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Allgemeinmedizin 11. April 2006

High-Tech in der Wundversorgung

Bei chronischen, schlecht heilenden Wunden, wie sie vor allem bei Diabetespatienten immer wieder vorkommen, hat sich ein Vakuumverband bewährt. Die High-Tech-Methode hält die Keimzahl gering, ermöglicht eine verbesserte Kapillareinsprossung, reduziert das Wundödem und verkürzt insgesamt die Heildauer.

Der erste Schritt in der Wundheilung ist durch eine ausreichende Vaskularisation charakterisiert. Ist die Durchblutung als Folge von Erkrankungen gestört, können die Wunden nicht heilen und werden ödematös. Das Ödem verstärkt die bereits bestehende Hypoxie und verlängert in weiterer Folge die Diffusionsstrecke des Sauerstoffs: Die Wunde wird chronisch. „Ein typisches Beispiel für so einen bedrohlichen Vorgang ist das diabetische Ulcus, das als schwerwiegendste, chirurgisch zu behandelnde Folgeerkrankung des Diabetes mellitus bezeichnet werden kann“, erklärte die zertifizierte Wundmanagerin und Chirurgin Dr. Elisabeth Stubenberger, Otto Wagner Spital, Wien, bei einer Pressekonferenz zum Thema „Der diabetische Fuß“. Der Circulus vitiosus könne jedoch, so Stubenberger, durch eine Vakuumversiegelung der Wunde durchbrochen werden.

Pumpe für saubere Wunde

Verwirklicht hat diesen Ansatz die Firma KCI mit ihrem V.A.C.® (Vacuum Assisted Closure)–System. Dabei wird ein zurechtgeschnittenes Schaumstoffstück (Polyurethan oder Polyvinylalkohol) auf die Wunde gelegt und mit einer transparenten Folie abgedichtet. Eine kleine Öffnung erlaubt einen Zugang für den Drainage-Schlauch, der mithilfe einer Pumpe jenen Unterdruck erzeugt, mit dem das Wundsekret abgesaugt wird. Das Abschotten der Wunde verhindert, dass äußere Keime eindringen und fördert zudem die Einsprossung neuer Kapillargefäße. Zudem verkleinert das Vakuum die Wundfläche und begünstigt die Bildung von Granulationsgewebe. Im Rahmen einer rezenten, multizentrischen, randomisierten und kontrollierten Studie mit 162 diabetischen Patienten untersuchten Armstrong et al., ob eine Wundbehandlung mit Unterdruck den Anteil der Wundheilung nach einer partiellen Fußamputation zu erhöhen vermag (The Lancet, Vol 366: 1704-10). In den beiden Beobachtungsarmen wurde neben dem V.A.C.®-System eine hoch entwickelte feuchte Wundbehandlung (z.B. Hydrogel mit Mull, Hydrogele und Hydrokolloide) eingesetzt. Die V.A.C.®-Therapie erreichte einen vollständigen Wundverschluss von 56 Prozent im Vergleich zur Kontrollgruppe, die lediglich 39 Prozent vorweisen konnte (ein vollständiger Verschluss wurde als 100-prozentige Reepithelialisierung ohne Drainage definiert). Daneben zeigte die innovative Vakuum-Wundversorgung eine signifikant raschere Neubildung von Granulationsgewebe. „Die Anwendung des V.A.C.®-Prinzips führt demnach zu einer Verminderung der Amputations-rate und einer damit verbundenen Reduktion der enormen Folgenkosten“, fasste Stubenberger zusammen.

 Was bewirkt V.A.C. (R) Therapie?

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