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Allgemeinmedizin 10. Jänner 2006

Blutegel als „Hilfstherapeuten“ im Einsatz

Die „glitschigen, schwarzen Würmer“ helfen als blutsaugende Therapeuten beispielsweise bei Durchblutungsstörungen der Beine, Krampfadern, Rückenschmerzen und schlecht heilenden Wunden.

In vergangenen Zeiten gehörten Blutegel zur medizinischen Stan- dard­ausrüstung. Erste schriftliche Aufzeichnungen über eine solche „eg(k)elhafte“ Therapie gibt es bereits aus dem zweiten Jahrtausend vor Christus. Und noch vor wenigen Jahrzehnten hatten Spitäler ständig einen Vorrat dieser Blutsauger auf Lager. Auch in keiner Apotheke durften Blutegel fehlen. Freilich ist es nicht jedermanns Sache, sich einer derartigen „Blut- abnahme“ zu unterziehen. Die Leiterin des Naturheilzentrums Alserstraße, Dr. Petra Orina Zizenbacher, gerät geradezu ins Schwärmen, wenn sie diese Therapieform beschreibt: „Die Erfolge sind ganz phantastisch. Der Blutegel öffnet im wahrsten Sinn des Wortes Schleusen und hilft dabei, Stag-nationen und starke Stauungsprozesse zu lösen.“ Zizenbacher setzt die Egel-Therapie bei Durchblutungsstörungen in den Beinen, bei Beingeschwüren, Rücken- und Regelschmerzen sowie schlecht heilenden Wunden ein. Die Wirkung des „schwarzen Naturdoktors“ ist dadurch begründet, dass er das Blutverdünnungsmittel Hiruduid in die Wunde, die durch seinen Biss entstanden ist, abgibt und es dann absaugen kann, ohne dass es verklumpt. „Auf diese Weise kann der Biss eines Egels Stagnationen aufheben und somit die Durchblutung fördern bzw. wieder in Schwung bringen“, erklärt Zizenbacher. Durch eine „Blutmahlzeit“ erhöht sich das Gewicht des Wurmes um das Acht- bis Zehnfache. Voll gesaugt fällt er dann von selbst wieder ab. Vom Biss selbst spürt der Behandelte praktisch nichts. „Man muss sich allerdings schon Zeit nehmen für diese ‚Entstauung‘“, betont die Allgemeinmedizinerin. „Als erstes steht eine gründliche Untersuchung und Abklärung der Beschwerden auf dem Programm. Der Egel nuckelt immerhin zirka eine halbe Stunde herum, bis er völlig gesättigt zu Boden fällt. Auf die zu behandelnde Stelle werden bis zu vier Blutegel gesetzt. Das hängt ab vom Alter des Patienten, der Art der Erkrankung und auch der Größe der zur Verfügung stehenden Tiere.“ Pro Mahlzeit konsumiert ein Blutegel rund fünf bis zehn Milliliter Blut. Die Bissstellen müssen allerdings bis zu drei Tage verbunden bleiben, der Verband sollte täglich gewechselt werden. Rat der Expertin: Zwei Tage vor der The-rapie sollte man keine Kosmetika, Parfumes oder Körperlotion verwenden und kein erfrischendes Duschbad nehmen. Das schreckt die Blutegel ab, sie nehmen dann keine Blutmahlzeit zu sich.

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