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Allgemeinmedizin 8. Februar 2006

Rezepte gegen Schlaflosigkeit

Immer mehr Menschen haben chronische Probleme mit dem Ein- und Durchschlafen. Manchmal können schon Lebensstiländerungen oder einfache Hausrezepte die Nachtruhe zurückbringen. Wenn nicht, sollte man auch vor dem langfristigen Einsatz Schlaf fördernder Substanzen nicht zurückschrecken.

Der Organismus verzeiht zwar kurzfristige Schlafdefizite, die durch ein Mehr an Tiefschlaf in den folgenden Nächten wieder wettgemacht werden können. Aber wenn sich über längere Zeit eine „negative Schlafhypothek“ aufbaut, chronifiziert die Störung leicht. Viele Menschen schlafen pro Nacht durchschnittlich eine Stunde weniger, als sie nach eigenem Empfinden bräuchten. Kein Wunder also, wenn die Zahl derer, die an gestörtem Nachtschlaf und übermäßiger Schläfrigkeit am Tag leiden, ständig steigt. Die meisten Patienten leiden mehr als zwei Jahre unter ihrem Schlafproblem, bevor sie sich an einen Arzt wenden, berichtete Prof. Dr. Göran Hajak, Universität Regensburg. Eine Kurzzeittherapie hilft in solchen Fällen nicht mehr. „Schlafstörungen sind sehr gut behandelbar, wenn auch selten zu eliminieren“, so der Schlafmediziner.

Milch trinken und ein Bad nehmen

Das therapeutische Arsenal der Schlafmedizin ist heute breit gefächert und erlaubt eine differenzierte Behandlung. An erster Stelle stehen nicht medikamentöse Maßnahmen von Schlafhygiene über das Glas Milch vorm Schlafengehen oder das heiße Vollbad – dessen Wirkung übrigens darauf beruht, dass nach Verlassen der Wanne die Körperkerntemperatur wieder sinkt, was einen starken Schlafreiz auslöst. Auch die Lichttherapie hat hier ihren Platz, etwa für Büromenschen, die den ganzen Tag in unzureichender Beleuchtung arbeiten und deren innere Uhr deshalb aus dem Takt gerät. Hajak empfiehlt eine Stunde Bestrahlung mit mindestens 2000 Lux, um die innere Uhr wieder richtig zu takten. Säule Nummer drei der Schlafmedizin ist die medikamentöse Therapie. Klassische Hypnotika sind dabei aufgrund ihrer unerwünschten Wirkungen kaum noch gefragt und werden zunehmend durch die so genannten Z-Substanzen – Zopiclon, Zolpidem, Zaleplon – ersetzt. Hajak sprach sich nachdrücklich dafür aus, Schlafstörungen so früh wie möglich mit derart hochwirksamen Substanzen zu behandeln, um einer Chronifizierung vorzubeugen. Baldrian könne zwar ebenfalls helfen, sei aber deutlich weniger wirksam. Das Risiko der Abhängigkeit bei der Langzeitbehandlung wird überbewertet. Hajak: „Bei Hypertonikern und Diabetikern akzeptiert man auch, dass sie lebenslang behandelt werden müssen.“ Ähnlich wie Antidiabetika eine Stoffwechselstörung des Organismus beheben, kompensieren Schlafmittel eine Störung im ZNS.

Keine Angst vor Schlaf fördernden Substanzen

Von den Chronobiotika wie Melatonin und dessen Abkömmlingen wird man nach Ansicht des Schlafforschers in den nächsten Jahren noch viel hören. Das erste verschreibungspflichtige Melatoninpharmakon wurde in den USA kürzlich zugelassen. Melatonin gibt dem Organismus das Signal, dass Dunkelheit herrscht und es Zeit zum Schlafen ist. Es induziert keinerlei Abhängigkeit. Hajak warnte jedoch vor den in amerikanischen Drugstores erhältlichen Melatoninpräparaten: Da Melatonin leicht zerfällt, könne man sich auf deren Wirkstoffgehalt nicht verlassen. Verunreinigungen seien bei diesen Präparaten, die nicht dem amerikanischen Arzneimittelrecht unterliegen, nicht auszuschließen.

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