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Foto: wikipedia / Ärzte-Woche-Montage
Eine regelmäßige Einnahme von Vitamin C und Zink zur Prophylaxe von Infekten ist nicht sinnvoll.
 
Allgemeinmedizin 6. November 2008

Vitamin C- und Zink-Supplemente bei Erkältungen

Wissenschaftliche Beweise für einen Nutzen von Nahrungs- ergänzungsmitteln bei Erkältungen fehlen.

Eine unzureichende Zufuhr von Vitamin C oder Zink kann sich unter anderem in einer erhöhten Infektanfälligkeit äußern. Hilft im Umkehrschluss eine Nahrungsergänzung mit diesen Nährstoffen, um Infektionen vorzubeugen oder zu behandeln? Nein, wie die Ergebnisse einer Reihe von Reviews und Metaanalysen zeigen: Die Wirksamkeit der Supplementa- tion von Vitamin C und Zink zur Prävention und Behandlung von Erkältungen in der Allgemeinbevölkerung sei wissenschaftlich nicht bewiesen. Demzufolge bestehe kein Anlass für eine routinemäßige Supplementation, erklärt die Deutsche Gesellschaft für Ernährung e. V (DGE).

 

Die Wirksamkeit von Vitamin- und Mineralstoffsupplementen zur Prävention von Krankheiten ist vielfach unklar. Dennoch nehmen viele Menschen Supplemente ein. Wie aus der Nationalen Verzehrsstudie II, einer repräsentativen Befragung der deutsch sprechenden 14- bis 80-Jährigen in Deutschland, hervorgeht, konsumiert mehr als ein Viertel (28 %) der Bevölkerung Nahrungsergänzungsmittel. Bei den Frauen tun dies 31 Prozent, bei den Männern 24 Prozent. Vitamin C ist das am häufigsten supplementierte Vitamin. Es wird von etwa der Hälfte derer konsumiert, die Supplemente einnehmen. Die mediane Zufuhr an supplementiertem Vitamin C beträgt bei den Männern 60 mg und bei den Frauen 70 mg pro Tag. Zink wird von etwa einem Fünftel der Konsumenten von Supplementen eingenommen. Die mediane Zufuhr an supplementiertem Zink beträgt bei beiden Geschlechtern 5 mg pro Tag.

Vitamin C-Supplemente

Ein Cochrane Review (Douglas RM et al., Cochrane Database Syst Rev. 2007: CD000980) analysierte Studien zur Wirkung einer prophylaktischen Vitamin C-Supplementation in einer Dosis von 200 mg pro Tag auf Prävention sowie Dauer und Schwere von Erkältungen. Die Erkältungsinzidenz wurde in der Gesamtpopulation nicht beeinflusst. In einer Untergruppe mit Marathonläufern, Skifahrern und Soldaten unter subarktischen Bedingungen war das Risiko jedoch um die Hälfte reduziert. Die Erkältungsdauer war bei prophylaktischer Vitamin C-Einnahme um acht Prozent bei Erwachsenen und 14 Prozent bei Kindern reduziert. Wurde mit Vitamin C nach dem Einsetzen der Symptome behandelt, zeigten sich im Vergleich zu Placebo keine signifikanten Unterschiede bezüglich Dauer und Schwere der Erkältung. Der fehlende Effekt der Vitamin C-Supplementation auf die Inzidenz von Erkältungen in der allgemeinen Bevölkerung legt nahe, dass eine routinemäßige Hochdosis-Prophylaxe nicht gerechtfertigt ist. Allerdings könnte sie bei Personen unter schwerer körperlicher Belastung oder in kalter Umgebung gerechtfertigt sein, so eine Empfehlung der DGE.

Ein weiterer Cochrane Review (Hemilä H, Louhiala P; Cochrane Database Syst Rev. 2007: CD005532) zum Einfluss der Vitamin C-Supplementation auf Lungenentzündung kommt zu dem Schluss, dass die aktuelle Beweislage zu schwach ist, um Vitamin C als breitflächige Prophylaxemaßnahme zu empfehlen. Eine therapeutische Vitamin C-Gabe könne jedoch bei Patienten mit niedrigem Vitamin C-Status begründet sein, zumal Kosten und Risiken gering sind.

