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Allgemeinmedizin 7. Juni 2006

Experten warnen vor ungewolltem Mitrauchen

Die Österreichische Krebshilfe nahm den WHO-Nichtrauchertag am 31. Mai zum Anlass, um auf ein neues Projekt aufmerksam zu machen: Eine Broschüre über Passivrauchen soll aufklären.

Kaum ein Thema beschäftigt die Österreicher derzeit so sehr wie die hohen Spritpreise und Restriktionen für Raucher. Sowohl Autofahrer als auch die Raucher verstehen sich als „steuerliche Melkkühe“, wobei sich die Tabakkonsumenten zusätzlich als „Buhmänner der Nation“ sehen. Sie sind über die Beschneidung ihrer persönlichen Rechte erbost und glauben ihre persönlichen Rechte unangemessen beschnitten. Andere hingegen verweisen auf die wesentlich strengeren Verbote in den USA und fordern vor allem für Passivraucher einen besseren Schutz. Innerhalb der EU ist man geneigt, diesen Ansichten zu folgen, zieht immer mehr an der Verbotsschraube und vertraut den Zurufen ärztlicher Organisationen. Zu diesen gehört auch das Expertenforum „Smoke Free Partnership“, welches auf rund 79.500 Opfer des Passivrauchens in der EU pro Jahr verweist. Der Passivrauch selbst besteht aus dem Nebenstromrauch, der von der glimmenden Zigarette ausgeht, sowie aus dem vom Raucher ausgeatmeten Hauptstromrauch. Der weitaus größte Teil der rauchgeschwängerten Luft macht der Nebenstromrauch aus (ca. 80 Prozent), der zwar die gleiche Zusammensetzung wie jener vom Schmöker eingeatmete Hauptstromrauch hat, jedoch mit einer bis zu hundertfach erhöhten Konzentration von karzinogenen Schadstoffen. Diese und weitere Fakten veröffentlicht nun eine Broschüre der Österreichischen Krebshilfe, um die Bevölkerung über akute und chronische Gesundheitsschäden durch Passivrauch sowie über den gesetzlichen Nichtraucherschutz zu informieren und sie darin zu bestärken, eine rauchfreie Umgebung einzufordern. Die Initiatoren weisen darauf hin, dass heute zwar kein Mensch mehr behaupten könne, dass Rauchen nicht ungesund sei, vielen Menschen aber weiterhin nicht bewusst sei, wie gefährlich das Passivrauchen tatsächlich sein könne. „Wir richten uns mit dieser Broschüre ganz besonders an jene, die dem Zigarettenrauch ungeschützt ausgesetzt sind und dies zurecht als Belästigung und Gesundheitsrisiko empfinden“, erklärt der Präsident der Österreichischen Krebshilfe, Prof. Dr. Paul Sevelda, die Ambitionen der Krebshilfe.

Höchste Nikotinkonzentration

Dass in Österreich dringende Notwendigkeit zum Handeln besteht, beweisen vergleichende Luftmessungen in sieben EU-Staaten. Dabei verzeichnete man in der heimischen Lokalszene mit Abstand die höchsten Nikotinwerte. Nicht einmal die hiesigen Krankenhäuser können laut Untersuchung ihren Nikotingehalt niedrig halten. Eine Angelegenheit, die Projekt-Initiator Dr. Reinhard Kürsten besonders bitter aufstößt: „Es ist ein Anachronismus, dass in Österreichs Spitälern, anders als auf Bahnhöfen oder in Schulen, noch immer kein absolutes Rauchverbot herrscht. Wir sind hier aufgefordert, mit gutem Beispiel voranzugehen. Denn strengere Rauchverbote helfen auch Rauchern, ihren Tabakkonsum einzuschränken.“ Befürworter für ein striktes Vorgehen verweisen auf das Beispiel Irland. Dort gab ein überwältigender Teil der ehemaligen Tabakkonsumenten an, sie hätten nach Inkrafttreten des umfassenden Rauchverbots das Qualmen aufgegeben. Von den Rauchern, die nicht aufgehört haben, reduzierte immerhin mehr als die Hälfte ihren Zigarettenkonsum.

Raoul Mazhar, Ärzte Woche 23/2006

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