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Allgemeinmedizin 2. Oktober 2006

Gesundheitssystem: Zufriedenheit sinkt

Die Zufriedenheit der Wienerinnen und Wiener mit ihrem Gesundheitssystem ist weiter gesunken. Das ergab eine aktuelle Umfrage des OGM-Instituts im Auftrag der Wiener Ärztekammer. Waren im Februar 2001 noch 65 Prozent mit der gesundheitlichen Versorgung sehr zufrieden, sank die Zufriedenheit im Dezember 2001 bereits auf 61 Prozent und liegt derzeit nur mehr bei 59 Prozent. 44 Prozent meinen jedoch, dass die Versorgung in der Bundeshauptstadt nach wie vor besser sei als in anderen Bundesländern. 
Die Zufriedenheit liege in Wien aber noch immer auf einem sehr hohen Niveau, bekräftigte OGM Geschäftsführer Wolfgang Bachmayer. Vor allem die Hauptkunden des Gesundheitswesens - die über 60-Jährigen - seien deutlich zufriedener als die Gesamtheit. Der Rückgang sei seiner Ansicht nach auch nicht auf eine geringere Zufriedenheit mit der erbrachten Leistung oder eine Verschlechterung des Angebotes zurückzuführen, sondern in erster Linie auf die Negativschlagzeilen um Ambulanzgebühren, Kassendefizite und Einsparungen. 
"Diese Diskussionen haben zu einer erhöhten Sensibilität bei den Patienten geführt, die nun mehr über ihre Versorgung nachdenken", ist auch der Präsident der Wiener Ärztekammer, MR Prim. Dr. Walter Dorner, überzeugt. Die Umfrageergebnisse seien ein unmissverständlicher Auftrag an die Gesundheitspolitik der künftigen Regierung, betonte er. 
Die Ängste der Patienten
Die Wiener quält der Umfrage zufolge weniger die Angst um die Pensionen als um ihre Versorgung im Krankheitsfall. Vor allem bei den über 40-Jährigen hat dieses Thema absolute Priorität. 56 Prozent aller Befragten meinten aber auch, dass die Gesundheit derzeit einen zu geringen Stellenwert in der Politik habe. 
Die größte Angst zeigten die Befragten (68 Prozent) davor, von der Sozialversicherung künftig nur mehr die Grundversorgung zu erhalten und zusätzliche Leistungen aus der eigenen Tasche bezahlen zu müssen. 64 Prozent befürchten, dass ihnen die besten Medikamente aus Kostengründen nicht mehr verschrieben werden können, und 58 Prozent haben Angst, im Alter notwendige Operationen nicht mehr zu bekommen. Ein Dorn im Auge sind 76 Prozent der Befragten die hohen Verwaltungskosten im System. 57 Prozent ärgerten sich über die hohen Rezeptgebühren, 54 Prozent über die steigenden Selbstbehalte. 60 Prozent beschwerten sich über lange Wartezeiten auf Facharzttermine und 51 Prozent dauert die Wartefrist auf ein freies Spitalsbett oder einen Operationstermin zu lange. 
Wo die Wiener sparen wollen
Die größte Einsparungsmöglichkeit sehen die Wienerinnen und Wiener bei der Verwaltung der Krankenkassen. Nur 24 Prozent glauben an Einsparungsmöglichkeiten bei den Medikamenten und nur 17 Prozent wollen bei den Arzthonoraren sparen. 15 Prozent sprachen sich für Selbstbehalte aus. Relativ hoch - wenn auch im Vergleich zum Dezember 201 gesunken - ist die Zahl derjenigen, die Raucher und Trinker zur Kasse bitten wollen: Immerhin 39 Prozent halten höhere Beiträge für Risikogruppen - wie Konsumenten von Tabak und Alkohol - für richtig. Immerhin 32 Prozent befürworteten die Forderung der Ärztekammer nach einer moderaten solidarischen Beitragserhöhung von 6 Euro pro Monat und pro Versichertem. 
Ein positives Zeugnis stellten die Wienerinnen und Wiener ihren Ärzten und Ärztinnen aus: 31 Prozent meinten, dass diese die Interessen der Patienten am wirkungsvollsten vertreten würden. Damit überholten sie sogar die Wiener Patientenanwaltschaft. Weit abgeschlagen finden sich bei dieser Frage die Krankenkassen und die Wiener Gesundheitspolitik. 

Mag. Andrea Fried 

Mag. Renate Skledar"Für Patienten ist vieles zu schnell gegangen."

Mag. Renate Skledar, 
Patientenombudsfrau der Steiermark, 
über die Rolle der Patienten 
im Gesundheitswesen

"Ich habe schon das Gefühl, dass die Patienten unzufriedener mit dem Gesundheitswesen geworden sind. Ich führe es darauf zurück, dass es eine sehr hohe Machbarkeitserwartung gibt, die mit der Realität oft nicht übereinstimmt. Wir in der Patientenvertretung haben in den letzten Jahren zunehmend bemerkt, dass Patienten ihr Leid und Schicksal oder eine Komplikation nur mehr sehr schwer akzeptieren können. Gerade in Fällen, in denen niemand Schuld trägt und wo es einfach einen schwierigen Behandlungsverlauf gibt, bräuchten die Menschen mehr Ressourcen, um das akzeptieren zu können. Ich fürchte mich immer schon geradezu, wenn neue Methoden in den Medien propagiert werden, weil es die Erwartungshaltung der Patienten noch mehr steigert. 
Es ist für die Patienten vieles auch zu schnell gegangen. So zum Beispiel die Tatsache, dass Krankenhäuser nicht mehr so sozial sind, wie sie es früher vielleicht waren und wie sie auch dargestellt wurden. Durch die Leistungsorientierte 
Krankenhausfinanzierung sind die Krankenhaustage generell zurückgegangen. Früher wurden Pflegebedürftige länger behalten, wenn es notwendig war." 

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