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Allgemeinmedizin 10. Oktober 2006

Komplementärmedizin weiter im Kreuzfeuer

Wir wehren uns gegen die Einengung der Therapiefreiheit!

Dr. Michael HohlDr. Michael Hohl
Arzt für Allgemeinmedizin in Langenstein mit Schwerpunkt Bioresonanz

Wir wehren uns gegen die Einengung der ärztlichen Freiheit, Therapiemethoden einzusetzen, die den Patienten helfen. Es ist auch nicht einsehbar, warum Ärzte aus anderen Bundesländern die angeblich unwirksamen oder gar gefährlichen Methoden weiter einsetzen dürfen; genauso wie übrigens oberösterreichische Zahnärzte mit Kassenvertrag.
Die Schulmedizin ist nicht der allein selig machende Ansatz. Wir behandeln viele Patienten mit chronischen Krankheiten, die oft schon einen langen und frustrierenden Weg durch alle medizinischen "Stationen" hinter sich haben. Diese fragen direkt nach Methoden wie der Bioresonanz, und es besteht für mich kein einleuchtender Grund, warum ich diese nicht einsetzen sollte - noch dazu, wo der Patient für die Behandlung selbst aufkommt. 
Bei den Methoden der "Schwarzen Liste" kommt es darauf an, wie sie angewandt werden. Natürlich braucht es eine entsprechend intensive zusätzliche Ausbildung und Erfahrung. Gerade die Bioresonanz ist eine Methode, die etwa in Deutschland und den USA ständig und mit guten Erfolgen angewendet wird. Ich habe den Eindruck, dass von den Verantwortlichen kein wirkliches Interesse besteht, diese Erfolge ernst zu nehmen oder genau zu recherchieren. Wir haben in Oberösterreich die Aktionsgemeinschaft für Erfahrungsheilkunde und Therapiefreiheit gegründet. Es ist für uns wichtig, bewährte Erfahrungen aus der gesamten Heilkunde zu kennen und einzusetzen.

Hier wird auf eine abzulehnende Art und Weise versucht, Einfluss auf den Ausgang eines Verfahrens zu nehmen

Dr. Oskar SchweningerDr. Oskar Schweninger 
Kurienobmann der niedergelassenen Ärzte in Oberösterreich

Ich kann die Vorgehensweise der Kollegen unmittelbar vor dem Verfahren bei der Paritätischen Kommission, so offensiv an die Medien zu gehen, nicht verstehen oder gut heißen. Hier wird auf eine abzulehnende Art und Weise versucht, Einfluss auf den Ausgang eines Verfahrens zu nehmen. Warum ist das nötig, wenn sie sich ohnehin so sicher sind?
Die mit der Kasse verhandelte Liste - diese wollte übrigens ursprünglich viel mehr Methoden in die Honorarverhandlungen aufnehmen - wird jährlich gründlich überprüft. Und sie kann sich daher auch verändern, also einzelne Methoden können wegfallen: Zwei anerkannte heimische Fachärzte prüfen derzeit Erfahrungsberichte von oberösterreichischen Allgemeinmedizinern mit der Bioresonanz. Die erste Stellungnahme war negativ, die zweite ist noch nicht eingetroffen. So lange also nichts anderes vorliegt, besteht keinerlei Anlass, die Liste zu verändern. Die Bioresonanz wurde ja auch von Münchner Wissenschaftlern als unwirksam beurteilt.
Ich finde es auch problematisch, dass Ärzte aus der klagenden Gruppe z.B. Bioresonanzgeräte vertreiben. Hier werden mit der Unwissenheit und den Ängsten der Patienten Geschäfte gemacht. Das Argument "Bioresonanz wirkt" ist eher eine Strategie der Vermarktung. Auch die einzelnen Behandlungen sind sehr teuer; vom Patienten kann aber nicht erwartet werden, dass er über die Wirksamkeit der Heilmethode Bescheid weiß. Genau diese Vorgangsweise ist einer der Gründe, warum wir als Ärzte für diese Liste waren. Und da Kassenverhandlungen nun mal auf Länderebene laufen, können hier auch gesonderte Vereinbarungen getroffen werden. 

