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Allgemeinmedizin 10. Jänner 2006

COPD: Früher erkennen und behandeln

Neue Daten zeigen: Es sind mehr Österreicher von COPD betroffen als bisher angenommen. Und: Bei 75 Prozent der behandlungsbedürftigen Betroffenen wird die Lungenerkrankung lange nicht diagnostiziert.

Bisher war man in Österreich von bis zu 800.000 Menschen ausgegangen, die an der nicht heilbaren Lungenerkrankung leiden. Betroffen wären – so die Annahme – vier bis sechs Prozent der Männer und ein bis drei Prozent der Frauen. Neue Daten zur Prävalenz der COPD hat nun eine Studie von Doz. Dr. Michael Studnicka an der Paracelsus Universität Salzburg erbracht, die kürzlich beim Kongress der Österreichischen Gesellschaft für Pneumologie präsentiert wurde: 26 Prozent der Menschen über 40 Jahre zeigen bei der Lungenfunktionsprüfung Anzeichen einer chronisch obstruktiven Lungenerkrankung. Behandlungsbedürftig sind auf jeden Fall rund elf Prozent. Ferner sind laut Studnicka 75 Prozent der behandlungsbedürftigen Erkrankten nicht diagnostiziert und daher auch nicht behandelt. Bei der Früherkennung spielt in erster Linie der Allgemeinmediziner eine wichtige Rolle, wie jüngst wiederum das Ergebnis einer Umfrage der Österreichischen Gesellschaft für Allgemein- und Familienmedizin (ÖGAM) unter 1080 niedergelassenen Allgemeinmedizinern zeigte. Die Diagnose COPD erfolgt meist in weit fortgeschrittenen Stadien, wenn der Patient bereits über chronische Atemnot und extrem starken Husten klagt. „Allgemeinmediziner nehmen eine Schlüsselposition in der Früherkennung und Diagnose der COPD ein, weil die für die Erkrankung gefährdeten Patienten in der Regel zu ihnen kommen und nicht von sich aus beim Facharzt vorstellig werden. Meist kommen die Betroffenen in der Akutphase eines Infekts“, weiß Dr. Reinhold Glehr, Qualitätssicherungs-Referent der ÖGAM und Allgemeinmediziner in Hartberg. So zeigt die Umfrage, dass rund 80 Prozent der österreichischen Allgemeinmediziner die Erstellung der COPD-Diagnose als ihre Aufgabe ansehen. Die Hausärzte identifizieren COPD zumeist in der Akutphase von Infekten (78 Prozent), bei Vorsorge- und Sportuntersuchungen (69 Prozent) sowie auch bei Konsultationen wegen anderer Beschwerden (65 Prozent). Als Risikogruppen schätzen Österreichs Allgemeinmediziner in erster Linie Raucher ab 40 Jahren ein (84 Prozent), daneben aber auch Patienten mit chronischem Husten und Atemnot (75 Prozent), Patienten mit chronischem Husten mit oder ohne Auswurf (69 Prozent), Patienten mit gehäuften respiratorischen Infekten (59 Prozent), Patienten mit positiver Familienanamnese (51 Prozent) sowie Patienten mit Arbeitsplatzbelastung (43 Prozent). Diagnostiziert wird COPD über die Symptome (79 Prozent), über die Anamnese (71 Prozent), mittels Spirometrie (51 Prozent) und per Scoring System (39 Prozent). Gemeinsames Management Zur bisweilen aufwändigen Differenzialdiagnose soll dem im Juni 2005 veröffentlichten ÖGAM-Konsensus entsprechend jeder Patient mit COPD oder mit dem Verdacht darauf zumindest einmal bei einem Lungenfacharzt abgeklärt werden. „Im Verlauf der Erkrankung gewinnt das gemeinsame Management von Allgemeinmediziner und Facharzt immer größere Bedeutung. Dadurch bekommt der Patient konsistente Botschaften vermittelt, was die gemeinsame Führung des COPD-Patienten erleichtert und letztendlich sein Vertrauen und seine Therapietreue positiv beeinflusst“, so Dr. Erwin Rebhandl, Präsident der ÖGAM und Arzt für Allgemeinmedizin in Haslach. Tatsächlich überweisen 94 Prozent der befragten Allgemeinmediziner Patienten mit diagnostizierter COPD auch an den niedergelassenen Lungenfacharzt. Bei Verdacht auf COPD überweisen 92 Prozent der Ärzte den Patienten an den Lungenfacharzt. „Die Therapie richtet sich nach dem Schweregrad der Erkrankung, wobei die ÖGAM das Management der Erkrankung nach dem Stufenplan nach GOLD empfiehlt“, so Glehr. „Therapieziele sind die Verbesserung des klinischen Verlaufs der Erkrankung, die Verminderung von Symptomen, Verbesserung von Belastungstoleranz und Lebensqualität sowie eine Reduktion der Schwere und Häufigkeit akuter Rückfälle“, ergänzt Rebhandl.

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