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Allgemeinmedizin 23. Jänner 2007

Ende der Schonfrist für Raucher gefordert

Wie sehr Gäste und Personal in heimischen Lokalen durch den blauen Dunst gefährdet sind, zeigen neue Messungen des Wiener Umwelthygiene-Instituts. Dass Rauchverbote in der Gastronomie auf durchaus positives Echo stoßen, hat sich zur Überraschung vieler in Italien herausgestellt.

Die ersten Plakate hängen bereits. „Nein“ lautet die eingängige Botschaft der Ärztekammer, Nein zur Zigarette. Gleichzeitig wird für die Vorsorgeuntersuchung geworben. Die Standesvertreter sind entschlossen, Österreich von der Qual des Qualms zu befreien (die ÄRZTE WOCHE berichtete). Denn immer noch ist die Alpenrepublik eine Insel der seligen Raucher. Anders als in vielen anderen europäischen Ländern ist die Luft vor allem in heimischen Wirtshäusern und Gourmettempeln bisweilen zum Schneiden. Das soll sich, gehen die Forderungen der Ärztekammer durch, bald ändern.
Unterstützt von der Gesellschaft für Pneumologie, der Ärzteinitiative gegen Raucherschäden, dem Nikotininstitut und der Bürgerinitiative „Generelles Rauchverbot“ wollen die Standesvertreter für reine Luft am Arbeitsplatz sorgen – hauptsächlich in der Gastronomie.

Doppelte Brustkrebsrate

Dass der Glimmstängel auch diejenigen schädigt, die gar nicht aktiv daran ziehen, ist bekannt. Wie sehr, dazu gibt es fast täglich neue Daten. So hat die Deutsche Krebshilfe kürzlich gewarnt, dass Passivrauchen die Brustkrebsrate bei Frauen unter 50 verdopple.
Auf der Pressekonferenz zum Thema Nikotinverzicht vorvergangene Woche in Wien berichtete Prof. Dr. Manfred Neuberger vom Institut für Umwelthygiene der MedUni Wien, dass auch nach Einführung von Nichtraucherzonen in österreichischen Lokalen keine nennenswerte Verbesserung der Luftqualität erfolgt sei.
Feinstaubmessungen des Instituts ergaben, dass die Belastung mit den Kleinstpartikeln im durchschnittlichen Wiener Beisl höher ist als auf verkehrsreichen Straßen. Das Risiko, aufgrund der Dauerbelastung eine potenziell tödliche Herz-Kreislauf-Erkrankung zu entwickeln, „ist in österreichischen Gaststätten deutlich höher als auf der Brennerautobahn“ (Neuberger). Zudem scheiden nicht rauchende Angestellte im Gastgewerbe an ihren Arbeitstagen bis zu 4,5-mal mehr tabakspezifische Karzinogene im Harn aus als in der arbeitsfreien Zeit.
Das Beispiel Italien zeigt, dass Verbote für die Gesundheit durchaus etwas bringen. Beim südlichen Nachbarn ist seit Jänner 2005 das Rauchen in geschlossenen öffentlichen Räumen untersagt.

Weniger Herzinfarkte

Seither, so eine von Prof. Dr. Giuseppe Gorini vom Zentrum für Krebsforschung und -vorsorge in Florenz präsentierte Studie, ist die Zahl der Spitalseinweisungen der unter 60-Jährigen mit der Diagnose Herzinfarkt in der Region Piemont um elf Prozent zurückgegangen. Entgegen früheren Vermutungen halten sich die Italiener nicht nur an das Verbot, sie sind auch ganz und gar nicht unglücklich darüber. Standen 2001 noch 83 Prozent positiv dazu, waren es im März 2005 schon 90 Prozent.
Die Kammer fordert nun die neue Bundesregierung auf, „ihren Teil der Hausaufgaben“ zu machen: Dazu gehören neben dem generellen Rauchverbot in geschlossenen öffentlichen Räumen eine deutliche Tabaksteuererhöhung und die Hilfe beim Ausstieg aus der Nikotinsucht bei niedergelassenen Ärzten als Kassenleistung.

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