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Allgemeinmedizin 28. März 2007

Mehrfachresistente Pest: Zustellung per Luftpost

Die Pest war bereits einmal die Geißel der Menschheit. Ein Revival könnte nach Ansicht einiger Genetiker drohen.

Sie wütete als Schwarzer Tod vor allem im Mittelalter und forderte das Leben von fast einem Drittel der europäischen Bevölkerung: die Pest. Sie wird durch einen Befall mit der gramnegativen, bekapselten Bakterienart Yersinia pestis ausgelöst. Die Infektionskette führt einerseits über Rattenflöhe auf den Menschen, was vor allem zum Befall der Lymphknoten führt (Beulenpest), und andererseits aerogen als Lungenpest direkt von Mensch zu Mensch, was eine schnelle Ausbreitung mit hoher Mortalität sich bringt. Eine effektive Therapie der tödlichen Seuche wurde mit der Entdeckung der Antibiotika erreichbar (möglichst innerhalb von 24 Stunden nach Symptombeginn).
Zumindest bis heute gilt die Behandlung als hoch effizient. Wissenschaftler aus den USA befürchten jedoch in PLoS ONE (2: e309) eine mögliche Mehrfachresistenzentwicklung. Zu Beginn Ihrer Beobachtungen nahmen die Genetiker vom Institute for Genomic Research (TIGR) in Maryland jenen multiresistenten Stamm unter die Lupe, der vor rund zwölf Jahren bei einem Jungen auf Madagaskar entdeckt wurde (NEJM 1997; 337: 677-680).

Plasmide, die Resistenz-Hüter

Jene Gene, die für die Resistenz verantwortlich zeichneten, waren auf zirkulären DNA-Molekülen, also außerhalb des Zellkernes, lokalisiert. Diese so genannten Plasmide können während eines parasexuellen Prozesses zwischen den Bakterien ausgetauscht werden. Vermitteln die Plasmidgene eine Antibiotika-Resistenz, kann daraus für das Wirtsbakterium ein Selektionsvorteil resultieren und darüber hinaus eine speziesübergreifende Ausbreitung erfolgen.
Nun extrahierten die Forscher Mehrfachresistenz-Plasmide in den Darmbakterien von amerikanischen Viehbeständen, die mit hoher Wahrscheinlichkeit infolge einer übereifrigen Antibiotikagabe selektioniert wurden. Der anfängliche Verdacht der Wissenschaftler bestätigte sich, denn tatsächlich zeigten die Genome von E. coli und Salmonellen aus diversen Fleischproben Ähnlichkeiten mit resistenztragenden Plasmiden der Yersinia pestis aus Madagaskar. Zugvögel könnten, so vermuten die Genetiker, für den Transport der resistenten Bakterien zu den amerikanischen Viehbeständen verantwortlich sein. Eine These, die auf viraler Ebene von der H5N1-Weltreise gestützt wird.
Eine äußerst beunruhigende Entdeckung, resümieren die Wissenschaftler, welche die Befürchtungen um einen globalen Austausch von Resistenzen nährt, auch wenn es noch keine harten Beweise gibt, dass auch die resistenten Pestkeime weit verbreitet sind.

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