zur Navigation zum Inhalt
 
Allgemeinmedizin 29. November 2006

Reflexion als Quelle der Kraft

Das ärztliche Konsilium kommt sowohl im Spital als auch im niedergelassenen Bereich oft zu kurz. Balintgruppen helfen, dieses Manko auszugleichen und den Umgang mit den Patienten zugunsten der Therapie zu reflektieren.

Dem Thema Burnout widmete der 37. Kongress für Allgemeinmedizin Ende November in Graz breiten Raum. Im Sinne der Prävention kann der regelmäßige kollegiale Austausch wertvolle Unterstützung bieten. Die Gruppenarbeit im Sinne Balints ist geprägt von einer intensiven Form des gegenseitigen ärztlichen Konsiliums. „Ausgetauscht wird vor allem über Fälle, bei denen ich als Arzt in irgend-einer Form anstehe, über Fälle, die bei mir selber Reaktionen auslösen, die mich überraschen oder mit denen ich mich überfordert fühle“, erklärte Prof. Dr. Walter Pieringer, Leiter der Univ.-Klinik für Medizinische Psychologie und Psychotherapie an der Medizinischen Universität Graz und Präsident der Gesellschaft für Psychosomatische und Psychotherapeutische Medizin, in seinem Vortrag am Kongress. Zentrale Fragen in den Balintgruppen sind: Was will der Patient wirklich von seinem Arzt? Was macht der Arzt mit dem Patienten? Welche Gefühle löst der Patient im Arzt aus? Was macht der Patient mit dem Arzt? Pieringer sieht körperliche und psychische Empfindungen, die ein Patient beim Arzt auslöst, als „Spiegel dessen, was der Patient ausstrahlt“. Sie können den Therapeuten zugleich dabei unterstützen, Symptome klarer zu sehen. Aus bisherigen Erfahrungen mit Balintgruppen ist beispielsweise bekannt, dass die Zahl der „Krisen-anrufe“ von Patienten deutlich abnimmt. Dies sei darauf zurückzuführen, so Pieringer, dass sich Patienten vom Arzt besser verstanden, ernst genommen und unterstützt fühlen. Auf der anderen Seite gehen manche Ärzte dem Austausch in Balintgruppen aus dem Weg – „meist aus Angst, sich bloßzustellen“, bedauert Pieringer. Diese Angst sei allerdings unbegründet. „Es geht um konkrete Fälle, die Menschen dahinter und wie ihnen begegnet werden kann“, stellte der Experte klar. Wichtig sei, dass die Leitung einer Balintgruppe einem Psychotherapeuten oder einem Arzt mit psychoanalytischer bzw. psychodramatischer Erfahrung obliege.

Zu diesem Thema wurden noch keine Kommentare abgegeben.

Medizin heute

Aktuelle Printausgaben