zur Navigation zum Inhalt
 
Allgemeinmedizin 5. September 2006

Männer sind gar keine Gesundheitsmuffel

Man tut den Männern Unrecht. Sagt man ihnen doch nach, Gesundheitsmuffel zu sein. Sieht man sich jedoch die Statistik genauer an, dann wird dieser Vorwurf nicht bestätigt.

Bei der Vorsorgeuntersuchung sind die Österreicher allesamt ein wenig träge. Nur 11,9 Prozent der über 19-Jährigen machen den jährlichen Gesundheits-Check. Doch wie fälschlicherweise oft kolportiert, gibt es hier gar keine so großen Geschlechterdifferenzen (siehe Tab.). So lag die durchschnittliche Beteiligung der Männer im Jahr 2002 bei 11,7 und jene der Frauen bei 12 Prozent. In Niederösterreich und Tirol übertraf die Vorsorgefreudigkeit der Adams sogar jene der Evas.

„In der mittleren Altersschicht hält sich die Beteiligung der Männer und Frauen die Waage“, sagt die Sozialmedizinerin und „Gender“-Expertin Prof. Dr. Anita Rieder. Sorgen bereiten der Medizin jedoch Männer mit besonders niedriger Ausbildung. Sie sind tatsächlich Verweigerer in Sachen Gesundenuntersuchung. Paradoxerweise zählen aber auch Männer mit beson-ders guter Ausbildung, also Universitätsabschluss, zu den Vorsorgemuffeln, sagt die Sozialmedizinerin.

„Wir müssen verstärkt schichtspezifische Angebote vor Ort bringen“, sagt Rieder. „Der Arbeitsplatz hat eine Schlüsselrolle für die Männergesundheit.“ Ihre Empfehlung: Betriebsärzte sollten mehr Werbung für die Vorsorge machen, Aktionen im Betrieb unterstützen und ein gutes Netzwerk mit den niedergelassenen Ärzten zur weiteren Betreuung der Patienten aufbauen.

Dass die Allgemeinmediziner sowohl für weibliche als auch männliche Patienten wichtige Ansprechpartner sind, zeigt eine Mikrozensus-Erhebung der Statistik Austria aus dem Jahr 1999. Demnach geht jeder Österreicher 3,2 und jede Österreicherin durchschnittlich 3,54 Mal im Jahr zum Hausarzt. Das heißt, dass rund 75 Prozent der Bevölkerung zumindest einmal die Ordination aufsuchen. Besonders häufig kommen Patienten über 75 Jahre (7,13 Mal pro Jahr), Pensionisten (6,23), Arbeitslose (4,81) und Hausfrauen bzw. -männer (4,03).

Zu diesem Thema wurden noch keine Kommentare abgegeben.

Medizin heute

Aktuelle Printausgaben