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Allgemeinmedizin 6. Dezember 2006

Angstpatienten den roten Faden in die Hand geben

Allgemeinmediziner können Patienten mit Angststörungen vor allem dabei unterstützen, sich von den Ängsten nicht alles gefallen zu lassen und neuen Mut zu schöpfen.

Bis zu einem Fünftel der Bevölkerung hat im Leben bereits mit einer Angststörung zu tun gehabt. Daher ist auch der Allgemeinmediziner mit dieser Problematik häufig konfrontiert. „Die Patienten berichten über ständige Engegefühle und Atembeschwerden“, betonte Dr. Heidi Ilsinger, Psychotherapeutin in Innsbruck mit Schwerpunkt Logotherapie, beim 37. Kongress für Allgemeinmedizin Ende November in Graz. Der Ausspruch „Angst macht dumm“ sollte nicht zu leichtfertig abgetan haben, denn Furcht behindert oft den Zugang zu den eigenen Ressourcen, auch in mentaler Hinsicht.
Die Stärken des Hausarztes liegen darin, die Lebensgeschichte und das konkrete Umfeld des Pa-tienten zu kennen. „Für eine Mehrzahl der Patienten ist der Arzt eine Autorität und stärkende Persönlichkeit, dessen Empfehlungen als Orientierung und roter Faden dienen. Des Weiteren kann er unterstützend eingreifen, wenn es da-rum geht, zwischen realen und irrealen Ängsten zu unterscheiden“, erklärte Ilsinger.
Der Einsatz von Medikamenten wie etwa Antidepressiva kann bei Angststörungen durchaus angesagt sein, allerdings steht hier der Kampf gegen Symptome und nicht gegen Ursachen im Vordergrund. Zentrale Bedeutung haben das ärztliche Gespräch sowie die psychotherapeutische Begleitung. „Im Gespräch des Arztes mit dem Patienten kann auch Humor eine große Rolle spielen“, so Ilsinger. „Die Patienten können unterstützt werden, ihre Ängste aus einer neuen Perspektive wahrzunehmen, um mit ihnen anders um-zugehen.“
Der Arzt kann den Patienten weiters an positive Aspekte des Lebens, auf bisher Erreichtes bzw. vorhandene Ressourcen erinnern. Denn ein zentraler Ansatz der Logotherapie ist, „der Angst das Vertrauen in sich selbst und in das Leben entgegen zu setzen“, erklärte Ilsinger. „Es geht um einen neuen Zugang zum Urvertrauen.“

Teufelskreise durchbrechen Ein wichtiger Punkt ist, den

Teufelskreis der Hyperreflexion zu durchbrechen. Wer beispielsweise ständig auf seinen Herzschlag achtet, wird irgendwann an Herzrasen leiden oder eben das Gefühl haben, keine Luft mehr zu bekommen. Ziel ist daher auch, den richtigen Umgang „mit der Angst vor der Angst“ zu erlernen.
Sich vorhandene Ängste einzugestehen, ist nicht immer einfach. Manchmal scheint im Vordergrund ein Burnout zu stehen, dahinter stecken aber oft massive Versagensängste. Durch die gute Kenntnis des Patienten hat der Arzt die Chance, Veränderungen in der Körpersprache wahrzunehmen oder in der Art und Weise, wie jemand über den eigenen Alltag bzw. den eigenen Körper spricht. Für Ilsinger ist es wichtig, wahr-genommene Ängste anzusprechen: „Schon allein dies kann eine hilfreiche Intervention sein und dazu beitragen, dass sich jemand verstanden fühlt.“
Im Umgang mit Angststörungen ist die Kooperation zwischen Arzt und Psychotherapeuten eine wichtige Stütze. „Beide können viel von der jeweils spezifischen Sichtweise des anderen profitieren“, betonte Ilsinger. Die interdisziplinäre Zusammenarbeit funktioniere in manchen Fällen recht gut, könne aber oft noch intensiviert werden.

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