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Allgemeinmedizin 31. Oktober 2006

Häufig, harmlos und extrem belastend

Schuppen und fette Haut sind die untrüglichen Zeichen für das hinsichtlich seiner Ätiologie noch nicht ganz erforschte seborrhoische Ekzem. Bei therapieresistentem Verlauf ist eine Immunschwäche in Betracht zu ziehen.

„Wichtig ist, die Patienten über die Chronizität der seborrhoischen Dermatitis aufzuklären, aber auch darüber, dass die Krankheit nicht ansteckend ist.“ Das sagte Prof. Dr. Jan Faergemann vom Sahlgrenska Universitätsspital im schwedischen Göteburg bei der Jahrestagung der europäischen Dermatologenvereinigung EADV Anfang Oktober in Rhodos.
Charakteristisch für das Ekzem sind weiße, in schwereren Fällen auch rötliche bis gelbliche, schuppende, entzündete Flecken oder Knoten unterschiedlicher Größe. Sie entstehen vor allem dort, wo besonders viele Talgdrüsen sitzen und der Fettgehalt der Hautoberfläche groß ist. Bei 90 Prozent der Patienten an der behaarten Kopfhaut, bei 60 Prozent im Gesicht, an jenen Stellen, die die Kosmetikindustrie „T-Zone“ nennt: an der Stirn, an und um die Nase, um den Mund, am Kinn. Je stärker entzündet die Hautareale sind, desto unangenehmer wird auch der damit verbundene Juckreiz. In vielen Fällen verschlimmert sich das schuppende Ekzem bei trockener Luft und im Winter, auch Stress kann die Krankheit, die in Schüben verläuft, immer wieder zum Ausbruch bringen. Die fettig schuppenden Hautstellen sind zwar harmlos, können jedoch extrem belastend sein. „Rechnet man die normalen Kopfschuppen als milde Ausprägung ohne Entzündung mit ein, sind 15 bis 20 Prozent der Bevölkerung in unseren Breiten betroffen“, berichtete Faergemann. Männer leiden öfter daran als Frauen, zwischen 40 und 60 Jahren besteht ein Altersgipfel. Seborrhoische Dermatitis ist also ein häufiger Grund für den Arztbesuch.
Die Ätiologie ist nicht sicher geklärt. Verschiedene Studien weisen darauf hin, dass der Pilz Malassezia eine ursächliche Rolle spielt. Dass der an sich harmlose und allgegenwärtige Pilz bei manchen Menschen dermaßen überhand nimmt, hängt laut Faergemann einerseits mit dem gedeihlichen Klima einer übermäßigen Talgproduktion zusammen, hauptsächlich aber mit einem T-Zell-Defekt.

Kein Entzündungsstopp

„Es gibt dann keine natürlichen Mechanismen mehr, die durch den Hefepilz hervorgerufene Entzündung zu stoppen.“ Dass eine Immunschwäche mit im Spiel ist, zeigt der Umstand, dass das schuppende Ekzem bei 80 Prozent der HIV-Infizierten auftritt. Doch auch Stress oder belastende Lebensereignisse haben einen negativen Einfluss auf das Immunsystem. Zudem hat sich gezeigt, dass auch neurologische Erkrankungen wie Morbus Parkinson die Hautkrankheit begünstigen. Bei Immungeschwächten, so betonte Faergemann, komme es oft zu einer Therapieresistenz.
Was die Behandlung anlangt, so „sollte der Patient darüber aufgeklärt werden, dass neben der Akut- auch eine Erhaltungstherapie notwendig ist“, empfahl der schwedische Dermatologie-Professor. Bei ganz leichtem Befall sind eher austrocknende Shampoos ohne Zusätze hilfreich. Antimykotische Präparate mit Azolderivaten helfen laut Faergemann in den meisten Fällen und verhindern Rezidive eher als die alleinige Behandlung mit Kortison: „Zweimal wöchentlich über vier Wochen eine Haarwäsche mit einem Ketoconazol-Shampo stellt eine effektive Therapie der seborrhoischen Dermatitis der Kopfhaut dar. Um Rezidive zu vermeiden, empfiehlt sich auch in der beschwerdefreien Zeit eine Anwendung pro Woche.“
Bei der Behandlung von Gesichts- bzw. Körperherden mit ketoconazolhaltigen Cremes hat der Hautarzt die besten Erfahrungen mit einer zweimal täglichen Anwendung über vier Wochen gemacht, gefolgt von einer Prophylaxe zweimal pro Woche, wobei die Salbengrundlagen nicht zu fett sein sollten. Alternativ stehen auch Präparate mit Zinkpyrithion zur Verfügung, ein Wirkstoff, der zudem auch die Struktur des Stratum corneum verbessert bzw. normalisiert und der ebenfalls zweimal die Woche über vier Wochen angewendet werden sollte.

Systemische Behandlung

Bei stark disseminierten Formen ist eine systemische Behandlung mit Ketoconazol angezeigt, „wobei 200 Milligramm täglich über zehn Tage wirksamer sind als 400 Milligramm in einer Einzeldosierung“. In sehr schweren, therapieresistenten Fällen mit starker entzündlicher Komponente ist die orale Gabe von Kortison in Verbindung mit topischen Antimykotika notwendig. Und einen abschließenden Rat gab Faergemann den Kollegen mit auf den Weg: „Stoppen Sie die Behandlung nicht, nachdem sich die Läsionen gebessert haben. Eine Rezidivprophylaxe ist unbedingt notwendig.“

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