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Allgemeinmedizin 20. April 2006

Zu viele Lücken in der Hospizarbeit

Hospiz- und Palliativarbeit bedeutet nach wie vor zu einem Großteil Abhängigkeit von Spenden und der Subventionsfreudigkeit der Länder. Die Forderungen nach verbindlichen Plänen und fixen Mitteln, vor allem auch für Aus-, Fort- und Weiterbildung von Ärzten und Betreuungspersonal, werden lauter.

„Zweifellos wurden die Bereiche Hospiz- und Palliativversorgung durch die Gesundheitspolitik jahrelang verschleppt. Aber gerade in den letzten drei Jahren hat sich hier viel bewegt“, meint Florian Pressl, zuständiger Referent im Gesundheitsministerium. Vor zwei Jahren wurde ein österreichweiter Hospiz- und Palliativplan erstellt, der schrittweise umgesetzt werden soll. Der Fortschritt wird allerdings vielfach als zu langsam und nicht weitgehend genug erachtet. In der abgestuften Hospiz- und Palliativversorgung – also zwischen stationären Hospiz- und Palliativbetten bis hin zur Betreuung zu Hause - spielen Hospizteams eine wichtige Rolle. Die Teams bestehen großteils aus ehrenamtlichen Mitarbeitern. Es wäre wichtig, „diese aus- und weiterzubilden sowie zu koordinieren und zu begleiten“, betont Caritas-Präsident Franz Küberl. „Der Staat darf sich hier nicht aus der Verantwortung stehlen. Wir fordern die Sicherstellung von finanziellen Mitteln für die wertvolle Arbeit der Hospizteams durch die Bundesländer.“

Zuschüsse immer nur auf Zeit

Dem stimmt auch der Allgemeinmediziner Dr. Johann Baumgartner, Stellvertretender Vorsitzender von „Hospiz Österreich“ und Vorstandsmitglied der Österreichischen Palliativgesellschaft, zu: „Es gibt zwar in manchen Bundesländern Zuschüsse für Aus- und Fortbildung, die aber jährlich neu verhandelt werden müssen.“ Ähnliches gelte für die Honorierung der Teamleiter. „Die Arbeit der Hospizvereine erfolgt mit zeitlich begrenzten Zuschüssen von Bund und Ländern bzw. mit Spenden. Das macht langfristige Planung sehr schwierig“, so Baumgartner. Dass „ehrenamtliche Arbeit in der Hospiz- und Palliativversorgung einen hohen Stellenwert hat und Lücken in der finanziellen Unterstützung bestehen“, bestätigt auch Pressl. Eine Arbeitsgruppe, in der unter anderen Bund, Länder, Hauptverband und Ärztekammer vertreten sind, befasse sich derzeit aber mit diesen Themen. „In der Ausbildung von Pflegepersonal gibt es schon seit 1997 einen Teil zur Palliativpflege“, berichtet Baumgartner. In medizinischen Curricula komme diese zwar ebenso vor, allerdings in viel zu geringem Ausmaß. Erfreulicherweise nehmen immer mehr Ärzte an interdisziplinärer Fortbildung teil bzw. absolvieren das Diplom für Palliativmedizin der Ärztekammer. „Von einer flächendeckenden und ausreichenden Qualifizierung der Mediziner sind wir aber noch weit entfernt“, so Baumgartner. Den massiven Bildungsbedarf bestätigte auch eine Umfrage in der Steiermark bei Hausärzten und Personal in der Hauskrankenpflege. Baumgartner fordert jedenfalls eine deutliche Aufwertung des Themas schon in der Ausbildung, auch im praktischen Teil. Die Ca-ritas will sogar die Einführung eines Zusatzfaches Palliativmedizin in der Facharztausbildung.

Aus- und Fortbildung wird von vielen Seiten gefordert

„Eine zentrale Basis der struk-turellen Qualität in diesem Bereich ist die Schmerztherapie“, sagt auch Prim. Dr. Georg Pinter, Präsident der Österreichischen Gesellschaft für Geriatrie. Er unterstützt deshalb die Forderung der Österreichischen Schmerzgesellschaft nach forcierter Aus- und Fortbildung für Ärzte. Sowohl die Bedeutung der niedergelassenen Allgemeinmediziner in der Hospiz- und Palliativversorgung als auch die Lücken in der Aus- und Fortbildung stehen für Pressl als Mitarbeiter des Ministeriums außer Frage. Er spielt den Ball aber an die Ärztekammer weiter, „die sich hier engagieren müsste“. Der Hauptverband hingegen sei für die Honorierung des Aufwandes in der Hospizbetreuung bzw. die Gestaltung der Gesamtverträge in den Bundesländern zuständig.

Umsetzung hinter dem Plan

Obwohl es einen Plan für die abgestufte Hospiz- und Palliativversorgung gibt, ortet Baumgartner in der Umsetzung seit Jahren zu wenig Bewegung: „Gerade wenn es um multimorbide Patienten im Spital, Altenheim bzw. im häuslichen Umfeld geht, hat sich der Einsatz eines Palliativ-Konsiliardienstes oder von Mobilen Palliativteams sehr bewährt.“ Die Angst mancher niedergelassenen Ärzte, es könnten ihnen Patienten „weggenommen“ werden, sei unbegründet. „Wer eine solche multidisziplinäre Kooperation schon erlebt hat, steht dieser positiv gegenüber und beteiligt sich aktiv daran“, sagt Baumgartner. Dennoch wisse er von Ressentiments bei etwa einem Drittel der Hausärzte. Diesbezüglich notwendige Informationsarbeit müsste von der Gesundheitspolitik institutionalisiert gefördert werden. Trotz der hehren Pläne gibt es nach wie vor zu wenig Palliativkonsiliardienste bzw. Mobile Palliativteams. Auch der Aufbau ehrenamtlicher Hospizteams hinkt hinterher. Von den bereits seit 2001 geplanten Hospiz- und Palliativbetten in Heimen und Spitälern wurden erst knapp 15 Prozent realisiert. Tageshospize gibt es derzeit nur vereinzelt; sie gehen vor allem auf das Engagement von Institutionen wie der Caritas zurück.

Anliegen der Strukturreform?

So wie Pinter fordert auch der Wiener Caritasdirektor Michael Landau die rasche Umsetzung des „Aufbau- und Ausbauplans für die Hospiz- und Palliativversorgung in allen ihren Formen und eine gesicherte Finanzierung in diesem Bereich“. Baumgartner pocht auf „verbindliche Zusagen und Mittel“ und hofft auf die Verhandlungen bzw. Ergebnisse zum Österreichischen Strukturplan Gesundheit (ÖSG), die im Juni dieses Jahres abgeschlossen sein sollen. „Grundlage der weiteren Umsetzung ist eine gut abgesicherte Übereinkunft zwischen Bund, Ländern, Sozialversicherung und Partnern wie der Ärztekammer“, betont Pressl. Das brauche halt noch Zeit.

Nur verschiedene Institutionen zu schaffen, ist zu wenig

Pinter hofft, dass die Realisierung der Pläne nicht ähnlich schleppend wie beim Ausbau der geriatrischen Versorgung vorangeht: „Finanzielle Mittel sind auch für das Management der Nahtstellen zwischen extra- und intramuralem Bereich unbedingt erforderlich. Die Betreuung von Patienten soll solange wie möglich zu Hause erfolgen und nicht einfach verschiedene Institutionen geschaffen werden, in denen diese dann ‚verschwinden’.“

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