"Ich erwarte mir ähnlich deutliche Bestimmungen zum Schutz der Patienten in ganz Österreich" Patienten in ganz Österreich

Dr. Oskar MeggenederDr. Oskar Meggeneder
Stv. Direktor der Oberösterreichischen Gebietskrankenkasse

Ich möchte zunächst betonen, dass wir viele positive Rückmeldungen - auch von Ärzten - in Bezug auf die so genannte "Schwarze Liste" bekommen haben. Manche meinen auch, wir hätten die Liste noch deutlich erweitern müssen. Natürlich gibt es Kassenärzte, die diese Methoden anwenden, oder solche, die allgemein einen Anschlag auf die Therapiefreiheit fürchten. Aber bei den von Kasse und Kammer festgelegten Therapien handelt es sich nur um jene, die nicht wirksam sind oder gefährlich sein können. Es besteht also sicher keine Gefahr, dass hier anerkannte komplementäre Methoden wie Akupunktur oder Homöopathie betroffen sein könnten.
Die Liste wurde nach dem derzeitigen Wissensstand erstellt. Wir sind jederzeit bereit, über einzelne Methoden neu zu verhandeln, wenn wissenschaftlich haltbare Beweise für deren Wirksamkeit vorgelegt werden. Trotz aller Proteste ist dieser Schritt noch nicht wirklich geschehen.
Schon im Ärztegesetz ist ein Verbot für nicht wirksame oder schädliche Therapien festgelegt, das im Übrigen auch für Wahlärzte gilt. Mit der Liste, die ein Teil der Honorarverhandlungen und des Gesamtvertrags zwischen Kasse und Kammer ist, wollen wir diese Bestimmung präzisieren. Solche Vereinbarungen sind auf Länderebene möglich. Allerdings wird auch in anderen Ländern stark auf Qualitäts- und Evidence based-Medizin gesetzt; auch der internationale Druck ist diesbezüglich hoch. Ich erwarte mir also ähnlich deutliche Bestimmungen zum Schutz der
Patienten in ganz Österreich.

Die Honorarverhandlungen der Zahnärzte laufen auf Bundesebene; die Vereinbarungen in Oberösterreich betreffen uns nicht.

Dr. Wolfgang DoneusDr. Wolfgang Doneus
Kurienobmann der Zahnärzte in Oberösterreich

Natürlich gibt es einige Zahnärzte, die Methoden aus der Komplementär- oder auch Alternativmedizin anwenden, z.B. Homöopathie, Akupunktur, Bioresonanz oder Hypnose. Mit Begriffen wie "Bio-Zahnheilkunde" wird durchaus auch Geschäft gemacht, aber erstens gilt auch für Zahnärzte das Ärztegesetz und zweitens ist aus meiner Sicht auch hier die Mündigkeit des Patienten gefragt. Bei den Zahnärzten ist die Situation auch insofern völlig anders, als die Honorarverhandlungen auf Bundesebene mit dem Hauptverband geführt werden. Deshalb betreffen uns Vereinbarungen auf Länderebene nicht. Und die oberösterreichischen Zahnärzte können sich gar nicht aus dieser Bundesregelung herauslösen und Sonderregelungen für bestimmte Länder eingehen.
Meine persönliche Meinung zum Thema ist: Es gibt Behandlungsmethoden, die von der Kasse nicht bezahlt werden - das gilt auch bei den Zahnärzten. Da es keine Entmündigung mehr gibt, braucht es aber auch keinen Mündel in Gestalt einer "Liste" oder einer Institution, die deren Einhaltung prüft. Die ausgewählten Methoden dieser Liste sind aus meiner Sicht keine medizinische, sondern eine gesundheitspolitische Entscheidung. Und ich frage mich, ob es wirklich nötig ist, mit der Kasse in ein Bett zu gehen, um den Schutz der Patienten zu gewährleisten. Dies müsste auch auf andere Art und Weise regelbar sein.

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