zur Navigation zum Inhalt
 
Allgemeinmedizin 5. September 2006

„Wir werden gefragt und auch gehört!“

Zwei Jahre lang ist Dr. Reiner Brettenthaler, Präsident der Österreichischen Ärztekammer, an der Spitze der europäischen Standesvertretung der Ärzte (CPME) gestanden. Am 31. 12. 2003 geht seine Funktionsperiode zu Ende.

Das Comité Permanent des Médecins Européens (CPME), der „Ständige Ausschuss der Europäischen Ärzte“, ist die standespolitische Dachorganisation der Ärztevertretungen der EU-Mitgliedsstaaten und repräsentiert rund 1,6 Millionen Mediziner. Der Präsident wird von der Generalversammlung für zwei Jahre gewählt. Eine neuerliche Kandidatur ist nicht möglich. Auf Dr. Reiner Brettenthaler folgt nun der Schwede Dr. Bernhard Grewin.

Es waren zwei sehr positive Jahre, resümiert Brettenthaler: „Heute ist die CPME ein wichtiger Ansprechpartner für die Kommission. Wir werden gefragt und gehört. Das ist extrem wichtig für unsere Arbeit.“ Ob denn Lobbying die Hauptaufgabe der ärztlichen Standesvertretung in Brüssel sei? Der Begriff scheint ihm nicht ganz zu passen. „Wir sind eher Ratgeber in medizinischen und gesundheitspolitischen Fragen“, meint Brettenthaler, der sich bereits sehr routiniert auf internationalem Parkett bewegt.

Doch nicht nur als Lobbyist, sondern auch als Sparmeister war er in Brüssel aktiv. „Ich habe die CPME mit größten finanziellen Schwierigkeiten übernommen. Nun schreiben wir schwarze Zahlen“, sagt er. Seine Strategie: Die Sozialkosten – sprich Ausgaben für Meetings, Geschäftsessen und Büromieten – radikal herunterzufahren. „Damit habe ich mir zwar am Anfang nicht nur Freunde gemacht, aber das ist nun vergessen“, so Brettenthaler.

Inhaltlich waren die Schwerpunkte seiner Amtsperiode die Ärzterichtlinie 93/16 sowie der Aufbau eines europaweiten Präventionsprogramms. Weitere Projekte, wie beispielsweise die Vereinbarung eines „Codes of Conduct“ – quasi ein Verhaltenskodex zwischen Ärzteschaft und Pharmaindustrie – sind noch in Entwicklung.

Worum er sich in Zukunft von der Heimat aus verstärkt kümmern will, ist die Information der österreichischen Ärzte über die politischen Diskussionen und Entscheidungen in der EU. Brettenthaler: „Das klingt oft alles sehr abstrakt. Aber wenn etwas beschlossen wird, hat es dann plötzlich ganz konkrete Auswirkungen auf jeden Arzt in jedem einzelnen Mitgliedsland.“ Wie zum Beispiel die European Health Card, die die Kommission bis 2005 einführen will. Jeder EU-Bürger wird dann einem inländischen Patienten gleichgestellt sein – im Spital und beim niedergelassenen Arzt.

Zu diesem Thema wurden noch keine Kommentare abgegeben.

Medizin heute

Aktuelle Printausgaben