft (AAK) und im Harn (HAK) gemessen.

Signifikante Unterschiede

Die Auswertung ergab tatsächlich einen statistisch signifikanten Unterschied. So variierte die BAK-Differenz um 0,077g/l: 0,748g/l ohne bzw. 0,671g/l mit Outox, also 10,3 Prozent Abstand. Der AAK-Unterschied lag bei 0,045mg/l: 0,314mg/l ohne bzw. 0,269mg/l mit Outox, was 14,4 Prozent entspricht. Bei den Männern zeigten sich die Abstände etwas stärker. Bei der Alkoholeliminationsrate konnte indes keine relevante Differenz festgestellt werden. Die Studienautoren kommen zum Ergebnis, dass Outox die Alkoholkonzentration um etwa zehn Prozent senkt. Der Unterschied kann wahrscheinlich auf eine reduzierte Alkoholresorption im Magen-Darm-Trakt zurückgeführt werden. Eine signifikant gesteigerte Abbaurate von Alkohol war hingegen nicht erkennbar. So wurde die Versprechung, Outox sei ein Promillekiller, aus wissenschaftlicher Sicht als nicht haltbarer Werbegag entlarvt. Daher fordern die Autoren die Ärzte und Ärztinnen auf, potenzielle Konsumenten vor übertriebenen Erwartungen, insbesondere im Straßenverkehr, zu warnen. Eine Mahnung, die auch immer wieder von der Exekutive verlautbart wird, denn die angeblich nüchtern machenden Erfrischungsgetränke könnten die Lokalkundschaft zu übermäßigem Alkoholgenuss verleiten, um sich danach im falschen Vertrauen an die Promillekiller trotzdem hinter das Lenkrad zu setzen.

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