Kann eine durch körperliche Aktivität induzierte Immundepression durch Modifikation von Ernährungsfaktoren beeinflusst werden? Dieser Frage wird in einer Metaanalyse (Moreira A et al. Eur J Clin Nutr 2007; 61: 443-60) mit über 45 randomisierten und/oder kontrollierten Interventionsstudien, die Erkrankungen der oberen Atemwege und Blutparameter bei Athleten untersucht hatten, nachgegangen. Insgesamt sind die Studien heterogen hinsichtlich körperlicher Betätigung, Auswahl der Athleten, Rahmenbedingungen und Ergebnissen. Die Prävention von Infektionen der oberen Atemwege durch Vitamin C wird lediglich durch zwei von 13 Studien zu diesem Thema bestätigt.

Zink-Supplemente

Ein Cochrane Review (Marshall I; Cochrane Database Syst Rev. 2007: CD001364) zum Effekt von Zink-Lutschtabletten in der Behandlung einer Erkältung umfasst sieben randomisierte kontrollierte Studien. Nur zwei Studien kommen zu dem Ergebnis, dass Zink-Lutschtabletten die Schwere und Dauer von Erkältungssymptomen reduzieren können. Insgesamt legen die Ergebnisse nahe, dass eine Behandlung mit Zink-Lutschtabletten die Dauer von Erkältungssymptomen nicht reduziert. Der Autor schlussfolgert, dass die Beweislage für die Wirksamkeit von Zink-Lutschtabletten in der Behandlung einer Erkältung unzureichend ist, außerdem seien Nebenwirkungen möglich. Als häufige, milde Nebenwirkungen werden unangenehmer Geschmack, Mundirritationen und Übelkeit beschrieben. Es wird darauf hingewiesen, dass Zink-Präparate nicht an Schwangeren und Stillenden untersucht wurden.

Auch die Autoren eines Reviews (Caruso TJ et al. Clin Infect Dis 2007; 45: 569-74) mit 14 randomisierten kontrollierten Studien und einer älteren Metaanalyse kamen zu dem Schluss, dass die Evidenz für eine therapeutische Wirksamkeit von Zink-Lutschtabletten fehlt. Es gibt unter den zahlreichen nur wenige valide Einzelstudien, und diese haben keinen Effekt gezeigt.

Vereinzelte Studienergebnisse deuten darauf hin, dass Zink-Gluconat-Lutschtabletten mit adäquater Dosis elementaren Zinks möglicherweise Dauer und Schwere von Erkältungssymptomen reduzieren könnten, wenn direkt bzw. innerhalb von 24 Stunden nach dem Eintreten der Symptome mit der Einnahme begonnen wird. Präparate mit Citrat oder Tartrat hingegen können zur Chelatbildung mit Zink führen und daher ineffektiv sein.

Supplemente bei unzureichender Nährstoffversorgung

Ein Review (Wintergerst ES et al. Ann Nutr Metab 2006; 50: 85-94) zu Vitamin C sowie Zink und deren Einfluss auf Infektionskrankheiten stellt die Bedeutsamkeit der Nährstoffsupplementation in Populationen mit unzureichender Zufuhr der Nährstoffe (Entwicklungsländer, dort Menschen mit niedrigem und mittlerem Einkommen; Subpopulationen in Industrieländern, z. B. Ältere) heraus. Unter diesen Umständen mildert eine adäquate Zufuhr von Vitamin C und Zink die Symptome und verkürzt die Dauer von Atemwegsinfektionen einschließlich Erkältung.

DGE/EM

Foto: wikipedia / Ärzte-Woche-Montage

Eine regelmäßige Einnahme von Vitamin C und Zink zur Prophylaxe von Infekten ist nicht sinnvoll.

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