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Allgemeinmedizin 2. Oktober 2006

Ja zu Frühdefibrillation durch Laien

Das Austrian Resuscitation Council (ARC) und die Österreichische Ärztekammer (ÖÄK) forderten in der gemeinsamen Pressekonferenz im Dezember 2002, die internationalen Leitlinien zur Ersthelfer-Defibrillation (PAD, public access defibrillation) einzuhalten und auch zu lehren. Ziel ist, durch den Einsatz eines Automatischen Defibrillators (AED) eine schnellstmögliche Wiederbelebung von Herzstillstand-Patienten zu gewährleisten und gleichzeitig eine europaweite Harmonisierung des Wissens- und des Ausbildungsstandes auf State of the Art-Niveau sowohl für Laien als auch für Fachpersonal zu erreichen.
"In Österreich gibt es zwar eine gute Ärztedichte und ein Notarztsystem, in dem der Arzt zum Patienten kommt", sagte Dr. Walther Helperstorfer, Leiter des Referates für Notfallmedizin und Vizepräsident der ÖÄK, "doch trotzdem sind wir Ärzte oft nicht die Ersten am Notfallort. Im Fall eines Herzstillstandes aufgrund einer schockwürdigen Rhythmusstörung hat dieser Umstand meist letale Folgen für den Patienten, da seine Überlebenschance pro Minute um 7 bis 10 Prozent sinkt."

Dies ist für Österreichs Mediziner nicht akzeptabel, denn wenn der Ersthelfer mit einem Automatischen Defibrillator (AED) innerhalb der ersten zwei bis drei Minuten schockt, steigt die Chance einer erfolgreichen Wiederbelebung auf bis zu 70 Prozent. Österreich ist zudem das einzige Land, in dem die Rechtslage eindeutig ist: Die Erstdefibrillation durch Laien, Rettungssanitäter und Krankenpflegepersonal ist erlaubt. "Public Access Defibrillation ist ein essentieller Beitrag zur Volksgesundheit und findet daher unsere vollste Unterstützung", betonten unisono Doz. Dr. Michael Baubin, Vorsitzender des ARC und Leiter des Departments für Notfallmedizin, Univ.- Klinik Innsbruck, Dr. Susanne Schunder-Tatzber, Österreichisches Rotes Kreuz und stellvertretende Vorsitzende des ARC, sowie Helperstorfer.

AEDs sind einfach zu bedienen, jeder Laie kann es lernen - eine Fehlauslösung des Schocks ist ausgeschlossen. "Trotzdem ist es notwendig, die Bevölkerung in allen Basisreanimations-Maßnahmen zu schulen, denn was würde der Ersthelfer bei einem nicht-defibrillationswürdigen Rhythmus tun", erklärte Schunder-Tatzber. Das Rote Kreuz startet daher Anfang Jänner die flächendeckende Kampagne "Defi hilft" (siehe unten).
Die internationalen Reanimationsleitlinien fordern aber einen Mindestzeitraum von drei Minuten vom Kollaps bis zum Erstschock. Baubin: "Diese Vorgabe macht zwingend eine Standortanalyse sowohl im inner- als auch im außerklinischen Bereich notwendig und zudem die Bereitstellung der finanziellen Mittel. Im Spitalsbereich obliegt es dem Träger, im Rahmen seiner Sorgfaltspflicht diese Gelder zur Verfügung zu stellen." Seitens des ARC wird an der Erstellung einer österreichweiten CPR-Datenbank (CPR, Kardiopulmonale Reanimation) gearbeitet.

Dr. Sabine Schneider

Wenn Sekunden zählen

Mit Jahresbeginn startete die "Defi hilft"-Kampagne

Rotes Kreuz, BP Austria, Raiffeisen Zentralbank, Österreichische Wirtschaftskammer und ORF setzen mit der "Defi hilft"-Kampagne eine neue Initiative zur Bekämpfung des plötzlichen Herztodes. Kammerflimmern kann jeden treffen - unerwartet und überall. Was dann zählt, ist die schnellstmögliche Defibrillation, denn ohne lebensrettenden Elektroschock sinkt die Überlebenswahrscheinlichkeit mit jeder Minute um 10 Prozent.
In Österreich sterben jährlich etwa 40.000 Menschen an Herzkreislauf-Erkrankungen. Und bis zu 15.000 plötzliche Herztodesfälle ereignen sich außerhalb eines Krankenhauses, entweder in den eigenen vier Wänden oder auf öffentlichen Plätzen. Das Risiko eines Zwischenfalls steigt einerseits mit der Anzahl der Menschen, die sich an einem Ort aufhalten und andererseits durch deren persönliches Risikoprofil. Besondere Gefahrenzonen für einen Herzstillstand sind Straßen, öffentliche Gebäude und Verkehrsmittel, Flughäfen, Einkaufszentren, Sportplätze und Fitnesszentren, Veranstaltungsorte, Bäder, Kinos, große Betriebe, Pflegeheime etc.

Die Rettung braucht im Durchschnitt zehn Minuten bis zum Eintreffen am Notfallort - oft auch länger. Eine Zeit, die der Betroffene nicht hat. Jeder Einzelne von uns, Arzt oder Laie, kann sich also plötzlich in der Situation befinden, in der das Leben eines Mitmenschen von seinem/ihrem persönlichen Handeln abhängt. Ein Albtraum für viele. Die Lösung heißt Frühdefibrillation durch Laien (PAD, public access defibrillation). Um diese wirksame Behandlungsmaßnahme gewährleisten zu können, ist es nötig, die kinderleicht zu bedienenden AEDs (Automatischer Externer Defibrillator) entspechend flächendeckend zu verorten und gleichzeitig die Bevölkerung zu sensibilisieren und auszubilden.
Dieses Ziel verfolgt die Anfang Jänner von Rotem Kreuz (ÖRK), Raiffeisen Zentralbank, BP Austria, Wirtschaftskammer und dem ORF gestartete österreichweite Kampagne "Defi hilft". Gemeinsam soll Österreich sicherer gemacht werden, denn durch den Einsatz eines Defibrillators durch Ersthelfer innerhalb von drei Minuten steigt die Überlebenschance des Patienten von zirka 5 bis 8 Prozent auf 70 bis 80 Prozent. "Die Benützung eines Defis sollte so üblich wie die Bedienung eines Feuerlöschers sein", sagte Gerald Czech, Sprecher des ÖRK im Gespräch mit der ÄRZTE WOCHE. Doch dazu gehört der nationale Wille, Notsituationen gemeinsam abzuwickeln.

Dr. Sabine Schneider, Ärzte Woche 6/2003

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