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Allgemeinmedizin 29. August 2006

Ungefährlichen Tabakkonsum gibt´s nicht

Die Ergebnisse der weltumspannenden INTERHEART-Studie bieten Rauchern wenig Trost. Auch wer relativ wenig pafft oder wie bei Zigarren nicht in­haliert, schadet seinem Herzen und reduziert seine Lebenserwartung.

Schon die bisher kolportierten Zahlen ließen eine gewisse Dramatik nicht vermissen. 100 Millionen Menschen sind im 20. Jahrhundert an den Folgen des Rauchens gestorben, eine Milliarde werden es Schätzungen zufolge im 21. Jahrhundert sein. Die Hälfte dieser Todesfälle wird 35- bis 69-Jährige betreffen, deren Leben so um durchschnittlich 22 Jahre verkürzt wird. Zudem mehren sich die Hinweise, dass auch Passivrauchen extrem gesundheitsschädigend ist.
Die häufigsten mit dem Rauchen assoziierten Krankheiten betreffen das Herz-Kreislauf-System, und spätestens nach dem ersten Herzinfarkt sind viele Patienten entschlossen, die Zigaretten endgültig sein zu lassen. Einige meinen jedoch, das Umsteigen auf Zigarren oder Pfeife würde ihnen den vermeintlichen Genuss weiterhin sichern, jedoch ohne die gesundheitlichen Risiken, die damit verbunden sind. Dieser Mär macht nun eine der Auswertungen der INTERHEART-Studie (1) ein Ende.
Prof. Dr. Koon K. Teo und Prof. Dr. Salim Yusuf, Leiter der kardiologischen Abteilung an der kanadischen McMaster University, berechneten im Rahmen der Studie das Herzinfarktrisiko in Abhängigkeit von der Rauchware und davon, ob die jeweilige Person aktiv oder passiv geraucht hatte. Eingeschlossen in diese weltweite Untersuchung, aus der es beispielsweise auch bereits Ergebnisse zum Zusammenhang von Herzgesundheit und Alkohol gibt, wurden die Daten von mehr als 27.000 Personen aus 52 Ländern. Die Forscher korrigierten ihre Berechnungen, um den Effekt anderer, das Infarktrisiko beeinflussender Faktoren wie Ernährungsgewohnheiten und Alter auszuschließen.

Keine Ausweichstrategie

Die Ergebnisse lassen keinen Deutungsspielraum: Tabakkonsum ist in jeglicher Form schädlich. Das gilt auch für das hier zu Lande immer populärer werdende Rauchen der Wasserpfeife oder der aus Indien stammenden kleinen, filterlosen Bidis. Im Vergleich zu Nichtrauchern haben Raucher ein dreifach höheres Risiko, einen Herzinfarkt zu erleiden. Selbst wer sich täglich auf etwa acht bis zehn Zigaretten beschränkt, verdoppelt diese Gefahr.
Wie die Forscher jedoch feststellten, sank bei Exrauchern das Risiko umso mehr, je länger der Rauchstopp zurücklag. Bei schwachen Rauchern (weniger als zehn Zigaretten pro Tag) war nach drei bis fünf Jahren Abstinenz kein übermäßiges Risiko erkennbar. Ehemals moderate und starke Raucher (mehr als 20 Zigaretten pro Tag) hatten allerdings selbst nach zwanzig rauchlosen Jahren noch ein Risiko von 22 Prozent. Das Forscherteam ermittelte zudem, dass auch Passivrauchen das Herzinfarktrisiko bei ehemaligen Rauchern sowie Nichtrauchern ansteigen ließ. Die Ergebnisse zeigen, dass Passivraucher bei höchster Belastung von 22 oder mehr Stunden pro Woche ein um 45 Prozent erhöhtes Infarktrisiko haben können.
Ausweichstrategien für Raucher lassen die Studienautoren nicht zu: „Auch Kautabak verdoppelt das Risiko eines Herzinfarkts“, heißt es in der Lancet-Publikation.

(1) Teo KK et al.: Tobacco use and risk of myocardial infarction in 52 countries in the INTERHEART study: a case control.
Lancet 2006; 368:647-658.

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