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Allgemeinmedizin 23. Mai 2006

Bei Schlangenbiss: Gliedmaßen ruhig stellen!

Schlangenbisse in unseren Breiten sind selten und kaum lebensgefährlich. Wer von einer Kreuzotter gebissen wird, sollte die verletzte Extremität ruhig stellen.

Die Wärme lässt es im Gebüsch wieder vermehrt kreuchen und fleuchen und macht auf Wanderungen Schlangenbegegnungen wieder wahrscheinlicher. Ein großer Teil der Reptilien ist jedoch harmlos und scheu. Daher sind Bissunfälle sehr selten und noch seltener wirklich lebensbedrohlich. Bereits wahrgenommene Schritte veranlassen Schlangen zur Flucht. Im schlangenverdächtigen Gelände sind trotzdem festes Schuhwerk und lange Hosen empfehlenswert. An heimischen Giftschlangen gibt es vor allem die Kreuzotter, die in ganz Österreich verbreitet ist, außerdem die Horn- oder Sandviper in Kärnten und der Südsteiermark. Die Wiesenotter, früher an der Südbahnstrecke in Niederösterreich, am Neusiedler See und in der südlichen Steiermark ansässig, gilt heute als ausgestorben.

Systemische Vergiftungen sind die Ausnahme

Bisse von Giftschlangen können freilich sehr schmerzhaft sein. Mitunter sind sie aber auch völlig schmerzlos und werden erst danach durch die typische Bissstelle, lokale Rötung und Schwellung auffällig. Systemische Vergiftungserscheinungen seien die absolute Ausnahme, berichtet der Infektionsmediziner Dr. David Warrel von der Universität Oxford in Großbritannien (BMJ 331, 2005, 1244). Treten systemische Reaktionen dennoch auf, dann sind ein bis zwei Stunden nach dem Biss Übelkeit, Erbrechen, Kopfschmerzen und Schweißausbrüche typisch. „Vor allem ein anhaltend niedriger Blutdruck ist ein Alarmzeichen“, so Warrel. Todesursache ist in der Regel eine Atemlähmung, aber auch schwere anaphylaktische Reaktionen kämen vor. Innere Blutungen träten dagegen, anders als häufig behauptet, selten auf. Sie seien in Zusammenhang mit einer Heparin-applikation beschrieben worden. Daher rät Warrel von einer solchen Therapie ab. Unbedingt verzichtet werden sollte auf alle Versuche, die Wunde zu reinigen, auszusaugen oder auszuschneiden. Auch Kompressionsverbände oder das Abbinden der verletzten Extremität mit einem Stauschlauch oder Ähnlichem seien kontraindiziert. Wichtigste Maßnahme ist, die Extremität mit einer Schiene ruhig zu stellen und Spezialisten zu fragen, ob und wann ein Antidot verabreicht werden muss. In Österreich können wertvolle Informationen beim Vergiftungsnotruf (4064343) eingeholt werden. Antiseren gegen Kreuzottern gibt es in vielen Krankenhäusern, bei exotischen Tieren in diversen „Häusern des Meeres“ bzw. Tiergärten. Wegen der Gefahr von Serumreaktionen wird eine Verabreichung pauschal nicht empfohlen, sondern nur wenn Komplikationen drohen. Die Giftinformationszentrale der Universität Bonn schlägt für die Akutphase Kaffee oder Tee zur Kreislaufstabilisierung vor. Bedeutungsvoller sind Bisse von exotischen Schlangen, die als Haustiere gehalten werden. Auch hier sind Ruhigstellung und die Beratung durch Experten die wichtigsten Maßnahmen. Und: Ein Foto der Schlange ist möglicherweise lebensrettend. Das Erkennen des Reptils ermöglicht den Griff zum richtigen Antidot.

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