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Allgemeinmedizin 25. April 2006

Chronische Pankreatitis: Nährstoffdefizit verhindern

Zur Therapie bei chronischen Pankreatitiden gehört neben Lebensstiländerung und palliativen Maßnahmen auch eine effiziente Enzymsubstitution mit Präparaten in magenresistenter Form.

Die chronische Pankreatitis hat unterschiedliche Ursachen, wobei hierzulande Alkoholabusus, Zi-garettenkonsum und Cholelithiasis dominieren. Doch unabhängig von der Genese führt die Pankreatitis bei Nichtbehandlung zu einer irreversiblen Organschädigung. Die daraus entstandene Pankreasinsuffizienz vermindert in gleichem Maß die exokrine wie auch die endokrine Sekretion. In einer Aussendung wies Prof. Dr. Johann Hammer von der Klinischen Abteilung für Gastroenterologie und Hepatologie des AKH-Wien darauf hin, dass für eine adäquate Therapie neben einer Lebensstiländerung und Schmerzlinderung auch eine ausreichende Enzymsubstitution erforderlich sei. Zunächst muss aber die Diagnose erfolgen. Dabei sind die Symptome einigermaßen charakteristisch. Zum Arzt selbst werden die Betroffenen durch episodische Oberbauchschmerzen getrieben, die bei drei von vier Patienten auftreten. Zuvor magern die Betroffenen aufgrund der exkretorischen Insuffizienz ab. Metabolische Krankheitszeichen entwickeln sich dagegen erst viel später. Ganz anders die Steatorrhoe, die typischerweise den ersten Verdacht auf einen Enzymmangel lenkt. Die Synthese der Lipase wird, so Hammer, früh vermindert und zudem im Dünndarm rascher proteolytisch abgebaut als andere Enzyme.

Keine erhöhten Serumwerte

Die Spiegel der Pankreasenzyme sind im Serum, mit Ausnahme von akuten Exazerbationen, nicht erhöht. „Daher beruht die Diagnosestellung einer chronischen Pankreasinsuffizienz auf zumindest einem der typischen Symptome: Gewichtsverlust, Malnutrition, Bauchschmerzen bzw. Meteorismus, Diarrhoe, fettiger Stuhl, Diabetes mellitus in Verbindung mit sonographischen bzw. radiologischen Veränderungen oder erniedrigten Konzentrationen von Chymotrypsin oder Elastase im Stuhl“, erklärt Hammer. Mithilfe strenger Alkoholabstinenz kann etwa bei der Hälfte der Patienten eine Schmerzlinderung erreicht werden. Die weitere analgetische Therapie folgt dem WHO-Stufenschema. Hatten Richtlinien bislang eine strenge Fettrestrik-tion empfohlen, so wird davon aufgrund des entstehenden Nährstoffdefizits wieder abgeraten. Hammer empfiehlt daher keine Reduzierung der Kalorienzufuhr. Die Nahrung sollte kohlenhydratreich sein, ausreichend essenzielle Fettsäuren enthalten und auf kleine Mahlzeiten aufgeteilt werden. Eine suffiziente Resorption von Nährstoffen kann mithilfe einer Enzymsubstition erreicht werden. Dazu eignen sich kombinierte Enzympräparate in magensaftresistenter Form. Hammer: „Die Enzymsubstitution sollte gleichzeitig oder fraktioniert mit der Nahrung erfolgen. Sie muss sich an der jeweiligen Fettzufuhr und der eingeschränkten Pankreasfunktion orientieren. Erfahrungsgemäß besteht die Neigung zur drastischen Unterdosierung. Tatsächlich sollten zu jeder Mahlzeit mindestens 10.000 bis 25.000 IE Lipase substituiert werden, dies gilt auch für Zwischenmahlzeiten. Beispielsweise sind zur adäquaten Enzymsubstitution für einen Apfel 2.000 IE nötig, für einen Kaffee mit Milch 4.000 IE und für eine Extrawurstsemmel bereits 40.000 IE.“

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