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Allgemeinmedizin 18. Jänner 2007

Macht unbalancierte TSH-Steuerung dick?

Patienten, die eine Schilddrüsenhormon-Substitution bekommen, klagen oft über eine therapiebedingte Gewichtszunahme. Das passiert auch, wenn die Hormonwerte normal sind. Bereits leichte Änderungen der Drüsenfunktion beeinflussen das Gewicht.

„Schilddrüsenhormone sind für etwa 30 Prozent des Ruheenergie-Umsatzes zuständig“, so Prof. Dr. Karl-Michael Derwahl, Leiter der Abteilung für Innere Medizin am Sankt-Hedwig-Krankenhaus in Berlin-Mitte, bei einem Symposium in Berlin. Eine Fehlfunktion der Schilddrüse wirkt sich deshalb direkt aus: Sowohl die Wärmeproduktion als auch der Energieverbrauch ändern sich.
Bei einer Hypothyreose sind Wärmeproduktion und Grundumsatz reduziert. Je höher der TSH-Wert ist, umso niedriger fällt der Grundumsatz aus. Das gilt nicht nur bei manifester Hypothyreose, sondern auch schon bei kleinen TSH-Änderungen. Der Grundumsatz sinkt bereits, wenn die Unterfunktion nur latent ist. Latent bedeutet definitionsgemäß: Nur der TSH-Wert ist erhöht; die Werte der peripheren Hormone sind aber weiterhin im Normbereich.

BMI nimmt bei verringertem Energiebedarf zu

Der veränderte Energiebedarf schlägt sich im Gewicht nieder, denn was nicht verbraucht wird, löst sich nun mal nicht in Luft auf. In einer dänischen Populationsstudie wurde bei 4.082 gesunden Frauen der Zusammenhang zwischen TSH und Body-Mass-Index (BMI) geprüft. Die Frauen wurden fünf TSH-Bereichen zugeordnet: von unter 0,4 mU/l (Mittelwert 0,3 mU/l) bis über 3,6 mU/l. Der TSH-Normbereich liegt zwischen 0,3 bis 4,0 mU/l. Angesichts der dauerhaften Folgen kommt es also auch darauf an, wo der TSH-Wert innerhalb der Norm liegt. „Das müssen wir bei einer Schilddrüsenhormon-Substitution berücksichtigen“, betont Derwahl. Der TSH-Spiegel sollte deshalb bei Substitution mit Levothyroxin ausreichend gesenkt werden. Experten empfehlen bei der Schilddrüsenhormon-Therapie einen Zielbereich von 0,3 bis 1,2 mU/l. Wie weit der TSH-Spiegel gesenkt werden muss, ist allerdings individuell verschieden. Denn was dem einen Menschen ein optimales Befinden beschert, kann für den anderen schon zu viel oder noch zu wenig sein.

Medikamente als Appetizer

Zur Gewichtszunahme kann es aber auch bei optimaler Dosierung kommen. Denn die Hormone fördern nicht nur den Energieumsatz, sondern auch den Appetit. Gerade zu Beginn der Substitution konkurrieren beide Effekte miteinander, und nicht selten nehmen die Patienten dann zwei bis vier Kilogramm zu. „Deshalb darf man den TSH-Wert aber nicht höher belassen“, warnt Endokrinologe Derwahl. „Denn das würde nur in der Initialphase der Substitution die Zunahme begrenzen, aber nicht langfristig.“ Derwahl empfiehlt, bei initialer Gewichtszunahme die Patienten zunächst zur Überprüfung ihres Essverhaltens aufzufordern und sie gegebenenfalls diätetisch zu beraten.

 Latente Störungen der Schilddrüsenfunktion

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