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Allgemeinmedizin 8. März 2006

Der Penis – die „Antenne des Herzens“

Sexuelle Funktionsstörungen vermehrt aus dem Tabubereich zu holen und statt-dessen als Gesundheitsmarker zu etablieren, ist ein aktuelles Anliegen der Urologen. Nun konnte eine österreichische Studie die direkte Korrelation zwischen Erektiler Dysfunktion (ED), KHK und Insult erneut dokumentieren. Dies bestätigt einmal mehr die wichtige Rolle der ED als Warnzeichen für Herz-Kreislauf-Erkrankungen.

Der Urologe schlüpft immer mehr in die Rolle des ungeliebten Arztes, bedauerte Dr. Michael Eisenmenger, Präsident des Berufsverbandes der Österreichischen Urologen, anlässlich einer Pressekonferenz im Wiener Museumsquartier. Er begründete dies mit den unangenehmen, bisweilen auch schmerzhaften Erfahrungen während eines Urologenbesuches.

Krankheit ist „unmännlich“

„Hinzu kommt, dass der männ-liche Umgang mit Siechtum und Krankheit ohnehin ein problematischer ist. Diese gelten schlichtweg als unmännlich“, erörterte Eisenmenger die grundlegenden Schwierigkeiten, den männlichen Teil der Bevölkerung für Vorsorgemaßnahmen zu motivieren und zumindest einmal jährlich in die Praxen zu locken. Diese Problematik war ein Ansporn zur Einführung des AndrochecksTM, quasi ein „Pickerl“ für den Mann. Dabei soll es nicht allein um die Probleme unterhalb der Gürtellinie gehen. Vielmehr sieht Eisenmenger den ganzheitlichen Mann im Mittelpunkt. Freilich steht die „biologische Bruchstelle“ Prostata im Brennpunkt der Anstrengungen, jedoch berücksichtigt die umfassende Diagnostik auch Zusammenhänge zwischen urologischen, psychischen und sexuellen Problemen sowie deren Wechselwirkungen. Wichtig sind laut Eisenmenger auch kommunikative Fähigkeiten, schließlich müssen Tabuthemen wie Sexualität offen angesprochen werden.

Breites Interesse wecken

Tatsächlich ist die Gesundheit des Mannes ein medizinisches Randthema, beklagte desgleichen Prof. Dr. Walter Stackl, Vorstand der Abteilung für Urologie der Rudolfstiftung Wien sowie Präsident der Österreichischen Gesellschaft für Urologie und Andrologie: „Männer erkranken weit häufiger an einem Prostatakarzinom als Frauen an Brustkrebs. Trotzdem liegt der medial-öffentliche Schwerpunkt eher am weiblichen Krebs. Die Hauptschuld tragen natürlich die Männer, die sich immer stark und gesund fühlen wollen – selbst dann, wenn sie es schon lange nicht mehr sind. Deshalb haben wir 2006 zum Jahr der Vorsorge-Motivation für den Mann erklärt!“

Impotenz aktiviert Männer

Doz. Dr. Stephan Madersbacher von der Urologie und Andrologie des SMZ-Ost warnte davor, die großartige Gelegenheit eines urologischen Check-Ins ungenutzt verstreichen zu lassen: „Sie gibt uns die Möglichkeit, schwer wiegende Erkrankungen bereits in der vorklinischen Phase aufzudecken und rechtzeitig zu therapieren. So gesehen ist der Penis die ‚Antenne des Herzens‘. Die ersten Anzeichen einer systemischen, arteriellen Erkrankung äußern sich klinisch spät, dann aber vehement. Zunächst sind die kleinen Arterien betroffen, was sich symptomatisch kaum bemerkbar macht, außer – und das ist der Knackpunkt – im Rahmen einer Erektilen Dysfunktion. Mit diesem Potenzproblem kommt der Mann dann endlich in die urologische Praxis, wo der lang fällige Gesundheitscheck durchgeführt werden kann.“ Der Kardiologe Prof. Dr. Kurt Huber, Vorstand der 3. Medizinischen Abteilung des Wiener Wilhelminenspitals, pflichtet bei: „Tatsächlich sind die Risikofaktoren von ED und KHK identisch. Wird ein Mann mit erhöhtem Zucker, Hypertonie, Dyslipidämie, Nikotin­abusus und einer positiven Familienanamnese mit Potenzproblemen vorstellig, wäre es fahrlässig, ihn ohne vorherige Untersuchung allein mit einem PDE-5-Hemmer gehen zu lassen. Hier kann die Impotenz zu Recht als Lebensretter bezeichnet werden, vorausgesetzt wir Ärzte handeln verantwortungsbewusst.“

Studie bestätigt Verwandtschaft zwischen ED und KHK

Dass die Verwandtschaft ED und KHK mehr als nur eine Vermutung ist, bestätigte Madersbacher einmal mehr anhand einer Studie mit nahezu 2.500 Teilnehmern aus dem Wiener Gesundenuntersuchungspool (Ponholzer et al.; Eur Urol 2005;48:512-518). Mithilfe eines validierten Fragebogens zur standardisierten Erfassung der ED (IIEF-5) sowie einer detailliierten Gesundheitsuntersuchung,dokumentierten die Studienautoren über 150 Parameter pro Proband. Es zeigte sich, dass Männer mit mäßiger bis schwerer ED ein um bis zu 65 Prozent höheres Risiko haben, innerhalb der nächsten zehn Jahre einen Herzinfarkt zu erleiden als Gesunde. Die Gefahr eines Insultes präsentierte sich um 43 Prozent erhöht. Madersbachers Fazit: „Modernes Management der ED zielt natürlich auf die Symptome und bekämpft die Impotenz mithilfe von PDE5-Inhibitoren. Darüber hinaus sollte aber niemals auf die Therapie der Komorbiditäten, wie beispielsweise KHK oder Diabetes mellitus vergessen werden – bevorzugt mit Lifestyle-Änderungen. Letztlich muss jeder Patient ab einer mäßigen ED auch internistisch abgeklärt werden. Dabei fällt dem Urologen die Rolle des Gesundheitsmanagers zu.“

Links:
http://www.urologisch.at/
http://www.uro.at/

 

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