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Allgemeinmedizin 27. Februar 2006

Goldene Regeln für die Arzneitherapie (Folge 5)

Spezifisch behandeln, Therapieziel definieren, Nutzen / Risiko- Verhältnis prüfen

Wenn ein Arzt mit Wünschen seiner Patienten bezüglich Arzneimittel konfrontiert wird, dann gibt es einige grundsätzliche Betrachtungen. Prof. Dr. Markus Müller, Facharzt für Innere Medizin, Universitätsklinik für Klinische Pharmakologie, Wien, bezeichnet diese Aspekte gerne als "Goldene Regeln".

  1. Die erste goldene Regel: Der Arzt soll möglichst spezifisch behandeln und ein Behandlungsziel definieren. Das ist, so Müller, auch ganz im Sinne der Evidence-based Medicine. Diese Regel ist wichtig, weil es oft vorkommt, dass Patienten Medikamente von früheren Verordnungen monate- oder gar jahrelang "mitschleppen", ohne dass sich jemand Gedanken über die aktuelle Sinnhaftigkeit dieser Arzneimittel macht. Mit der Zahl der verschiedenen Arzneimittel, die gleichzeitig eingenommen werden, steigt die Wahrscheinlichkeit von Interaktionen dramatisch an und daraus resultieren oftmals gefährliche und unangenehme Nebenwirkungen. In amerikanischen Spitälern liegen fatale Arzneimittel-Nebenwirkungen an vierter Stelle der Mortalitätsstatistik.

  2. Die zweite goldene Regel: Der Arzt sollte versuchen, das Nutzen/Risiko-Verhältnis abzuschätzen. Es gilt: Je kränker ein Patient ist, umso größer ist meist der Nutzen durch ein Medikament. Deshalb ist auch bei den so genannten Befindlichkeitsstörungen der Nutzen von Arzneimitteln nur schwer nachweisbar.

  3. Die dritte goldene Regel: Der Arzt soll gegenüber neuen Arzneimitteln skeptisch sein. Aufgrund der hohen Produktivität der pharmazeutischen Industrie werden Ärzte laufend mit neuen Arzneimitteln konfrontiert. Die Zahl therapeutischer Optionen nimmt daher stetig zu. Die negativen Langzeitwirkungen von neuen Arzneimitteln sind allerdings anfangs kaum abzuschätzen. Dazu gab es in jüngster Zeit z.B. mit Trovafloxacin und Cerivastatin negative Beispiele. 

  4. Die vierte goldene Regel: Der Arzt soll die Arzneimitteltherapie möglichst einfach gestalten. Es ist immer sinnvoll, zu prüfen, ob man dem Patienten Arzneimittel ersparen kann. Medikamente von fraglichem Nutzen sollten radikal gestrichen werden, da sie meist doch ein gewisses Risikopotenzial beinhalten.

  5. Die fünfte goldene Regel: Der Arzt soll eine genaue Arzneimittelanamnese erheben. Auf diese Weise kann das Therapieregime überprüft und eine Doppelverschreibung vermieden werden. Müller kann sich an eine Patientin erinnern, die gleichzeitig drei Antihistaminika-Präparate eingenommen hat, die ihr von drei verschiedenen Ärzten verordnet wurden. Vergessliche Patienten sollten sich ihre Arzneimittel und deren Einnahmemodalitäten unbedingt aufschreiben.

Dr. Wolfgang Steflitsch, Ärzte Woche 25/2002

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