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Allgemeinmedizin 4. April 2006

„The same procedure as every year ?“

Es ist die Zeit der Meningokokken-Neuinfektionen. Experten mahnen zur verstärkten Aufmerksamkeit, da Früherkennung das Schlimmste verhindert.

Das Ende des Winters ist in gemäßigten Klimazonen jene Jahreszeit, in der Meningokokken vorgeschädigte Schleimhäute und somit ideale Biotope vorfinden. Bis zu 15 Prozent aller Menschen tragen die bakteriellen Keime im Nasen- Rachenraum, ohne zu erkranken, und dienen somit als einziges biologisches Reservoir. Letztlich bleibt den Bakterien zur Arterhaltung nur der direkte Weg von Mensch zu Mensch mittels Tröpfcheninfektion oder Kusskontakt.

Hautveränderung gibt Hinweis

Der Meningokokken-Invasion können grippeähnliche Symptome vorausgehen, wobei der eigentliche Beginn der Meningitis durch hohes Fieber und zunehmende, unerträgliche Kopfschmerzen charakterisiert wird. Später kommen Nackensteifigkeit und im bakteriämischen Stadium Petechien hinzu, die selbst unter Druck nicht verblassen. Des Weiteren finden sich Gelenks- und Muskelschmerzen, Krampfanfälle, Übelkeit, Benommenheit, Lichtscheue sowie dunkle, knötchenförmige Hautveränderungen. Eine dramatische Verschlimmerung tritt im Rahmen eines Waterhouse-Friderichsen-Syndroms mit Sepsis, Verbrauchskoagulopathie und Hämorrhagien ein und kann innerhalb von wenigen Stunden zum Tod führen.

Jede Minute zählt

Der Sozialmediziner Prof. Dr. Michael Kunze von der Universität Wien verweist auf den entscheidenden Faktor Zeit und appelliert an die Mediziner, bei Verdacht auf Meningokokken-Meningitis unverzüglich zu handeln. Doch gerade beim Hauptteil der Betroffenen, nämlich Kleinkindern, kann die Infektion atypisch und uncharakteristisch verlaufen (Säuglinge und Kleinkinder sind zumeist „trinkfaul“ und erscheinen übermüdet, fast apathisch). Die Bakterien werden in 13 verschiedene Serotypen unterteilt, von denen fünf gefährlich sind. In Österreich und anderen europäischen Ländern sind für die meisten Erkrankungen B- und C-Meningokokken verantwortlich. Gegen die B-Variante des Erregers ist derzeit noch kein prophylaktisches Kraut gewachsen. Anders erscheint die Situation bei der Gruppe der C-Meningokokken, für die ein Konjugat-Impfstoff entwickelt wurde, der jahrzehntelangen Schutz bietet. Die Vakzinierung schützt nicht nur den Geimpften vor Erkrankung, sondern verhindert auch, dass ein Keimträger zur Infektionsquelle wird.

Links: www.meningokokken.at

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