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Allgemeinmedizin 9. Mai 2006

Fehlende Zähne: Risiko für die allgemeine Gesundheit

Zahnlosigkeit ist nicht nur eine Frage der Ästhetik. Sie beeinträchtigt die Kau-Funktion und kann Auswirkungen auf die gesamte Gesundheit haben. Moderne Implantologie ist eine Möglichkeit, diesem Risiko zu begegnen.

„Die Kau-Kraft des Unbezahnten sinkt auf weniger als ein Zehntel gegenüber jener des Bezahnten“, warnt Prof. Dr. Rudolf Fürhauser, Gründungsmitglied der Akademie für orale Implantologie. Ein ernstzunehmendes gesundheitliches Risiko, das insbesondere Senioren betrifft. Aktuelle Untersuchungen zeigen, dass ca. 50 Prozent der „dritten Zähne“ nicht optimal funktionstüchtig sind. Speisen werden nicht mehr ausreichend gekaut. Dadurch kann der Darm Vitamine und Vitalstoffe, die der Körper braucht, nicht aufnehmen. Zusätzlich kommt es – unbewusst und schrittweise – zur Umstellung der Ernährungsgewohnheiten auf weiche Lebensmittel mit geringem Nährwert, die Aufnahme von ballaststoff- und vitaminreicher Kost wird zunehmend reduziert. Folgen davon sind Mangel- und Unterernährung mit oft gravierenden Auswirkungen auf die allgemeine Gesundheit. Eine Problematik, der auch in der Ge-riatrie noch viel zu wenig Beachtung geschenkt wird. Zahnverlust und mangelhafter Zahnersatz scheinen aber auch bei jüngeren Menschen gesamt-gesundheitliche Konsequenzen zu haben. Eine schwedische Studie zeigte erst unlängst, dass Prothesenträger mit 35 Prozent mehr Krankenstandstagen offensichtlich eine deutlich schlechtere gesundheitliche Konstitution aufweisen als Personen mit natürlich funktionsfähigem Gebiss. Eine Studie der Universität Greifswald hat sogar ergeben, dass ein Zahnverlust von mehr als 9 Zähnen in einem Kiefer einen negativen Einfluss auf die Lebensqualität hat, der gleich zu setzen ist mit einer chronischen Nierenerkrankung oder einem Karzinom. Eine Möglichkeit, diesen nachteiligen Situationen Herr zu werden, stellt die moderne Implantologie dar. Die vor kurzem gegründete Akademie für orale Implantologie versteht sich als Einrichtung für die Planung und Behandlung komplexer im-plantologischer Fälle in engster Zusammenarbeit mit den nieder-gelassenen Ärzten. Die Implantologie verzeichnete in den letzten Jahrzehnten einen rasanten Fortschritt auf dem Gebiet der Zahnmedizin. Zahn-Implantate eignen sich heute aufgrund modernster Technologien für fast alle Patienten, egal welchen Alters. Sie sind so schön und funktionell wie natürliche Zähne und machen in der Regel keine Verträglichkeitsprobleme. „Bei jüngeren Menschen wird implantiert, um einzelne Zähne zu ersetzen, und natürlich auch, wenn mehrere Zähne fehlen, z.B. aufgrund von Unfällen oder Krankheiten wie Anorexie und Bulimie“, erklärt Prof. Dr. Georg Mailath-Pokorny, Facharzt für Zahn-, Mund- und Kieferheilkunde in Wien. Aber auch immer mehr ältere Menschen entscheiden sich für diese Form des Zahnersatzes. „Einerseits, weil sie dann weiterhin – oder wieder – alles essen können wie früher, andererseits natürlich auch aus optischen Gründen“, erklärt der Zahnmediziner. „Herkömmliche Zahnprothesen führen mit der Zeit zu einem Verlust der Gesichtsproportionen: die Gesichtshöhe nimmt ab, die Weichteile fallen ein, das Gesicht wirkt alt. Bei Zahn-Im-plantaten ist dies nicht der Fall.“ Und weiter führte Mailath-Pokorny bei einer Pressekonferenz in Wien aus: „Mit der Akademie für orale Implantologie haben wir eine Einrichtung geschaffen, an der international renommierte österreichische Spezialisten wichtige Entwicklungsarbeit für die Zahn-Implantologie leisten. Ein Schwerpunkt der Akademie ist die Planung und Behandlung komplexer implantologischer Fälle in engster Zusammenarbeit mit den niedergelassenen Ärzten.“ Die moderne Zahn-Implantologie arbeitet mit Methoden, die das Setzen der Implantate und die prothetische Versorgung im Rahmen eines einzigen Eingriffs ermöglichen. Patienten profitieren damit nicht nur von einer einfachen und schnellen Operation, sondern zusätzlich auch von einer kurzen und unkomplizierten Planungsphase mit einer Vorlaufzeit von etwa zwei Wochen.

Optimale Lokalisation

„Durch eine spezielle Software und Röntgenverfahren können wir heute am Computer eine Modell-operation mit der Auswahl des besten Implantatortes durchführen. Dies ermöglicht eine maximale Schonung von Gefäßen und Nerven“, erklärt Prof. DDr. Robert Haas, Facharzt für Zahn-, Mund- und Kieferheilkunde in Stockerau. „Das gewonnene digitale Datenmaterial dient einerseits der Anfertigung einer Operationsschablone aus Kunststoff, andererseits kann dadurch der Zahnersatz für den Patienten bereits am Labormodell vorfabriziert werden.“

Ohne Skalpell und ohne Naht

Die eigentliche Operation am Patienten erfolgt ausschließlich schablonengeführt und ohne Aufschneiden der Schleimhaut. Der operative Aufwand ist minimal, die Operationsdauer kurz. „Wir wenden das so genannte gestanzte Verfahren an, das heißt, wir arbeiten ohne Skalpell und ohne Naht“, erklärt Haas. Durch eine genaue Abfolge von Bohrern entspricht das Einpflanzen der Implantate hundertprozentig der Computerplanung. Der vom Zahntechniker individuell vorgefertigte Zahn bzw. die vorgefertigte Brücke wird sofort montiert. Bereits unmittelbar nach der Operation können die neuen Zähne voll belastet werden. Implantiert wird heute auch bei Patienten mit Blutgerinnungshemmung, ohne die Medikation abzusetzen. Haas: „Ein wesentlicher Vorteil für die antikoagulierte Patientengruppe, steigt doch das Thromboserisiko bei Umstellung der Gerinnungsmedikation auf das immerhin Vierfache.“ „Der Bedarf an qualifizierten implantologischen Leistungen steigt ständig“, betont Prof. Dr. Georg Watzek, Vorstand der Wiener Universitätsklinik für Zahn-, Mund- und Kieferheilkunde. „Die Akademie für orale Implantologie bietet diesbezüglich einen berufsbegleitenden Studienlehrgang an, dessen Schwerpunkt eindeutig praxisorientiert ist.“ Der abgeschlossene Studienlehrgang berechtigt zur Führung des – staatlich anerkannten – akademischen Titels „Master of Dental Science“, der durch den Rektor der Medizinischen Universität Wien verliehen wird. Ein weiterer Schwerpunkt der Akademie ist die wissenschaftliche Forschung, die auch Themen wie Osteoporose und neue Röntgentechniken umfasst.

Weitere Informationen im Web:
www.implantatakademie.at

 

 Schablonen aus Kunststoff gewährleisten die optimale Lokalisation der Implantate.

Schablonen aus Kunststoff gewährleisten die optimale Lokalisation der Implantate.

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