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Allgemeinmedizin 14. März 2006

Ein wertvoller Tipp für kranke Arbeitnehmer

Initiative gegen Frühinvalidität: Zur Unterstützung betroffener Patientinnen und Patienten sollten Ärzte auf dieses Angebot aufmerksam machen.

Arbeiten im „Alter“ heißt für gar nicht so wenig Menschen arbeiten mit „Krankheit“. Im Beruflichen Bildungs- und Rehabilitationszen­trum (BBRZ) in Wien wurde deshalb das „Service Arbeit und Gesundheit 40+“ als Anlaufstelle für Betroffene eingerichtet. Dieses Projekt wird aus Mitteln des AMS ­Wien, der Arbeiterkammer Wien und des Wiener ArbeitnehmerInnen Förderungs Fonds (WAFF) finanziert.

Kranke stehen oft allein da

Gesundheitliche Beeinträchtigungen kündigen sich zumeist über viele Jahre an, ehe gravierende Leistungseinbußen bis hin zur Invalidität oder Berufsunfähigkeit eintreten. Im Falle einer Erkrankung fehlt es in den Unternehmen aber oft an Mitteln und Möglichkeiten, um angemessen darauf zu reagieren. Auch die beste medizinische Beratung zeigt oft wenig Wirkung, wenn sich an den Belastungen am Arbeitsplatz nichts ändert. Die behandelnden Ärzte können hier einen wertvollen Beitrag für die Betroffenen leisten, indem sie auf die Beratungsstelle hinweisen. Zielgruppe der Initiative sind ArbeitnehmerInnen im aufrechten Dienstverhältnis mit gesundheit-lichen Einschränkungen ab 40 Jah-ren und Unternehmen, die diese Personen beschäftigen. Beide Seiten können sich hier Unterstützung holen, damit es möglichst gar nicht erst zu Problemen oder gar Kündigungen kommt.

Beratung und Förderung

Oft kann durch Anpassungen am Arbeitsplatz oder durch einen Wechsel im Unternehmen eine deutliche Verbesserung für die Betroffenen erreicht werden. Ist dies der Fall, unterstützt „Service Arbeit und Gesundheit 40+“ Arbeitsorganisation und Arbeitsplatzanpassung und organisiert passende Förderungen. Für die Betroffenen werden außerdem bei Bedarf arbeitsmedi-zinische und arbeitspsychologische Beratung angeboten. Wenn zusätzliche Qualifizierungsmaßnahmen notwendig sind, erstellt das Service-Team einen individuellen Bildungsplan, der auf den geplanten, neuen Tätigkeitsbereich zugeschnitten ist. In Wien werden zur Finanzierung dieser Ausbildungen vom WAFF Mittel zur Verfügung gestellt. Wichtig ist jedenfalls, bei beginnenden gesundheitlichen Problemen frühzeitig aktiv zu werden. Der für viele immer noch nahe liegende Lösungsansatz, um eine Invaliditäts- bzw. Berufsunfähigkeitspension anzusuchen, ist oft nicht zielführend. Laut einer Studie des Instituts für Berufs- und Erwachsenenbildungsforschung wird die Hälfte aller Anträge abgelehnt. Der Grund dafür dürfte sein, dass mangels Information über Alternativen zu viele von vornherein aussichtslose Anträge eingebracht werden. Bis sich das herausstellt, haben viele Betroffene schon ihren Arbeitsplatz verloren. Zu viel Zeit ist vergangen, die für konstruktive Lösungen hätte genutzt werden kön- nen. „Service Arbeit und Gesundheit 40+“ zeigt, wie es anders geht. Die Wiener Beratungsstelle ist Montag von 13 bis 18 Uhr, Dienstag und Mittwoch von 9 bis 16 Uhr und Donnerstag und Freitag von 9 bis 12 Uhr unter Tel. 01/740-22-400 erreichbar. „Service Arbeit und Gesundheit“ gibt es auch in Graz. Weitere Informationen gibt es auf www.servicearbeitgesundheit.at, auch Folderbestellung möglich.

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