zur Navigation zum Inhalt
 
Allgemeinmedizin 7. November 2006

Die Zukunft gehört der Laserbehandlung

Vor der Therapie der „Krampfadern“ steht eine umfassende Anamnese und Diagnostik, um andere Venenleiden ebenso ausschließen zu können wie eine arterielle Verschlusskrankheit.

Rund 80 Prozent der österreichischen Bevölkerung sind irgendwann im Leben von Varizen im Bereich der Beine betroffen (www.lebensadern.at). Frauen erkranken zwei- bis dreimal häufiger als Männer. „Wir unterscheiden primäre, sekundäre und Rezidiv-Varikosen“, erläutert der Gefäßspezialist und Mitbegründer der Initiative Gesunde Gefäße, Dr. Johannes Schuh, ärztlicher Leiter des Gesundheitsresorts Königsberg/Bad Schönau im Interview mit der ÄRZTE WOCHE.
Bei der primären Varikose gehen Experten heute von einer frühzeitigen Alterung der Venen aus, die zu einer Insuffizienz der Venenklappen und letztlich zur Ausbildung von Varizen führt. „Die Entstehung einer primären Varikose ist einerseits genetisch bedingt, auf der anderen Seite wird die Erkrankung aber auch durch Übergewicht, durchgemachte Schwangerschaften, höheres Alter und stehende Berufe getriggert“, so Venenexperte Schuh weiter.
Zu einer sekundären Varikose kann es nach durchgemachter tie­fer Beinvenenthrombose, aber auch im Rahmen von Angiodysplasien kommen. Als Rezidiv-Varikose werden Varizen bezeichnet, die nach einer Intervention erneut auftreten (siehe Kasten Erscheinungsbilder und Stadieneinteilung).

 Tabelle: Die Kompressionsbehandlung

Die CEAP-Klassifikation berücksichtigt alle Aspekte

Für eine optimale Therapie ist allerdings eine möglichst exakte Diagnose notwendig, die das vorliegende Schema nur unzureichend liefert. Mit der CEAP-Klassifikation wird heute versucht, alle Aspekte wie Klinik, Ätiologie, Anatomie und Pathophysiologie auf einen Nenner zu bringen. Dabei steht C für clinical symptoms, E für etiology, A für anatomy und P für pathophysiology. Die Einteilung ist sehr komplex, konnte sich in der Praxis daher bisher nur eingeschränkt durchsetzen.
Etwa 50 Prozent der Betroffenen leiden an einer oberflächlichen oder retikulären Varikose, im Volksmund auch als Besenreiser bezeichnet. Als behandlungsbedürftig bezeichnet Schuh diese Form der Varikose dann, wenn subjektiv Beschwerden auftreten, also Schwächegefühl und Schmerzen in den Beinen, selbst ohne Belastung. Auch die optische Beeinträchtigung aufgrund von Besenreisern kann eine Indikation für eine Intervention darstellen.

Aktivierung der Muskelpumpe als erster Therapieschritt

Als ersten Therapieschritt empfiehlt Schuh dabei Venengymnastik oder Bewegungstherapie, um damit die Muskelpumpe und die Gelenkspumpen zu aktivieren. ­Diese Bewegungsprogramme können das Fortschreiten der Erkrankung hintanhalten. Dies gilt nicht nur für leichte Formen der Varikose. Auch bei schwereren Erscheinungsformen bietet die Venengymnastik den PatientInnen Unterstützung.
Zur Diagnose einer Varikose ist nicht nur ein ausführliches Anamnesegespräch notwendig, sondern auch ein Venenstatus, wenn der Patient liegt und wenn er steht. „Das ist die Grundvoraussetzung für eine gute Diagnostik und damit auch eine gute Therapie.“ Auch die Ultraschalluntersuchung gehört heute in der Diagnostik der Varikose zum State of the Art. Die Diagnostik und Anbehandlung einer Varikose gehört für Schuh in die Hände eines darin erfahrenen Facharztes, schon weil, so Schuh, „die Ultraschalluntersuchung nur für das geschulte Auge aufschlussreiche Ergebnisse liefert.“ Differentialdiagnostisch auszuschließen sind akute Venenerkrankungen, wie etwa Thrombosen und arterielle Erkrankungen.

