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Allgemeinmedizin 18. Jänner 2007

Wenn das tödliche Quintett aufspielt

Mit Hilfe der um den Taillenumfang erweiterten klinischen Parameter für die Entwicklung einer Arteriosklerose können Herz-Kreislauf-Hochrisiko­patien­ten frühzeitig erkannt und entsprechend betreut werden.

Die klassische Definition des Metabolischen Syndroms geht von den vier Komponenten (abdominale) Adipositas, Glukoseintoleranz/Typ-2-Diabetes, Dyslipidämie und Hypertonie aus – dem tödlichen Quartett. Der Fünfte im Spiel ist seit 2001 der Taillenumfang, den die International Diabetes Foundation (IDF) neuerdings als phänotypisches Merkmal in den Mittelpunkt stellt. Studien haben gezeigt, dass Erwachsene mit Metabolischem Syndrom eine zwei- bis dreifach höhere Rate kardiovaskulärer Ereignisse aufweisen als Personen ohne diese Konstellation.
In der Diabetologie wird diskutiert, inwieweit das Metabolische Syndrom eine Krankheitsentität ist. Nach Ansicht der meisten Experten ist dies nicht der Fall, gerade weil die bisherigen Begriffsbestimmungen nicht scharf sind und dabei Cluster ganz unterschiedlicher Risikofaktoren mit entsprechend unterschiedlichen Risiken die Definitionskriterien erfüllen. Die Diskussion um die Definition wird also weitergehen.

Stoffwechselaktives viszerales Fett

Es wird immer deutlicher, dass das Metabolische Syndrom vor allem eine Folge der Adipositasepidemie darstellt. Insbesondere eine stammbetonte Fettverteilung mit Vergrößerung der viszeralen Fettdepots gilt als potenter Promotor. Zwar nimmt die viszerale Fettmasse mit jeder Gewichtszunahme zu, sodass eine relativ enge Korrelation zwischen Taillenumfang und BMI besteht, dennoch kann die viszerale Fettmasse bei gleichem BMI erheblich variieren. Hierbei spielen Geschlecht, Hormonstatus, Ernährung, Bewegung und vor allem genetische Faktoren eine wichtige Rolle.
Das viszerale Fettgewebe ist deshalb gefährlicher, weil es wesentlich stoffwechselaktiver ist und ein ungünstigeres Profil von Sekretionsprodukten als das subkutane Fettgewebe aufweist. Für die Praxis bedeutet dies, dass die Messung des Taillenumfangs Bestandteil jeder klinischen Untersuchung und jedes Screeningprogramms sein sollte. Die IDF-Gruppe argumentiert, dass bereits ab einem Taillenumfang von > 94 cm bei Männern und > 80 cm bei Frauen das kar­diovaskuläre Risiko ansteigt, während das Expertengremium der amerikanischen Herzgesellschaft Grenzwerte von > 102 cm beim Mann und > 88 cm bei der Frau vertritt.

Grenzwerte für die Therapie

Bei Zugrundelegung der IDF-Kriterien würde sich die Zahl der Betroffenen annähernd verdoppeln. Gleichzeitig würde aber das Gefäßrisiko im Vergleich zu Personen ohne Metabolisches Syndrom „verdünnt“.
Nach Auffassung von Prof. Dr. Hans Hauner vom Münchner Else-Kröner-Fresenius-Zentrum für Ernährungsmedizin sollte ab Grenzwerten von 102 cm (Mann) bzw. 88 cm (Frau) eine konsequente Therapie eingeleitet werden.
In den letzten Jahren wurden mehrere Studien an Patienten mit gestörter Glukosetoleranz, dem Vorstadium des Typ-2-Diabetes, durchgeführt, die insbesondere den Nutzen einer Lebensstilintervention, aber auch bestimmter Medikamente zumindest für die Prävention des Typ-2-Diabetes eindeutig belegen. Dabei erwies sich eine Lebensstiländerung mit Senkung des Körpergewichts, gesunder Ernährung und Steigerung der körperlichen Bewegung als sehr wirksam und übertraf eindeutig den präventiven Nutzen von Medikamenten wie Metformin.

 Konsequenzen für die Praxis

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