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Allgemeinmedizin 24. Oktober 2006

Motivationsprogramm fördert Compliance von Alkoholkranken

Eine Medikation plus Motivationsprogramm hilft Alkoholkranken. Kombinationen von zwei Arzneien oder von Arzneien mit Verhaltenstherapie brachten keinen zusätzlichen Nutzen.

Ein Programm mit neun Sitzungen fördert die Therapietreue, dadurch steigt die Dauer der Abstinenz signifikant. Das sind die Ergebnisse der groß angelegten US-Studie COMBINE. Darin war in einem komplexen Studiendesign bei fast 1.400 Alkohol-abhängigen Patienten untersucht worden, inwiefern Kombinationstherapien Vorteile im Vergleich zu Monotherapien bringen (JAMA 295, 2006, 2003). Die seit mindestens vier Tagen abstinenten Teilnehmer wurden in neun Gruppen eingeteilt und 16 Wochen lang behandelt. Vier Gruppen erhielten entweder eine Monotherapie mit Naltrexon oder Acamprosat, eine Kombinationstherapie beider Substanzen oder Placebo. Vier weitere Gruppen erhielten dieselbe Medikation und zusätzlich eine kognitive Verhaltenstherapie. Alle acht Gruppen nahmen an einem Motivationsprogramm zur regelmäßigen Einnahme der Arzneimittel teil, und zwar in jeweils neun Sitzungen. Die neunte Gruppe erhielt nur die Verhaltenstherapie. Die Ergebnisse: Insgesamt waren die Unterschiede zwischen den Gruppen meist nicht signifikant. Die Zahl der abstinenten Tage sank signifikant nur während einer Naltrexon-Therapie (81% der Tage) oder einer kognitiven Verhaltenstherapie (79%) im Vergleich zu Placebo (75%). Die Kombination von Verhaltenstherapie und Naltrexon brachte jedoch keinen zusätzlichen Vorteil. Auch die Kombina-tion von Naltrexon mit Acamprosat ergab keinen Zusatznutzen. Überraschenderweise war mit Acamprosat im Vergleich zu Placebo kein signifikanter Effekt nachweisbar. Dies widerspricht etlichen kontrollierten Studien. Offenbar hatte aber das Motivationsprogramm in der Studie einen Effekt: In der neunten Gruppe, die zwar die Verhaltenstherapie, nicht aber das Motivationsprogramm erhielt, war die Zahl der abstinenten Tage am geringsten (67 Prozent).

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