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Allgemeinmedizin 17. Jänner 2007

Auch passives Rauchen schädigt Ungeborene

Das Risiko für plötzlichen Kindstod im ersten Lebensjahr, Wachstumsverzögerung in der Schwangerschaft oder Frühgeburt nehmen stark zu.

Wie schädlich Passivrauchbelastung für Mütter und vor allem ihre noch ungeborenen Kinder ist, erläuterte Prof. Dr. Hanns Moshammer vom Institut für Umwelthygiene der MedUni Wien in seinem Vortrag beim Jahreskongress 2006 der Österreichischen Gesellschaft für Pneumologie. „Aktives und passives Rauchen setzt systemische Schäden“, stellte Moshammer klar. „Einerseits weil die Schadstoffe teils in partikulärer Form, teils asförmig in der Lunge resorbiert werden und in systemische Zirkulation kommen. Andererseits weil Entzündungsmediatoren freigesetzt werden, die Schäden am Herz-Kreislauf-System verursachen.“

Folgen für Mutter und Kind

Deutlich erhöht ist das Risiko der rauchenden werdenden Mutter, an einer Schwangerschaftstoxi-kose zu erkranken. Beim Neuge-borenen steigt das Risiko für plötzlichen Kindstod im ersten
Lebensjahr, Wachstumsverzögerung in der Schwangerschaft oder Frühgeburt um 50 bis 300 Prozent. Ebenso kommt es zu einer dramatischen Zunahme der Häufigkeit von Infektionen, Atemwegserkrankungen etc. in den ersten Lebensjahren. Zum Infektionsrisiko nach der Geburt ist die Datenlage nicht ganz eindeutig.
Auch gentoxische Effekte zeigen sich: Im Nabelschnurblut lassen sich Lymphozyten mit Mikrokernen nachweisen, ein Marker für langfristige Schäden, die während der Schwangerschaft eintreten.

Vergleich aktiv zu passiv

Die passive Belastung ist mit Methoden wie CO-Hb-Messung schwerer zu bewerten als die aktive, dementsprechend gibt es dazu weniger Studien. Moshammer. „Am Beispiel intrauteriner Wachstumsverzögerung kann der Effekt des Passivrauchens jedoch gut gezeigt werden: Im Vergleich zum aktiven Rauchen, das eine Risikosteigerung um 200 Prozent mit sich bringt, bedeutet auch passives immer noch eine Risikovermehrung um 20 Prozent.“
In Österreich gibt es nur wenig repräsentative Daten zur Verknüpfung von Rauchen und Schwangerschaft. „Der Mutter-Kind-Pass wäre als Datenquelle prädestiniert“, so Moshammer. „Leider sind die Daten nicht elektronisch verfügbar und oft auch von geringer Qualität.“
Schätzungen zur Verknüpfung von Nikotinabusus und Gravidität gehen von etwa 18 Prozent der Schwangeren aus. „Aus eigenen Daten komme ich auf etwa zehn Prozent“, so Moshammer. „Aber wie viele Frauen haben erst in der Frühschwangerschaft mit dem Rauchen aufgehört?“ Interessant wäre hier die Frage nach einem etwaigen vulnerablen Fenster in den ersten Monaten der Gravidität, in dem das Kind besonders empfindlich für die exogene Noxe Tabakrauch ist.
Passiv beraucht werden nach Daten von Moshammer 40 Prozent der Frauen im gebärfähigen Alter: „Gehen wir von dieser Annahme aus, sind immerhin sieben Prozent der Wachstumsverzögerungen durch Passivrauchen bedingt.“
Aus den Daten einer eigenen Untersuchung bei Kindern, deren Mütter durchwegs während der Schwangerschaft rauchten, zieht Moshammer einen klaren Schluss: „Die Schäden in der Reifung der Atemwege, die während der Schwangerschaft gesetzt werden, wachsen sich bis in die Adoleszenz nicht aus.“

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