 Kasten: Die klinische Einteilung der Varikose erfolgt in drei Stadien

Kompressionsbehandlung ist State of the Art

„Bei jenen Patienten, die einer anderen Form der Behandlung nicht zugänglich sind oder bei denen eine einfache Stamm- oder Seitenastvarikose vorliegt, gilt die Kompressionsbehandlung immer noch als State of the Art”, hielt Schuh im Interview mit der ÄRZTE WOCHE fest. Das ist zwar keine kausale Therapie, allerdings kann damit der Gefäßtonus verbessert und ein Fortschreiten der Erkrankung bis hin zum Ulcus cruris venosum in den meisten Fällen verhindert werden: „Wichtig ist allerdings die korrekte Anwendung der Behandlung“, warnte Schuh (siehe Kasten Kompressionsbehandlung). Nur dann ist eine optimale Wirkung der Kompressionsbehandlung gegeben. Sie sorgt dafür, dass durch Druck von außen die erweiterten Venen wieder verengt werden – die Venenklappen können wieder korrekt schließen, der Blutfluss wird verbessert.
Zur Therapie bei retikulärer Varikose gilt heute – neben der Kompressionsbehandlung – zunehmend die Sklerosierung als Behandlung der Wahl. „Dabei werden die oberflächlichen Krampfadern vorsichtig angestochen, etwas wird Blut aspiriert und daraufhin ein Sklerosierungsmittel, wie Äthoxysklerol injiziert“, erklärte Schuh. „Dies führt über eine lokale Entzündungsreaktion zu einer Verödung der ‚Besenreiser’ und zu sehr schönen kosmetischen Ergebnissen.“ Die Behandlung ist in der Regel so gut wie schmerzlos, muss allerdings besonders sorgfältig ausgeführt werden, wird die Substanz para injiziert, kann es zu Gewebsnekrosen kommen.

Lasertherapie als zunehmend wichtige Behandlungsoption

Neben der medikamentösen Verödung oberflächlicher Varikosen stellt die Lasertherapie eine zunehmend wichtige Option in der Behandlung dieser Erkrankung dar. „Hier wird mit Oberflächenlasern gearbeitet und damit ebenfalls eine Verödung der Gefäße erzeugt“, so Schuh. „Damit gelingt es sehr gut, diese Oberflächenvarizen verschwinden zu lassen.“
Liegt eine Varikose der Vena saphena magna oder V. saphena parva vor, oder wird eine Perforansvarikose diagnostiziert, ist eine chirurgische Intervention indiziert, um Folgeschäden, wie etwa das Ulcus cruris venosum, hintanzuhalten. „Am häufigsten wird dabei die Crossektomie angewendet“, sagte Schuh. „Dabei wird die Haut im Bereich der Einmündung in die Oberschenkelinnenseite, der Crosse, eröffnet und die Vene abgebunden und entfernt, also eine Vasektomie durchgeführt“, erläuterte Schuh das gängigste Verfahren. Auch alle Nebenäste der betroffenen Vene müssen bei diesem Verfahren sorgfältig ligiert und durchtrennt werden.

Verbesserter Operationserfolg durch Endoskopie

Liegt eine Perforansvarikose vor, werden diese Venen ligiert oder durchtrennt. „Zunehmend werden diese Eingriffe übrigens endoskopisch durchgeführt, was den Operationserfolg weiter verbessert“, hielt Schuh fest.
Eine interessante therapeutische Option stellt die Lasertherapie auch zur Behandlung von Stammvarikosen dar. „Allerdings wird das noch nicht überall angeboten“, schränkte Schuh ein. Unter Ultraschallkontrolle wird eine Lasersonde in ein großes Gefäß eingebracht, das innerhalb des Gefäßlumens seine Energie abgibt und damit zu einer Verödung des Gefäßes führt.
Für alle Interventionen gilt jedoch, dass postoperativ für mindestens vier bis sechs Wochen eine Kompressionstherapie indiziert ist, um ein Wiederauftreten der Erkrankung zu verhindern und den Gefäßtonus zu verbessern: „Es entstehen neue Gefäße, die für eine ausreichende Durchblutung sorgen“, sagte Schuh.

Zu wenig Evidenz für medikamentöse Behandlung

Immer seltener angewendet will Schuh medikamentöse Therapieoptionen zur Behandlung der Varikose sehen: „Es gibt einfach viel zu wenig Evidenz dafür.“ Bei sehr leichter Erkrankung steht allerdings einer Behandlung mit pflanzlichen Präparaten, die – so Schuh – „ja den Patienten auch subjektiv Linderung bringen“, nichts entgegen.
Die Zukunft der Varikosetherapie gehört allerdings, erklärte Schuh abschließend, der Kompressionstherapie-, der Laseranwendung und der chirurgischen Intervention.

Zu diesem Thema wurden noch keine Kommentare abgegeben.

Medizin heute

Aktuelle Printausgaben