zur Navigation zum Inhalt
 
Allgemeinmedizin 18. Mai 2006

Zahl der Patienten mit COPD steigt dramatisch an

Die chronisch-obstruktive Lungenkrankheit verläuft nicht „spektakulär“. Wird sie diagnostiziert, hat die Lunge meist schon massiven Schaden genommen.

Die meisten Patienten mit typischen Frühsymptomen wie Atemnot, Husten, Schleimbildung und Auswurf ignorieren diese zunächst. Sie sind zumeist Raucher und nehmen die Symptome als lästige Begleiterscheinung ihres Lasters in Kauf. Dass sich hinter diesen „Alltagsbeschwerden“ eine ernsthafte Krankheit verbergen kann, wissen viele nicht: 66 Prozent der Europäer können mit dem Begriff COPD (Chronic Obstructive Pulmonary Disease) nichts anfangen, so die Ergebnisse einer Studie, an der über 5.000 Menschen aus Frankreich, Deutschland, Italien, Spanien und Großbritannien teilnahmen (European Consumer Awareness Survey, Taylor Nelson Sofres, 2005). Auch jene, die schon von der Erkrankung gehört hatten, wussten nicht viel mehr darüber: Lediglich neun Prozent war klar, dass COPD häufiger zum Tod führen kann als etwa Schlaganfall, Lungen- oder Brustkrebs. Das Bewusstsein für die Erkrankung war bei Frauen höher als bei Männern. Am besten aufgeklärt waren die Briten, am schlechtesten die Italiener.

Lebensalter und Rauchen sind die Hauptrisikofaktoren

Die COPD ist laut Weltgesundheitsorganisation WHO die am schnellsten zunehmende Todesursache in der westlichen Welt. Derzeit leiden weltweit zehn Prozent aller über 40-Jährigen an COPD. Die Prävalenz steigt mit dem Alter an. Nach wie vor sind mehr Männer als Frauen betroffen. Epidemiologische Untersuchungen gehen aber davon aus, dass die Zahl der erkrankten Frauen bis 2009 deutlich steigen wird. Insgesamt wird die Zahl der Patienten mit COPD weiter zunehmen, vor allem, da mehr Raucher ein höheres Lebensalter erreichen.

Hohe Komorbidität

Zwischen 1965 und 1998 stieg die Zahl der COPD-Todesfälle um 163 Prozent, während die Todesraten durch koronare Herzkrankheit um 59 Prozent sanken (GOLD-Guidelines 2003, www.goldcopd.com). COPD-Patienten haben aber nicht nur mit Lungenproblemen zu kämpfen. Die Komorbidität mit koronarer Herzkrankheit, Herzinsuffizienz und bestimmten Tumoren ist sehr hoch (Mapel DW, 2000). Die MIDSPAN-Studie beobachtete respiratorische Symptome und Funktionen der Einwohner zweier schottischer Ortschaften über ein Viertel Jahrhundert (Hawthorne VM, 1995, und Doll R, 2004). Zunächst wurden 1972 Daten von über 15.000 Männer und Frauen zwischen 45 und 64 Jahren erhoben, 1996 über 2.000 mittlerweile erwachsene Söhne und Töchter dieser Population erneut untersucht. In beiden Studien zeigte sich, dass Rauchen das COPD-Risiko maßgeblich beeinflusst. Rauchen in der Schwangerschaft führte noch viele Jahre später zu einem erhöhten COPD-Risiko des Nachwuchses. Dass die COPD zu den teuersten Krankheiten zählt, errechneten die Autoren einer spanischen Studie (Morera Prat J, 1992). Für einen COPD-Patient müssen jährlich knapp 1.000.- Euro aufgewendet werden. Studien aus den Niederlanden (Van Mölken R, 2000) und Schweden (Jansson SA, 2002) bestätigen diese Zahlen. Die Kosten werden noch dramatisch steigen. Die niederländische Studie wagte auch einen Blick in die Zukunft: Demnach werden die Kosten für die COPD im Jahr 2015 noch um 90 Prozent höher liegen.

Zu diesem Thema wurden noch keine Kommentare abgegeben.

Medizin heute

Aktuelle Printausgaben