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Allgemeinmedizin 5. April 2007

Erinnerungen eines „Helden“

Als ich im September 1986 im Palais Schwarzenberg vor fast 200 Menschen die Null-Nummer der ÄRZTE WOCHE vorgestellt habe, kam Walter Pöltinger, Gründer der Gazetta-Werbung und Doyen der Pharmawerbeszene (inzwischen auch schon einige Jahre im wohlverdienten Ruhestand), auf mich zu und meinte zur Gründung der neuen Wochenzeitung: „Se san a Höld.“ Begründet hat er mein präsumptives Heldentum mit der damals so dominanten Stellung der Medical Tribune, die fast 60 Prozent aller Pharmaanzeigen aus dem Markt sog und damit seines Erachtens keiner anderen Zeitung Platz ließ.
Gott sei Dank irrte er.
Zwei Jahre später lag die ÄRZTE WOCHE mit der MT bereits Kopf an Kopf, drei Jahre später voran.
Als am 11. Februar 1987 die erste Ausgabe der ÄRZTE WOCHE erschien, war mein damaliger Anspruch, eine Zeitung zu machen, die gebraucht wird. Das größte Vorbild war die deutsche ÄRZTE ZEITUNG, die fünf Jahre zuvor gegründet worden war und deren Management uns in den ersten Jahren unverzichtbare Geburts-hilfe geleistet hat. Als leidenschaftlicher, jahrzehntelanger Leser der ZEIT waren es für mich immer Zeitungen – Qualitätszeitungen –, zu denen ich ein starkes emotionales Verhältnis entwickelt habe.
Eine Zeitung ist ein Partner, auf den man wartet, der einen manchmal enttäuscht und dem man dennoch treu bleibt, weil er eine wichtige Position eingenommen hat.
Eine Zeitung ist aber auch ein Begleiter, der einen versteht, wichtige Dinge sagt, die einem helfen, sich besser in der Hektik des Alltags orientieren zu können.
Eine Zeitung muss mehr sein als Unterhaltung. Sie muss sich der Dinge annehmen, die einen bewegen, muss sie hinterfragen, vertiefen, klarer machen, als dies dem Leser oft in seiner Hektik und dem Stress gelingt.
Eine Zeitung sollte Instanz sein, an die man sich mit seinen Sorgen wendet. Sie muss sich der Anliegen aller Leser annehmen, um Teil ihrer geistigen und emotionalen Heimat zu werden. Deshalb darf sich eine Zeitung auch nicht von Interessengruppen missbrauchen, dirigieren lassen. Sie muss objektiv bleiben, sich auf die eigene Recherche verlassen, sonst verliert sie an Glaubwürdigkeit und Vertrauen.
Nach all den Jahren sind ca.
850 Ausgaben der ÄRZTE WOCHE erschienen. Sie halten nun die 20-Jahre-Jubiläumsausgabe in Händen. Seit vier Jahren bin ich nicht mehr für die Zeitung verantwortlich, freue mich aber sehr, dass sie sich in diesem schwierigen Umfeld nach wir vor so gut bewährt.
Ich habe Ihnen als Reminiszenz eine Mischkulanz von Berichten und Kommentaren aus der Vergangenheit zusammengestellt, die nur einen kleinen Anspruch hat: Sie ein bisschen zu unterhalten. Sie werden die Artikel im Laufe des Jahres zu lesen bekommen.
Allen, die in den nächsten 20 Jahren für die ÄRZTE WOCHE verantwortlich sind, wünsche ich Glück und Erfolg und jene Wachheit, die notwendig ist, um Sie, liebe Leserinnen und Leser, mit Ihren Nöten, Interessen und Bedürfnissen zu begleiten.
Nur dann werden Sie – wie ich es mir schon vor fünf Jahren gewünscht hatte – Entzugs­erscheinungen bekommen, wenn Ihr Partner, die ÄRZTE WOCHE, noch nicht erschienen ist.

Dr. Hartmut Stein
Gründer der ÄRZTE WOCHE

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