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Allgemeinmedizin 20. Februar 2007

Chronischer Husten als Alarmsymptom

Akuter Tussis ist in den meisten Fällen ein diagnostisches Heimspiel für den Allgemeinmediziner. In der Regel steht eine Infektionskrankheit dahinter. Doch nach einer Überzeit von mehr als drei Wochen sollte der Arzt weitere Untersuchungen einleiten, um möglichen ernsthaften Erkrankungen rechtzeitig auf die Schliche zu kommen.

Akute Bronchitis im Rahmen eines grippalen Infektes wird meist durch Viren ausgelöst, wobei es gelegentlich zu einer bakteriellen Superinfektion kommt. Im Gegensatz zu diesen banalen Infekten verlangt ein über mehr als drei Wochen lang andauernder chronischer Husten spezielle Untersuchungen, wie Labor, Thoraxröntgen und Lungenfunktionstest, eine exakte Diagnose und eine gezielte Therapie. Zu den Differenzialdiagnosen zählen Laryngitis, Tuberkulose, obstruktive Atemwegserkrankungen, Herzinsuffizienz, Bronchiektasien, Sinusitis sowie benigne und maligne Tumore.
„Akuter Husten ist eines der häufigsten in der Praxis des Allgemeinmediziners geklagten Symptome“, erinnert OA Dr. Sylvia Hartl, Generalsekretärin der European Respiratory Society (ERS) und der Österreichischen Pulmologischen Gesellschaft (ÖPG), Otto Wagner Spital, Wien. „Im Gegensatz dazu ist der chronische Husten davon abzugrenzen, weil dabei eine andere Vorgangsweise für eine Diagnosefindung des Symptoms erforderlich ist. Akuter Husten von ein bis drei Wochen, zum Beispiel in Verbindung mit grippalen Symptomen, kann bei fehlenden Alarmzeichen wie Hämoptysen als infektbedingt akzeptiert werden. Wenn Husten aber unabhängig davon länger als drei Wochen besteht, dann sollte man zumindest einmal aufmerksam sein, dass sich dahinter auch eine ernste Krankheit verbergen kann.“

Ein Symptom – viele Ursachen

Eine wichtige Botschaft für den Allgemeinmediziner ist: Akuter Husten kann einfach und ohne komplexe Diagnostik adäquat behandelt werden, während chronischer Husten – und da wird ein Zeitfenster von bis zu drei Wochen toleriert – einer exakten Abklärung bedarf. Hartl: „Zu den häufigen Ursachen eines chronischen Hustens gehört sicher das ‚postnasal drip syndrome’, wo Sekretfluss aus dem Nasen-Rachenraum sekundär in die Atemwege eindringt – vor allem auch während des Schlafens – und dann mit einem normalen Reflex immer wieder abgehustet wird. Diese Erkrankung kann häufig dem allergischen Formenkreis zugeordnet werden. Die allergischen Affektionen der Nasenschleimhaut können mit entsprechenden Therapien, wie Kotikosteroide oder Antihistaminika, oft deutlich verbessert werden.“

Asthma oder Bronchitis?

Auch Asthma oder eine chronisch obstruktive Bronchitis kann sich hinter einem chronischen Husten verbergen. In diesen beiden Fällen sollte nach exakter Diagnostik die chronische Entzündung in den Atemwegen konsequent und langfristig unter Kontrolle gebracht werden. Die Symptomatik kann dabei einer Akuterkrankung gleichen, wenn es sich um eine vor-übergehende Verschlechterung des Leidens handelt. Asthma kann ohne oder mit minimalen Symptomen ablaufen und nur mit Exazerbationen auffällig werden. Wenn chronischer Husten nicht beachtet wird, dann bleibt die Grunderkrankung unbehandelt.

Krankheiten der Trachea

Auch seltene Erkrankungen, z.B. gut- oder bösartige Tumoren oder Erkrankungen der Trachea, die mit einer Instabilität der Luftröhre bei Knorpelschwäche assoziiert sein können, würden ohne weiterführende Diagnostik übersehen werden. Diagnostische Methoden der ersten Wahl sind Nasennebenhöhlen- und Thoraxröntgen sowie die Bronchoskopie mit bronchoalveolärer Lavage, geschützter Bürste oder Biopsie.
Schon in früheren Jahrhunderten galt Husten als „unfein“ und daher tendenziell als eines der Symptome, die man eher verschweigt oder negiert, die man nicht in der Öffentlichkeit zeigt, auch weil sie für andere störend sind. Rauchen führt häufig zur Verwischung der Aufmerksamkeit, weil Raucher ihren Husten als „Raucherbronchitis“ bagatellisieren. Aber es ist laut Hartl niemals normal, wenn jemand über längere Zeit hustet. Im Gegensatz zu Bauchschmerzen ist es bei betroffenen Patienten wie auch bei Ärzten immer wieder zu beobachten, dass selbst chronischer Husten nicht als Warnzeichen für eine ernst zu nehmende Erkrankung aufgefasst wird.
Die Qualität des Hustensekrets gibt dem Arzt erste diagnostische Hinweise. Ein dickes Sekret findet sich zum Beispiel bei Asthma, ein sehr flüssiges Sekret hingegen bei Herzinsuffizienz oder beim COPD-Patienten ohne ablaufende Exazerbation. Mit einem Blick kann man auch zwischen serösem und eitrigem Sputum unterscheiden.
„Bevor man sich zu einer Anti-biotikatherapie entschließt“, so Hartl, „sollte man wissen, ob im Rahmen einer chronischen Erkrankung eine Reduktion der Keime sinnvoll ist oder, ob das jetzt Ausdruck einer schweren Akuterkrankung ist, also eines Aufflackerns der Erkrankung, oder ob es sich um eine Dauerbesiedlung handelt, bei der ein Patient immer ein gefärbtes Sekret hat und man eher mit reinigenden Mechanismen arbeiten sollte. Dabei profitiert der Patient in hohem Maße von der Zusammenarbeit zwischen Allgemeinmediziner, Pulmologen und Atemtherapeuten.“

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